Pyramiden des Pharao Snofru in Dahschur

Mit Pharao Snofru (ab ca 2575 v. Chr.) begann die eigentliche Zeit des Pyramidenbaus in Ägypten. In Jahrhunderten hatten die ägyptischen Baumeister nach Methoden gesucht, wie ein würdiges Grabmal für einen Pharao auszusehen habe. Unter Snofru meisterten sie die technischen Schwierigkeiten und fanden die günstigste Form für die Pyramiden, die schließlich Jahrtausende überdauern sollten.

Wann Snofru regierte und wie lange ist für Historiker schwierig festzustellen. Schätzungen gehen von einer Regierungszeit von 29 bis 42 Jahren aus. Fest steht aber, dass er in seiner Regierungszeit drei Pyramiden erbauen ließ.

Meidum

Die Pyramide in Meidum ließ er während seiner ersten 14 Jahre Regierungszeit 75 km südlich von Giseh in mehreren Bauabschnitten errichten. Das Gebäude umfasste am Ende acht Stufen. Es gibt Hinweise, dass Snofru die Pyramide nur weiterbauen ließ. Als Erbauer wird auch der Pharao Huni genannt.

Neben der Pyramide wurden auch weitere Gräber errichtet. Alleine für den Bau der Pyramide wurden dabei über 400000 Kubikmeter Stein verbaut. Die Pyramide ist nur noch als Turm erhalten geblieben. Sie diente in der Vergangenheit häufig als Steinbruch. Historiker nehmen aber auch an, dass die Pyramide nie fertiggestellt wurde. Es gibt auch Hinweise, dass die Stufenpyramide zu einer “richtigen” Pyramide umgewandelt werden sollte.

Die Pyramide unterscheidet sich in der Grabkammergestaltung vom Grabmal Djosers. Der Eingang ins Innere befindet sich in 16 Meter Höhe auf der Nordseite. Ein 50 Meter langer Gang führt abwärts bis unter die Basis der Pyramide. Er wird dann 10 Meter weiter geführt. Am Ende befindet sich ein senkrechter Schacht, der aufwärts in die Grabkammer führt. Die Kammer liegt auf der Höhe der Pyramidenbasis. Sie ist 17 Quadratmeter groß und fünf Meter hoch.

Die Pyramide hatte wahrscheinlich eine Höhe von 82 bis 92 Meter Seitenlänge 144 Meter. Eine Steinmauer umfasste das Gelände, dass im Süden auch eine Nebenpyramide besaß. Ein abfallender Gang zu deren Grabkammer wurde gefunden.

Seit der Regierungszeit Snofrus durften alleine die Pharaonen in Pyramiden bestattet werden, mit einer Ausnahme. Dieses Privileg erhielten seit Cheops auch bedeutende Königinnen, die in kleinen Pyramiden neben den Hauptpyramiden beerdigt wurden.

Nördlich der Pyramide ist ein Gräberfeld die letzte Ruhestätte königlicher Familienangehöriger und hoher Würdenträger. Nahe der Pyramide von Meidum liegt die Mastaba Nr. 17, in der ein Prinz beerdigt sein soll.

In der Mastaba Nr. 16 wurde der Bauleiter der Pyramide, Nefermaat, beerdigt. Das Grab hat eine Größe von 68 mal 121 Metern und eine Höhe von 10 Metern. Die Außenmauern waren ursprünglich weiß getüncht. Die Wände der Grabkammer sind u.a. mit Bildern aus dem Alltagsleben der Ägypter geschmückt.

In weiteren Gräberfeldern beerdigten die Ägypter Beamte und Arbeiter, deren Dienste am Pharao dadurch geehrt wurden. Mit der Beerdigung der Toten in unmittelbarer Nähe zur Pyramide dokumentierten die Ägypter ihren Glauben, dass die Verstorbenen auch im Jenseits dem Pharao dienten.

Da der Pharao seinen Regierungsitz nach 15 Jahren nach Norden verlegte, blieben viele Gräber leer. Die Gründe für den Umzug sind bis heute unbekannt geblieben.

“Knickpyramide”

Die Pyramide erhielt erst in unserer Zeit diesen Namen. Eigentlich heißt sie : “Die strahlende Pyramide des Südens.” Historiker übersetzten den Namen auch mit “Die Erscheinung des Snofru, die Südliche.” Snofru ließ die neue Pyramide in der Nähe seines Regierungssitzes Memphis erbauen. Um 2600 v. Chr. begannen die Bauarbeiter unter der Leitung des Baumeisters Nefermaat, der auch für die Pyramide von Meidum verantwortlich war, mit den Arbeiten.

Die Pyramide wurde in der Nähe eines Sees, der durch Kanäle mit dem Nil verbunden war, errichtet. So konnten die nötigen Baumaterialien per Schiff angeliefert werden. Durch ein Wadi, dem Snofru-Tal, wurden die Lasten zur Baustelle gezogen. Die Steine wurden in einem 200 Meter vom Baugrund entfernten Steinbruch geholt.

Warum Snofru keine Stufenpyramide erbauen ließ ist bis heute unbekannt. Historiker sehen in den glatten Außenwänden der Pyramide religiöse Motive. So könnte der in dieser Zeit entstehende Sonnenkult Ursache für die neue Bauform gewesen sein.

Die Architekten dieser Epoche suchten den geeigneten Neigungswinkel für Pyramiden. Die Stufenpyramiden hatten Winkelmaße von 72 bis 78 Grad. Für die angestrebte Bauart waren diese Neigungen zu steil. Die Knickpyramide wurde deshalb zu Anfang mit einem Winkelmass von ca 60 Grad gebaut. Die Bauarbeiten zeigten aber zahlreiche Schäden. Die Pyramide wurde mit einem Mantel mit 55 Grad Neigung umgeben. Doch auch das erwies sich als zu steil.
Zu dieser Zeit baute man die Pyramide so, dass die Steinblöcke nach innen geneigt lagen. Das erhöhte aber den Druck auf das Gebäude. Die Probleme wurden deshalb so gross, dass die Erbauer ab der Mitte des Gebäudes die Blöcke horizontal verlegten. Das hatte Auswirkungen auf den Neigungswinkel, er betrug jetzt nur noch 43 Grad. Der “Knick” war da.

Weitere Theorien über den “Knick”:

Unter Archäologen existieren mehrere Theorien über die Form der Pyramide. Sie vermuten, dass der Baugrund der Pyramide nachgegeben habe und die Pyramide sich zu senken drohte. Entweder hatten die Ausschachtung der ersten Grabkammer den Baugrund destabilisiert oder eine unentdeckte Höhle brach unter dem Gewicht der Pyramide zusammen. Eine weitere Vermutung über eine mögliche Senkung des Gebäudes lautet, dass sich Tonschichten, die sich zwischen dem Kalkstein des Baugrundes befanden, unter dem Druck verschoben hatten. Belegt ist, dass das untere Kammersystem im Laufe der Zeit beschädigt wurde.

Die Knickpyramide erhielt zwei Grabkammern. Im Gegensatz zur Pyramide von Meidum wurde eine Grabkammer unterirdisch angelegt. Die 23 Meter unter der Basis befindlichen Kammer wurde von einem schmalen Gang erreicht. Der Korridor, der von der Nordseite in die Tiefe führt ist exakt nach Norden ausgerichtet. Eine architektonische Meisterleistung. Der Nordkorridor endet in einer 12 Meter hohen Vorkammer. Von hier führte wahrscheinlich eine Treppe in die höhergelegene “Untere Kammer”, der eigentlichen Grabkammer. Die Decke, ein Kraggewölbe, hat eine Höhe von 17 Metern. An der Südseite der Grabkammer folgt ein senkrechter Schacht, der so genannte “Kamin”. Seine Funktion ist unklar.

Nachdem die statischen Probleme die Grabkammer beschädigten, wurde eine neue Grabkammer über der Pyramidenbasis gebaut. Sie ist etwa 16 Meter hoch und liegt drei Meter über der Basis. Das Kraggewölbe hatte daher ein geringeres Gewicht zu tragen als die untere Grabkammer und erhielt dadurch eine größere Stabilität. Der Zugang zu dieser Kammer erfolgte von der Westseite der Pyramide. Beide Kammern sind durch einen Gang miteinander verbunden.

Trotz aller Bemühungen nahmen die statischen Probleme weiter zu. Die obere Grabkammer wies nun ebenfalls Risse auf und man versuchte das Gewölbe abzustützen. Als alle Bemühungen scheiterten, wurde die Kammer und der Zugang zugemauert. Die Pyramide sollte nicht mehr als Grabmal für den Pharao dienen.

Im Süden der Knickpyamide wurde eine kleinere Pyramide errichtet. Sie hat eine Seitenlänge von 52 Metern und eine Höhe von 25 Metern. Diese Konstellation von Haupt- und kleiner Nebenpyramide sollte über die Jahrtausende weiter angewendet werden. Diese kleinen Pyramiden würden immer südlich der Hauptpyramide errichtet, so dass die Archäologen sie als Südgräber bezeichneten. Der Zweck der Südgräber blieb bisher unklar.

Die beiden Pyramiden wurden von einer Mauer umgeben. Obwohl die Knickpyramide wahrscheinlich nicht mehr als Grabmal diente, wurde sie für religiöse Andachten aufgesucht. An der Ostwand fanden sich Überreste einer kleinen Kultstätte. Zwei Stelen waren von einer Mauer eingefasst, die von einer Vorhalle unterbrochen wurde. In der Nachbarschaft befindet sich die zur Pyramide gehörende Nekropole. Im Gegensatz zur Pyramide in Meidum, befinden sich die Mastabas der Knickpyramide auf Hügeln der Umgebung. Ein 210 m langer Weg verbindet die Pyramide mit dem Taltempel. Vom Talweg, der Mauer und der Kultstätte zeugen nur noch Überreste.

Die Rote Pyramide

Der Pharao liess dann in seinem 30. Regierungsjahr eine weitere, grössere Pyramide errichten. Die Nord- oder Rote Pyramide. Sie erreichte eine Höhe von ca 105 m, bei einem Winkel von 43 Grad, Basislänge 220 Meter.

Die Architekten des Pharaos unterlagen nach dem Bau der Knickpyramide einem gewissen Zeitdruck. Deshalb wurde die neue Pyramide in unmittelbarer Nähe der Knickpyramide errichtet. So konnte man die Werkstätten und Transportwege benutzen, die eigentlich für die Knickpyramide gedacht waren.

Den Kalksandstein brachen die Ägypter in einem 500 Meter entfernten Steinbruch. Dieser Kalkstein hatte eine rote Farbe und sollte deshalb den späteren Namen der Pyramide prägen. In späteren Zeiten wurde die Außenverkleidung der Pyramide abgebrochen, deshalb kamen die roten Steine zum Vorschein.

Um noch mehr Zeit zu sparen, wurden die Grabkammern nicht aus dem Boden gebrochen. Die Kammern wurden im Pyramidenkern oberhalb der Basis angelegt.

Der Eingang zur Roten Pyramide liegt auf deren Nordseite in etwa 30 Metern Höhe. Ein abfallender Gang verläuft genau in nördlicher Ausrichtung. Er ist 60 Meter lang und 1,30 Meter hoch. Drei Meter über der Basis der Pyramide führt der Weg zur ersten Vorkammer. Diese Kammer wird durch einen weiteren drei Meter langen Gang mit der nächsten Vorkammer verbunden. Beide Kammern sind je acht Meter lang und 12 Meter hoch, bei einer Breite von knapp über 3,5 Meter. In acht Meter Höhe der südlichen Wand der zweiten Vorkammer befindet sich die Öffnung des Korridors, der in die Grabkammer führt.

Die Grabkammer ist über 14,5 Meter hoch, vier Meter breit und knapp über acht Meter lang. Der Sarkophag des Pharaos wurde nicht gefunden. Vermutlich wurde das Grab geplündert. Die Grabkammer ist in Ost-West-Richtung gebaut worden.

Die Baumeister hatten aus den bisherigen Bauten gelernt, und so ist dieser Bau ohne Mängel errichtet worden. Die Bauzeit der Roten Pyramide ist nicht genau festzulegen. Historiker vermuten eine Baudauer zwischen 11 und 22 Jahren. Ungewiss ist auch, ob die Pyramide noch zu Lebzeiten Snofrus fertig wurde. Cheops, der Sohn Snofrus, hatte wahrscheinlich den zur Pyramide gehörenden Totentempel vollenden lassen.

Die Rote Pyramide erhielt aus Zeitnot kein Südgrab. Es gibt Vermutungen, dass die südlich gelegene Knickpyramide diese Funktion übernehmen sollte.

Den Taltempel der Roten Pyramide konnte man bisher nicht finden. In der Nachbarschaft der Pyramide liegen mehrere Gräberfelder. Zur Zeit (2000) werden die südlich gelegenen Gräber untersucht. Der so genannte Lepsius-Friedhof ist 400 Meter lang und 150 Meter breit.

In einem Gräberfeld im Osten nahe der Pyramide Amenemhets II. befindet sich nach Meinung einiger Archäologen das Grab des Totenpriesters Kanefer, der wahrscheinlich der Baumeister der Roten Pyramide war.

Der Kult um den verstorbenen Pharao erforderte die Tätigkeit von zahllosen Priestern. Diese wohnten mit ihren Familien in der unmittelbaren Nähe des Taltempels der Pyramide. Um die Priester und den Kultbetrieb zu unterhalten, siedelten sich Handwerker und Händler ebenfalls hier an. Es entstand dadurch eine Pyramidenstadt, die für die Umgebung wirtschaftliche Bedeutung hatte.

Die Pharaonen nach Snofru suchten in den nächsten Jahrhunderten für ihre Nekropolen andere Gebiete am Nil aus. Nordöstlich der Roten Pyramide fanden Archäologen die Reste einer Pyramide, die vom Ende der 5. Dynastie stammt und dem Pharao Menkauhor zugeordnet wird. Sie hatte wahrscheinlich eine Seitenlänge von 90 Metern.

Weitere Grabmale errichteten erst wieder die Pharaonen Amenemhet I: und Sesostris I. und ihre Nachfolger in Dahschur.

Domänen

Die Rote Pyramide war aber nicht die einzige Gedenk- und Kultstätte des verstorbenen Pharaos. Bereits zu seinen Lebzeiten ließ Snofru so genannte “Domänen” einrichten. Auf diesen Ländereien zelebrierten die Priester den Totenkult für den Pharao. Die Zeremonien sollten noch mehrere Jahrhunderte von den Nachfolgern Snofrus gefördert werden.

Die Domänen waren als Stiftungen organisiert. Sie besaßen Ländereien und Handwerksbetriebe, deren Erlös den Priestern und dem Totenkult zu Gute kam.

Literatur:
Ekschmitt, Werner: Die sieben Weltwunder, von Zabern 1984
Haase, Michael: Das Feld der Tränen : König Snofru und die Pyramiden von Dahschur, Ullstein 2000
Lehner, Mark: Geheimnis der Pyramiden, Orbis 1999

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