Geschichte Athens

Ursprünge

Die Halbinsel Attika ist etwa 2500 qkm groß. Seit dem 7. Jahrtausend v. Chr. wanderten verschiedene Völker auf die Halbinsel ein. Seit dem 4. Jahrtausend ist die Gegend bewohnt. Um 1400 v. Chr. wurde die Akropolis von einer Mauer umfasst, ähnlich der von Mykenäe. Die Herrschaft dieser athenischen Dynastie endete um 1200. In den nächsten Jahrhunderten sank die Bevölkerungszahl deutlich. Archäologische Zeugnisse aus dieser Zeitepoche sind selten. Sagen und Mythen geben vereinzelte Hinweise auf die Geschehnisse dieser Zeit. Athen schien aber trotzdem die größte Stadt dieser Jahrhunderte gewesen zu sein. Die Historiker nennen diese Zeitspanne die “Dunklen Jahrhunderte”. Ab dem 10. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung wieder, der Handel sorgte für Wohlstand. In der Folge besiedelten die Athener die Halbinsel Attika.

Rechte Ordnung: Die Reformen Drakons und Solons

Der aufstrebende Handel sorgte dafür, dass eine Schicht wohlhabender Einwohner entstand, die auf die Regierungsgeschäfte Einfluss nehmen wollten. Es gab eine beratende Versammlung, die sich in eine gesetzgebende Ratsversammlung umwandelte, die Gesetze auch mit Gewalt durchsetzen konnte.

Der wichtigste Amtsträger zu dieser Zeit war der Archon, der für ein Jahr gewählt wurde. Er war der “Regierungschef”, der der Volksversammlung vorsaß und Gerichte leitete. An seiner Seite stand der Polemarchos, der Militärbefehlshaber. Der Basileus war zuständig für kultische Feste und sakrale Angelegenheiten. Diese mächtigen Amtsträger wurden vom Areopag ernannt. Inwiefern die Volksversammlung direkt an politischen Entscheidungen zu dieser Zeit teilnahm ist ungewiss.

Erste, für alle verbindliche, Gesetze erließ um 620 Drakon. Athen wurde zu dieser Zeit von blutigen Unruhen erschüttert. Drakon schaffte die damals praktizierte Blutrache zum Teil ab, in dem er verurteilte Mörder des Landes verweisen ließ. Kehrte der Verbannte aber zurück, hatten die Verwandten des Opfers das Recht, den Mörder zu töten.

Um 600 gab es weitere blutige Unruhen. Die Bauern waren hoch verschuldet und wurden häufig in die Schuldknechtschaft getrieben. Der Konflikt zwischen Bauern und dem Adel drohte zu einem Bürgerkrieg zu eskalieren. Solon gehörte zu den Politikern, die die drohende Gefahr erkannten. Er sprach von einer “Missordnung” (= dysnomia). Solon fand für seine Ansichten zunächst zahlreiche Anhänger. Solon gab den wohlhabenden und Reichen und deren Habgier die Schuld an der Entwicklung. Er sah dadurch den Zusammenhalt der Gemeinschaft, der Polis, gefährdet.

Solon wurde 594 v. Chr. zum Archon gewählt. Damit er seine neue Ordnung einführen konnte, erhielt er ausreichende Geldmittel und bewaffnete Einheiten zur Verfügung gestellt. Erstmals in der bekannten Geschichte wurde eine Person von der Bürgerschaft dazu ausgewählt, ein Gemeinwesen zu reformieren.
Und Solon besaß die Fähigkeiten die Bürger von seinen Ideen zu überzeugen. Die Bürger sollten jetzt Verantwortung für ihr Zusammenleben in den Poleis übernehmen. Eine Monarchie war für diese Herrschaftsform nicht erforderlich.

Der Bürger sollte sich auch mit seiner Stadt identifizieren und Stolz auf seine Heimat empfinden. In der Außenpolitik wurde das Selbstbewusstsein der athenischen Bürgerschaft deutlich, in dem Athen später zeigte, dass es wehrhaft war. Solon war der Ansicht, die Störungen innerhalb des Zusammenlebens der Menschen müssten nur beseitigt werden, um zur “Rechten Ordnung” zurückzufinden.

Als erstes erließ Solon für die Bauern einen Schuldenerlass. Die Gläubiger verloren dadurch viel Geld, aber Athen ermöglichte es dadurch vielen Bauern als Hoplit zu dienen, da sie dafür jetzt das nötige Einkommen erwirtschaften konnten. Andere Schuldner kamen in den Genuss einer Amnestie und konnten aus der Fremde nach Athen zurückkehren, in der sie vor den Gläubigern geflohen waren. Die Athener, die in die Schuldsklaverei verkauft worden waren, wurden wieder freigelassen.

Trotz dieser Reformen wollte Solon nicht die Standesunterschiede abschaffen. Landbesitz wurde von ihm nicht verurteilt. Der Adel verblieb an der Spitze der Gesellschaft, und die Volksversammlung sollte ihre bisherigen Rechte behalten. Zum ersten Mal wurden die Gesetze schriftlich fest gehalten. Das Gemeinwesen wurde von der Willkür befreit und Gesetzen unterworfen. Er führte auch die Popularklage ein, die es jedem Bürger Athens erlaubte gegen rechtliche Missstände in der Stadt vorzugehen. Ein Volksgerichthof wurde dazu eingesetzt. Solons Gesetze sollten später Grundlagen für die Rechtsprechung Athens werden.

Solons Gesetze wurden auf hölzernen Stelen festgehalten. Noch zweihundert Jahre nach seinem Tod wurden seine Gesetze immer noch beachtet. Der römische Historiker Livius wies darauf hin, dass das römische Zwölftafelgesetz Elemente solonscher Gesetze übernommen hätte.

Solon unterteilte die Gesellschaft Athens nach Steuerklassen. Nach dem Einkommen richtete sich die Rangordnung in der Versammlung. Die Ritter wurden nach ihrem Einkommen in zwei Klassen aufgeteilt. An oberster Stelle standen die Pentakosiomedimnen (= Fünfhundertscheffler). Es folgten die Hippeis. Die Zeugisten besaßen ein mittleres Einkommen, während die Theten als Arbeiter am unteren Ende der Steuerklassen standen.

Die Einteilung der Steuerklassen bestimmte auch die Funktionen der Bürger im Heer. Die Ritter finanzierten ihre Ausrüstung als Reiter. Die Zeugisten konnten durch ihr Vermögen die Waffen und Rüstungen finanzieren, die sie als Hoplit benötigten. Die Angehörigen der drei obersten Steuerklassen durften öffentliche Ämter bekleiden. Die so genannten Fünfhundertscheffler konnten zum Archon gewählt werden. Die einkommensschwachen Theten durften aber in der Volksversammlung mitbestimmen.

Er beschränkte den Erwerb von Grundbesitz und warb Handwerker für Athen an, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Einführung neuer einheitlicher Maße und eine neue Währung unterstützten seine Bemühungen. Die Kritik und die Ansprüche an Solon wuchsen, je mehr Veränderungen er durchsetzte bzw. auf den Weg brachte. Die Bauern wollten, dass das Land gerechter aufgeteilt werden sollte. Die vermögenden Athener gingen Solons Maßnahmen zu weit.

Einige Anhänger forderten von Solon, das Amt des Tyrannen zu übernehmen, damit seine Vorstellungen schneller umgesetzt werden konnten. Doch Solon weigerte sich.Er wurde daher zum Diallaktes gewählt. “In gewissem Sinn war Solon der erste uns bekannte Bürger: Er wollte zwar mehr leisten, aber nichts anderes, nichts Besseres sein als die anderen” (Meier: Athen, S.84).

Marxistische Historiker sahen in den Solonschen Reformen sozialistische Ideen, doch Solon wollte die Gesellschaft nicht grundsätzlich verändern, es ging ihm um den Ausgleich der Interessen. Die politische Entscheidungsgewalt lag weiterhin bei den wohlhabenden Bürgern.

Die Reformen beruhigten zunächst nicht das Gemeinwesen. Die verschiedenen Adelsfamilien führten weiterhin gegeneinander blutige Fehden.

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