Völkerwanderungen ins vorklassische Griechenland

Achaier

Während der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends vor Christus wanderten Nomadenvölker in das Gebiet des heutigen Griechenland ein. Die Achaier waren wehrhafte Hirten, die die Urbevölkerung unterwarfen bzw. vertrieben. Die Achaier stammten der Überlieferung nach aus Thessalien. Andere Quellen berichten, dass die Achaier aus Kleinasien bzw. Rhodos eingewandert seien.

Die Achaier lebten in Gemeinschaftshäusern und führten das Pferd in Griechenland ein. Sie besiedelten die griechischen Küsten und die Kleinasiens. Handelskontakte wurden mit Kreta und Ägypten intensiv gepflegt. Der Einfluss Kretas auf die Achaier führte zur Blüte der mykenischen Kultur. Mykenae und die Stadt Argos wurden zu Zentren der Macht und des Handels.

Die Achaier unterteilten sich bereits in Familienverbände (=genos) und Phylen. Eine Tradition, die die späteren klassischen Griechen bebehielten. Die Achaier und ihre mykenische Kultur zerbrachen später unter dem Ansturm der einwandernden Dorier.

In der Weltliteratur blieben die achaischen Helden in den Werken Homers der Nachwelt erhalten. Homer sah darin die Achaier schon als Griechen an.

Dorer

Die Herkunft der Dorer ist ebenso ungewiss wie die der Achaier. Man vermutet, dass die Dorer vor ihrer Wanderung nach Süden im Balkan siedelten. Etwa im 12. Jahrhundert v. Christus drangen die Dorer mit anderen, unbekannt gebliebenen Völkern nach Süden vor und unterwarfen die auf der Peloponnes eingewanderten Achaier. Ihre militärische Überlegenheit und Waffen aus Eisen führten dazu, dass die Kultur von Mykenae zusammenbrach.

Die fliehenden Achaier suchten zunächst in Attika eine neue Heimat, flohen später aber weiter nach Kleinasien. Die Dorer eroberten auch Inseln der Ägäis und Kreta. Die Herrschaft der Dorer zeigte sich in unterschiedlicher Weise. Zum Teil wurden die Bewohner der eroberten Gebiete versklavt, andere dorische Einwanderer vermischten sich mit den besiegten Einwohnern und nahmen Elemente der einheimischen Kultur auf.

Obwohl die Dorer ein kriegerisches Volk waren, das Griechenland nach dem Ende von Mykenae zunächst in ein wenig erforschtes Zeitalter führte, sollte ihre Kultur die klassische Zeit der Antike in wesentlichen Bereichen beeinflussen. Ihre kriegerischen Anschauungen und die Ansicht, nach strengen Gesetzen sich zu richten, sollten später die Kultur der Spartaner prägen.

Wie die Achaier waren die Dorer in Phylen geteilt. Drei Phylen versammelten mehrere Familienverbände (gene).

Ionier

Die Ionier waren wie die Achaier Indoeuropäer und umfassten verschiedene Völker. Die Ionier wanderten nach den Achaiern in Griechenland ein. Sie siedelten zunächst an der Adria und in Thessalien. Von hier aus drangen die Ionier bis in den Nordpeloponnes und Attika vor, sowie nach Euböa und in Gebiete Lakoniens. Wie die Dorer, die nach ihnen in Griechenland einwanderten, unterteilten sich die Ionier in mehrere Phylen. Auf der Flucht vor den Dorern siedelten Teile der Ionier an der Küste Kleinasiens. Ihr neue Heimat wurde als Ionien bekannt. Der Begriff Ionier galt bei den asiatischen Völkern stellvertretend für alle Griechen.

Bekannt wurde später der Ionische Städtebund, zu dem u.a. Ephesos, Milet und die Inseln Chios und Samos gehörten. Ionien hatte rege Handelskontakte mit seinen Nachbarn. Der sich daraus bildende Wohlstand der ionischen Städte sorgte später für eine Blüte der Literatur, Medizin und Philosophie.

Aitoler

Die Aitoler waren wahrscheinlich auch ein Bund aus verschiedenen Völkern als sie in Griechenland einwanderten. Ihr Stammland ist nicht eindeutig nachzuweisen. Antike Quellen behaupten, dass die Aitoler aus Thessalien stammten.

Die Aitoler lebten zunächst in Boiotien, später auf auf der Peloponnes. Sie gaben später ebenfalls den Druck der Dorer nach und flohen nach Kleinasien und auf mehrere griechische Inseln. Die Aitoler bildeten einen Städtebund in Kleinasien wie die Ionier. Die Insel Lesbos gehörte dabei zu den bekanntesten Siedlungen der Aitoler.

Literatur:
Guy Rachet: Lexikon der griechischen Welt, Neuausgabe, Düsseldorf: Patmos Verlag 2002 (Patmos Paperback.)

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