Familie & Gesellschaft im Antiken Griechenland

Génos

Die Familie und deren Vorfahren waren die Grundlagen des Lebens der Griechen. Viele Familien führten ihre Herkunft auf einen gemeinsamen Ahnen zurück. Dieser Familienverbund wurde génos genannt. Wobei die Anzahl der Familien (géne) überschaubar war.

Aus historischen Quellen konnte man entnehmen, dass es in Attika 360 géne gegeben haben soll. Je dreißig géne wurden dabei einer von zwölf Phratirien zugeordnet. Die Anzahl der géne entsprach dabei der Anzahl der Tage eines Jahres – Zwölf Phratrien á 30 géne.

Jeder Familienverband hatte ein Oberhaupt, das über die Geschicke der Sippe entschied. Das Oberhaupt war oberster Richter, Priester und Kommandeur der aus der Familie stammenden Krieger. Der Familienverband diente dem Schutz seiner Angehörigen und der Vermehrung des eigenen Besitzes. Das Recht der Blutrache wurde von den Familien bis zu den Gesetzen Drakons angewendet.

Phratrie

Mehrere Géne schlossen sich in Phratrien zusammen. Aus Athen sind 12 Phratrien bekannt. Mehrere Phratrien wurden dann einzelnen Phylen zugeordnet. Die Phratrien waren für die religiösen Kulte ihrer Géne verantwortlich und organisierten gemeinsame Feste. Bei den religiösen Feiern wurden durch die Väter die Legitimität der Neugeborenen einer Familie bestätigt. Nach einem feierlichen Opfer erkannten die Väter vor den Vetretern der Phratrie ihre Kinder an. Die Volljährigkeit der Kinder und ihre damit folgende Anerkennung als Bürger der Polis erfolgte auch vor Vertretern der Phratrie. Oberhaupt der Phratrie war der phratriarchos.

Phylen

Bei den Dorern und Ioniern waren die Phylen zunächst ein Zusammenschluss mehrerer géne. Es gab zunächst drei bzw vier Phylen, deren Anzahl später erhöht wurde. Aus Attika sind sind aus der Frühzeit vier Phylen bekannt, die den gesellschaftlichen Status ihrer Mitglieder belegten.

geléontes = die Adligen
hopleten = die Soldaten
argadeis: = die Arbeiter
aigikores = die Hirten

Solon organisierte die Phylen neu und sorgte dafür, dass je einhundert Mitglieder einer Phyle in der boulé vertreten waren.
Die Namen der Phylen hatten ihren Ursprung in Götter- bzw. Heldennamen. Die Berufung auf einen Gott und später auf einen antiken Helden sorgten für das Selbstbewusstsein einer Phyle. Der Reformator Kleisthenes veränderte schließlich grundlegend die Struktur der Phylen. Er schuf in Athen aus den bisherigen vier Phylen zehn. Diese wurden nach klassischen Helden benannt und erhielten eigene religiöse Kulte.

Die Beamten Athens wurden aus den Phylen ausgewählt, wobei aus jeder Phyle ein Beamter in ein Gremium gewählt wurde. Die Phylen wurden weiter in je einhundert Demen aufgeteilt.

Trittyen

Die vier Phylen in Attika waren in je drei Trittyen aufgeteilt. Sie dienten der Verwaltung, den Finanzen und dem Militär. Der Reformator Kleisthenes schuf nicht nur eine Vermehrung der Phylen. Er teilte jede Phyle in zehn Trittyen auf. Attika wurde von ihm in drei Regionen aufgeteilt. Jede Phyle bekam nun je eine Trittye in eine der drei Regionen zugeteilt. So sollte der regionale Einfluss einer Phyle beschränkt werden. An der Spitze jeder Trittye stand ein Trittyarch, der auf ein Jahr gewählt wurde. Eine attische Trittye war dazu verpflichtet, je zehn Kriegsschiffe auszurüsten bzw. bereit zu halten.

Demos

Eigentlich bedeutet Demos Volk bzw. Gemeinde und umfasste ursprünglich das Siedlungsgebiet eines Familienverbandes. Kleisthenes hatte die Regionen Attikas in einhundert Demen aufgeteilt. Jede Phyle bekam dabei zehn Demen zugeteilt. Die Demen dienten als Verwaltungseinheit. Ein Demos wurde häufig nach einer berühmten Familie der Region bzw. einer landestypischen Besonderheit benannt. Das attische Bürgerrecht wurde eng mit einem Demos verbunden. Als das Zeichen für die Zugehörigkeit zu einem bestimmte Demos übernahm ein Bürger die Bezeichnung seines Demos in seinem Familiennamen.

Bekannt sind nur die Demen in Attika. Die räumliche Ausdehnung eines Demos konnte dabei variieren. Aus den einhundert Demen wurden später bis zu 170. An der Spitze eines Demos stand ein, auf ein Jahr gewählter Demarch. Er war u.a. verantwortlich für die religiösen Kulte und die Finanzen und leitete die Versammlung des Demos.

Literatur:

Guy Rachet: Lexikon der griechischen Welt
Neuausgabe
Düsseldorf: Patmos Verlag 2002
(Patmos Paperback.)

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