Alltag im Alten Ägypten

Kindheit

Die Ägypter waren Kindern gegenüber positiv eingestellt. Sie sahen in den Kindern nicht nur die zusätzlichen Arbeitskräfte für die Familie und die Ernährer der alten Eltern. Die Kinder wurden geliebt, wie zahlreiche Funde es belegen. Die Kinder hatten aber eine weitere wichtige Aufgabe, sie mussten für die angemessene Beerdigung der Eltern Sorge tragen und die nötigen Trauerrituale ausführen.

Nach der Geburt erhielt das Baby seinen Namen, wobei es je nach Epoche andere Modenamen gab. So war es üblich, die Jungen nach dem jeweiligen Pharao zu benennen.

Die Kinder wurden entweder von der Mutter oder einer Amme bis ins dritte Lebensjahr gestillt. Die Kinder trug man in umgebundenen Leinentüchern. Das Kind war mit Amuletten behängt, damit dessen Wohlergehen gesichert war. Die Kinder liefen oft nackt umher, weil es das Klima im Sommer erlaubte. Für die kalte Jahreszeiten hatten sie natürlich Kleider. Dabei fielen besonders die abnehmbaren Ärmel auf.

Als Zeichen ihrer Kindheit und Jugend trugen die Kinder eine so genannte Jugendlocke, die von der rechten Schläfe als Zopf herabwuchs. Auf Gemälden erkannte man Jugendliche daran, dass sie den rechten Zeigefinger im Mundwinkel hatten.

Die Kinder spielten mit Kreiseln, Bällen und beweglichen Puppen. Tauziehen war bei den Jungen beliebt. Es gibt nur wenige gefundenen Abbildungen, die Jungen und Mädchen beim geminsamen Spielen zeigen.
Die Mädchen wurden oft beim Tanzen und Turnen gezeigt.

Die Jungen lernten ab dem 5. Lebensjahr Schreiben und Lesen. Daneben halfen die Kinder in der heimischen Landwirtschaft und in den Handwerksbetrieben. Die Jungen gingen auf die Vogeljagd und hüteten Vieh. Die Mädchen halfen im Haushalt.

Essen und Trinken

Der Großteil der ägyptischen Bevölkerung aß Brot und trank Bier. Brot wurde hauptsächlich als Fladenbrot gebacken. Es gab aber auch andere Brotformen. Das Brot war grobkörnig und mit Resten der Mahlsteine und Sand verunreinigt. Viele Menschen hatten deshalb ein stark beschädigtes Gebiss.

Das Bier wurde im eigenen Haushalt gebraut und wurde aus Gerstenbrotteig gewonnen. Datteln und andere Aromen wurden zugesetzt.
Einfache Arbeiter aßen außerdem Zwiebeln, Melonen und Radieschen. Wohlhabende Ägypter genossen die Früchte der Dumpalme, die nach Ingwer schmecken, Pflaumen, Datteln und Feigen.

Die Kunst des Weinanbaus kam aus Kleinasien ins Land. Bald entwickelten die Ägypter einen ertragreichen Weinanbau. Auch hier unterschied man zwischen Qualitätsweinen und einfachen Sorten. Der Wein wurde in Krüge gefüllt und mit einem Hinweis auf den Jahrgang versehen. Die Weine wurden im Nildelta um Memphis bzw. in den Oasen angebaut.

Milch war ein beliebtes Getränk. Käse und Quark produzierten die Ägypter aber erst seit der Ptolemäer-Zeit.

Die Ägypter der unteren Gesellschaftschichten aßen kaum Fleisch. Selten gab es Hammel oder Ziege. Die Rinder waren als Opfertiere für die Tempel vorgesehen. An Geflügel fing man Wasservögel. Ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. kamen neben Gänsen auch Hühner auf den Speiseplan.
Zum Würzen verwendete man Salz, zum Süßen Honig.

Handwerker

Bildhauer, Tischler und Juweliere hatten ein hohes Ansehen bei den Ägyptern. Ihre Arbeiten verrichteten sie nach jahrhunderteralter Tradition. Oft wurde der Beruf vom Vater auf den Sohn vererbt. Ihre Werkstätten und Werkzeuge gehörten in der Regel ihrem Auftraggeber, dem Tempel oder dem Palast.

Die Ausbildung eines Handwerkers konnte mehrere Jahre dauern. Mit dem wachsenden Wohlstand mit dem Beginn des Alten Reiches steigerte sich auch die Produktion der Handwerksbetriebe. Es wurde die “Massenproduktion” entwickelt.
Obwohl die Produkte sehr begehrt bei den wohlhabenden Ägyptern waren, wurden die Handwerker nicht als Künstler betrachtet.

Wichtige Details über das Leben der Handwerker überlieferte die “Lehre des Cheti”, in der ein Vater seinen Sohn die Vorzüge des Schreiberberufs darlegte, in dem er auch das mühevolle Leben der übrigen Berufe schilderte.

Nicht jeder Handwerker lebte unter armseligen Verhältnissen. Die Handwerker für die Gräber, Pyramiden und anderer bedeutender Bauten erhielten eine gute Entlohnung und Unterkunft.

Die Arbeit der Menschen in den Goldbergwerken war dagegen äußerst hart. Hier arbeiteten Kinder, Frauen und Alte unter unmenschlichen Bedingungen.

Medizin

Die Ärzte Ägyptens genossen in der Antike ein hohes Ansehen. So reisten sie über Griechenland bis nach Assyrien, um Patienten zu behandeln. Die Ärzte schöpften ihr Wissen aus den Erfahrungen vorheriger Generationen. Obwohl die Mumifizierung im Land bekannt war, betrieben die Ärzte keine anatomischen Forschungen. Die Öffnung von Leichen war nur den Priestern erlaubt.
Neben ihren Erfahrungswerten wurde auch die Magie bei der Behandlung angewandt. Die Ärzte kannten über 200 Krankheiten. Sie behandelten ihre Patienten mit Kräutern. Verletzungen und Brüche wurden erfolgreich kuriert. Es gab sogar Operationen am offenen Schädel, die der Patient auch überleben konnte.

Die Ägypter sorgten sich auch um ihre Sauberkeit. Deshalb reinigten die Ärzte sich und ihre Instrumente vor der Behandlung. Damit reduzierten sie das Infektionsrisiko. Viele Mediziner des Landes spezialisierten sich auf bestimmte Krankheiten, um sie erfolgreicher behandeln zu können.

Zahnärzte zogen nicht nur Zähne, sie fertigten auch Füllungen aus Harz und Malachit an. Augenärzte verabreichten Tropfen zur Behandlung.

Es gab natürlich Unterschiede in der Versorgung der Kranken im Land. So wurden wohlhabende und einflussreiche Menschen besser behandelt.

Das ägyptische Schönheitsideal

Betrachtet man die Gemälde und Statuen des Alten Ägypten, fällt eines auf: die Figuren sind stilisiert und zeigen keinen körperlichen Makel. Die Schönheit des Körpers spielte im ägyptischen Leben eine bedeutende Rolle. Die künstlerische Darstellung des Körpers sollte die abgebildete Person idealisieren. Dabei folgten die Künstler in den Jahrtausenden wechselnden Schönheitsidealen. Wichtig war dabei das Einhalten der jeweils gültigen Proportionen eines Körpers.

Die Darstellungen zu Beginn des Alten Reiches waren wenig modelliert. Die Frauen wurden als kräftige Gestalten mit halblanger Frisur gezeigt. Im Mittleren Reich wurden die Gestalten schlanker und länger. Gesichtszüge bekamen individuellere Merkmale. Die Hüften der Frauen waren jetzt schmaler. Die Stilisierung der Figuren wurde in der 18. Dynastie so weit getrieben, dass man Frauen und Männer kaum unterscheiden konnte.

Die Darstellung von Privatpersonen folgte stets dem Trend, wie der regierende Pharao dargestellt wurde. Männer zeigten die Künstler kräftiger und muskulöser. Personen, die einen hohen gesellschaftlichen Status innehatten, wurden oft mit einem Bauchansatz dargestellt.

Echnaton veränderte nicht nur die Religion des Landes. Die Menschen erhielten jetzt einen überproportional in die Länge gezogen Hinterkopf und einen verlängerten Hals. Die Gesichter erschienen schmaler.

Die Ägypter wollten nicht nur auf Abbildungen und Skulpturen einem modischen Schönheitsideal folgen. Hygiene und Kosmetik gehörten zum täglichen Leben. Indem man graue Haare und Fältchen kaschierte sollte jeglicher Makel im Aussehen verborgen werden. Beweise für die Kosmetika im Alten Ägypten fanden sich in den Gräbern aus dem vierten Jahrtausend v. Chr. Öle und Salben dienten auch dem einfachen Ägyptern als Pflegemittel. Sesam- und Olivenöl fanden häufig Verwendung. In Verbindung mit Myrrhe, Honig und Duftstoffen aus Blüten entfalteten die Salben Wohlgefühl und förderten die Heilung von Hauterkrankungen.

Die Ägypter betonten ihre Augen mit dunklen Lidstrichen. Bleiglanz und Malachit gehörten zur Grundlage der Schminke. Mit den Lidstrichen verbanden die Ägypter das Modische mit dem Nützlichen. Die dunkle Schminke schützte die Augen vor der gleißenden Sonne – eine Methode die heute noch bei Sportlern gerne angewendet wird. Mit der 19. Dynastie tauchte das erste “Makeup” auf.

Literatur:
Frieling, Ingrid: Lebensalltag zur Zeit der Pharaonen, Stuttgart: Das Beste 1994 (Reisen in die Vergangenheit.)
Heike Wilde: Schönheit im Alten Ägypten in: Damals; H. 8 / 2007 S. 14 – 27, Konradin Medien 2007

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