Friedrich Schiller – Steckbrief & Geschichte

Schillers Vater, Johann Caspar Schiller, diente mehrere Jahre als Soldat und Feldscher in den Niederlanden. 1749 verließ er den Dienst und zog nach Marbach am Neckar. Er fand eine Anstellung als Wundarzt. In Marbach heiratete er Elisabeth Dorothea Kodweiß. Aus finanziellen Gründen trat er wenig später in ein württembergisches Regiment ein und diente im Siebenjährigen Krieg.

Die folgenden Jahre verlebte er in verschiedenen Garnisonsstädten. Am 10. November 1759 wurde der Sohn Johann Christoph Friedrich, später genannt “Fritz”, in Marbach geboren.

Ab 1764 wohnte die Familie Schiller in Lorch im Remstal, nahe bei Schwäbisch-Gmünd. Der Vater Friedrichs diente jetzt als Hauptmann in der württembergischen Armee. Friedrich Schiller erlebte in Lorch mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Christophine seine Kindheit.

Schillers erste Schuljahre verliefen unspektakulär, nichts deutete auf sein späteres Talent hin. Sein Elternhaus förderte ihn nicht besonders. Deren protestantische Lebensweise führte dazu, dass man nichts dagegen gehabt hätte, wenn Friedrich Pfarrer geworden wäre.

Friedrichs Interesse an der Religion entstand aus seiner Achtung für den Pastor der Stadt, Philipp Ulrich Moser, der ihm Privatunterricht erteilte. 1766 zog die Familie nach Ludwigsburg um. Hier residierte Carl Eugen Herzog von Württemberg. Der Herzog wollte in dieser Zeit seine Provinzstadt zum Mittelpunkt höfischen Lebens ausgestalten. Er feierte prächtige Feste und förderte die Kultur seines Landes. Anerkannte Größen aus Oper und Ballett wurden von ihm engagiert.

Schiller erlebte das kulturelle Leben hautnah mit, weil sein Vater als Offizier des Herzogs “Freikarten” für das Theater erhielt. Schillers erste Eindrücke über diese Zeit sollten Einzug in seinen frühen Werken finden.

Friedrich Schiller besuchte mit Erfolg die Lateinschule der Stadt. Deren Abschlussprüfung berechtigte zur Teilnahme am Studium der Theologie. Über diese Zeit der Schule gibt es keine eindeutigen Berichte. Vieles deutet darauf hin, dass er ein guter Schüler war, aber keine literarischen Ambitionen zeigte.

Ab 1773 besuchte Friedrich Schiller die Karlsschule in Stuttgart. Die Herzogliche Militärakademie war vom württembergischen Herzog Carl Eugen gegründet worden. Praktischerweise hatte der Herzog auch gleich die Leitung der Schule übernommen. Der Herzog hatte zu dieser Zeit begonnen, seine Politik zu ändern. Er gab das Geld nicht mehr bedenkenlos aus, sondern wurde in seiner Haushaltsführung sparsamer. So setzte er sich auch für die schulische Bildung ein. 1781 wurde die Karlsschule in eine Universität umgewandelt.

Der Herzog übte zunächst “sanften” Zwang bei der Einschulung seiner Zöglinge an. Die Söhne seiner Offiziere mussten daher die Karlsschule aufsuchen. Theologie gehörte nicht zu den Angeboten der Karlsschule. So war der junge Schiller gezwungen, sich für die juristische Ausbildung einzuschreiben, obwohl er daran wenig Interesse hatte.

Schiller war kein besonders auffälliger Schüler. Er fühlte sich durch die militärische Erziehung an der Schule eingeengt. Bekannt war aber seine Begeisterung für die Literatur. Goethe, Friedrich Gottlob Klopstock und Lessing bewunderte Schiller besonders. Deren Werke waren als Lektüre in der Karlsschule untersagt. 1776 wurde Schillers erstes Gedicht “Der Abend” veröffentlicht. Schiller entwickelte in dieser Zeit eine Vorliebe für Tragödien. Beeinflusst durch seinen Lehrer Jakob Friedrich Abel, der Psychologie und Moralphilosophie lehrte, kam Schiller mit den Dramen Shakespeares in Berührung.

Schiller studierte in diesen Jahren viel engagierter. 1779 wurde er deshalb in den medizinischen Fächern ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung war zufällig Johann Wolfgang von Goethe anwesend – die erste Begegnung der beiden Dichter. Wie Goethe hatte auch Schiller Schwierigkeiten mit seiner Dissertation “Philosophia Physiologiae”. Sie enthielt ebenfalls Thesen, die den Professoren sehr missfielen.

Erste Erfolge

Im Dezember 1780 verließ Schiller die Karlsschule. Schiller, der bereits in den letzten Schulmonaten pessimistisch in seine Zukunft blickte, erhielt vom Herzog nur eine gering besoldete Anstellung. Er wurde einfacher Medicus in einem Regiment.

Während dieser Zeit schrieb Schiller an seinem ersten Drama “Die Räuber”. Obwohl Schiller von seinen literarischen Fähigkeiten sehr überzeugt war, war er in seinem Privatleben zügellos. Er führte ein unstetes Leben, machte Schulden und sprach reichlich dem Alkohol zu.

Auf der anderen Seite widmete er sich intensiv seinem ersten Werk. So finanzierte er 1781 auf Kredit den Erstdruck der “Räuber” und gab ein literarisches Journal mit überweigend eigenen Texten heraus. Deren literarischen Qualitäten waren aber sehr unterschiedlich. Als das Buch “”Die Räuber” erschien, sprachen deutsche Literaturkritiker von Schiller als einem deutschen Shakespeare. Dynamisch kraftvoll und dramatisch wie das Drama war, fand es großen Zuspruch.

Dabei hatte Schiller zunächst Schwierigkeiten gehabt, einen Verleger zu finden. Ein Verleger, der das Drama zwar nicht drucken lassen wollte, empfahl Schillers Werk dem Mannheimer Nationaltheater.

Schiller fühlte sich in Stuttgart eingeengt und sah für sich nur Mannheim als neue Heimat. Zum Missfallen des württembergischen Herzogs Carl Eugen. 1780 wurde in Mannheim das Drama “Die Räuber” uraufgeführt. Die Willkür der Fürsten, die hier angegriffen wurde, war für den Herzog ein weiterer Affront. Als auch noch eine diffamierende Passage in den “Räubern” dem Herzog zu Gehör kam, verbot dieser Schiller jegliche literarische Arbeit.

Schiller floh daraufhin mit Johann Andreas Streicher, einem befreundeten Musiker, nach Mannheim. In Mannheim angekommen, hoffte der mittellose Schiller nit seinem Trauerspiel “Fiesko” Erfolg zu haben. Doch der Triumph der “Räuber” wiederholte sich nicht. “Fiesko” wurde 1784 nach drei Aufführungen vom Spielplan genommen.

Schillers Geldsorgen und seine Angst vor der Rache Carl Eugens überschattete die Mannheimer Zeit. Schiller lebte zusammen mit seinem Freund in einem Gasthof in Oggersheim unter einfachen Bedingungen. Hier begann er mit “Louise Millerin”, später bekannt geworden als “Kabale und Liebe”. Es gelang ihm nicht in dieser Zeit einen Verleger für den “Fiesko” zu finden. Eine Aufführung stand auch noch nicht an.

Schiller entfloh dieser hoffnungslosen Situation 1782 nach Bauerbach in der Nähe von Meiningen. Immer noch voller Furcht vor der Rache des württembergischen Herzogs lebte er in seinem neuen Zufluchtsort unter dem Pseudonym Dr. Ritter.

Er fand Zuflucht auf dem Gut der Freifrau Henriette von Wolzogen. Schiller fühlte sich hier so sicher, dass er “Kabale und Liebe” vollenden konnte. Er fand in Meiningen Unterstützung für seine Recherchen bei dem Bibliothekar Friedrich Hermann Reinwald, der Jahre später sein Schwager werden sollte. Schillers Elan war jetzt ungebremst. Kaum war “Kabale und Liebe” beendet begann er mit “Don Karlos”. Der Mannheimer Theater-Direktor Wolfgang Heribert von Dalberg hatte Schiller zu diesem Stoff angeregt. Dalberg begleitete in diesen Jahren den dichterischen Lebensweg Schillers mit kritischem Ratschlag.

Überraschend entschloss sich Schiller zur Rückkehr nach Mannheim. Er wollte für die Aufführung seiner Werke im Mannheimer Staatstheater werben. Dalberg bot ihm einen Jahresvertrag als Theaterdichter an. Das Jahreseinkommen reichte aber nicht, um Schillers Schulden zu tilgen. Trotzdem ließ sich Schiller davon nicht beeinträchtigen. Er gab weiter das Geld aus, sobald er welches bekam.

Trotz seines unsoliden Lebenswandels wurde Schiller von der Mannheimer Gesellschaft wohl gelitten. Als Schiller in die “Deutsche Gesellschaft” eingetreten war, lernte er hier Wieland und Klopstock persönlich kennen.

Schiller wurde vom Mannheimer Theaterdirektor verpflichtet, drei Theaterstücke abzuliefern. Fiesko wurde am 11. Januar 1784 mit wenig Erfolg uraufgeführt. Am 15. April 1784 wurde “Kabale und Liebe” in Mannheim aufgeführt.

Schillers Verhältnis zum Mannheimer Nationaltheater wurde bald von ständigen Auseinandersetzungen zwischen ihm und den Schauspielern überschattet. Direktor Dalberg verlängerte den Vertrag mit Schiller deshalb nicht. Schillers Ansichten über das neue Theater, die er in seinem Aufruf “Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet” zusammenfasste, fanden kein Wohlwollen in der Mannheimer Kulturwelt.

Friedrich Schiller fand 1784 Unterstützung durch Charlotte von Kalb. Die kunstsinnige und selbstbewusste junge Frau sorgte für eine Reise Schillers nach Darmstadt. Schiller fand hier einen prominenten Zuhörer, als er hier aus “Don Karlos” vorlas. Carl August von Weimar ernannte Schiller als Zeichen der Anerkennung zum Weimarer Rat, ein Ehrentitel.

Auf dem Weg nach Weimar

Schiller war mit seinem Leben in Mannheim unzufrieden. Als er im Sommer 1784 Briefe von vier seiner Bewunderer aus Leipzig erhielt, folgte er im April 1785 deren Einladung in die sächsische Stadt. Schiller war voller Optimismus und hatte unzählige Pläne. Seine Bewunderer lernte er hier persönlich kennen. Mit Christian Gottfried Körner sollte ihn bald eine langjährige Freundschaft verbinden.

Zusammen mit Ludwig Ferdinand Huber und den Schwestern Minna und Dora Stock verbrachte Schiller im nahegelegenen Dorf Gohlis einen harmonischen Sommer. Diese Freude und der Optimismus fanden in Schillers Gedicht “Lied an die Freude” seinen bemerkenswerten Ausdruck.

Nachdem Körner Minna Stock geheiratet hatte, zog das junge Ehepaar nach Dresden und lud Schiller kurze Zeit darauf ein, bei ihnen zu wohnen.

Bald zog auch Huber nach Dresden und vervollständigte den Freundeskreis. In diesen Monaten traf Friedrich Schiller bei einem Fest Henriette von Arnim und verliebte sich spontan in die junge Frau. Schillers Beziehung wurde von seinen Freunden mit Misstrauen bedacht. Sie waren der Ansicht, dass dadurch Schillers Arbeit am “Don Karlos” litt.

Schiller fand sich durch seine Freunde etwas eingeengt, und er suchte daher Kontakt mit dem Direktor des Hamburger Nationaltheaters, Friedrich Ludwig Schröder. Diese hegte die Hoffnung den berühmten Dichter nach Hamburg zu engagieren. Doch Schiller zögerte diese Entscheidung immer wieder hinaus. Einen Wunsch erfüllte er doch dem Direktor. Am 18.12.1786 wurde “Don Karlos” in Hamburg uraufgeführt.

Als Schillers Verhältnis zu Henriette von Arnim im Streit beendet wurde, zog es Schiller dann doch fort aus Dresden. Obwohl Schiller inzwischen ein bekannter Dichter geworden war, zweifelte er immer wieder an seinen Fähigkeiten. So suchte er in Weimar eine neue literarische Heimat, um sich hier weiter entwickeln zu können.

Weimar war zu dieser Zeit eine bedeutende Kultur-Stadt. Hier lebten und arbeiteten herausragende Persönlichkeiten. Schiller traf Wieland und Herder und wurde nicht nur von diesen Willkommen geheißen. Auch Charlotte von Kalb traf er in Weimar wieder. Beide verkehrten häufig gemeinsam in der Weimarer Gesellschaft und gaben damit Anlass zu zahlreichen Spekulationen. Ob das Verhältnis der Beiden intimer war, wurde aber nie bewiesen.

Schillers Enthusiasmus endete jäh zu Beginn des Jahres 1788. Er verfiel wieder in Selbstzweifel und Unrast. Doch dieses Jahr sollte für ihn positive Veränderungen bringen. Durch Vermittlung Goethes erhielt er eine Professur an der Universität in Jena, zwar nicht gut bezahlt, aber es war für Schiller eine finanzielle Absicherung. Am 11. Mai 1789 traf er in Jena ein.

Ende 1787 hatte Schiller die Schwestern Caroline von Beulwitz geb. von Lengefeld und Charlotte von Lengefeld kennen gelernt. In den nächsten Monaten entstand zwischen den drei Personen ein enges, mehr als nur freundschaftliches Verhältnis. Friedrich Schiller heiratete am 20. Februar 1790 Charlotte von Lengefeld.

Schiller beschäftigte sich zu dieser Zeit mehr mit lyrischen Werken und historischen Betrachtungen. Eine Richtung, die ihm eigentlich, nach eigenem Bekunden, zunächst nicht zusagte. Schiller hatte sich bei der Abfassung seiner Dramen immer mit den historischen Ereignissen beschäftigt, die den Hintergrund des Geschehens bildeten. Deshalb begann er fast zwangsläufig historische Abhandlungen zu schreiben.

Die Loslösung der Niederlande von der spanischen Herrschaft war das erste Thema, von dem er aber nur den ersten Band veröffentlichte (1788). Anfang der neunziger Jahre folgte ein Buch über den “Dreißigjährigen Krieg”. Schillers Biographien über die Persönlichkeiten aus der Zeit des Kriegs wurden hoch gelobt. Schiller sah in seinen Betrachtungen nicht nur die oft bewunderte Person. Er betrachtete die Geschichte als einen Entwicklungsprozess des Menschen, der in der Erlangung der Humanität gipfeln sollte.

Seine Abhandlungen sicherten Schiller die wirtschaftliche Existenz. Zu dieser Zeit, in der er sich eigentlich vom Drama abwenden wollte, beschäftigte er sich mit dem Feldherrn Wallenstein und entwickelte erste Ideen für ein mögliches Trauerspiel.

Dermaßen hoch gestimmt, wurde er Anfang 1791 von einer schweren Lungenentzündung befallen, die später nie auskuriert werden konnte. Schillers Gesundheitszustand sollte in seinen weiteren Lebensjahren immer labil bleiben.

Schiller konnte im Laufe des Jahres seine Lehrtätigkeit an der Universität deshalb nicht mehr aufnehmen. Das Schreiben und Lesen fiel ihm in diesen Monaten so schwer, dass seine Frau häufig seine Korrespondenz führte. Trotzdem blieb Schiller in Kontakt zu seinen zahlreichen Bekannten und Freunden, und sein Haus war ein gern besuchter Treffpunkt.

Kaum war er wieder genesen, entwickelte Schiller wieder neue Projekte. Eine Neubearbeitung des “Don Carlos” und historische Themen beschäftigten ihn. Der Erfolg des “Don Carlos” zeigte für ihn eine unerwartete finanzielle Unterstützung. Der dänische Schriftsteller Jens Immanuel Baggessen, ein Bewunderer Schillers, vermittelte seinem Idol ein Stipendium der dänischen Regierung. Schiller beschäftigte sich ab 1792 außerdem intensiv mit der Philosophie Kants und der Französischen Revolution.

Die Französische Revolution sah Schiller zunächst nur als stillen Betrachter. Als die französische Nationalversammlung Schiller eine Auszeichnung verlieh, plante er nach Frankreich zu reisen. Als Ludwig XVI. der Prozess gemacht wurde, änderte sich Schillers Haltung zur Revolution. Er setzte sich für den König ein und wandte sich nach dessen Hinrichtung vehement gegen den Terror der französischen Revolutonären. Dabei verurteilte er nicht die Ideale der Revolution. Er kritisierte, dass sich die Franzosen nicht von der Vernunft leiten ließen und der Barbarei die Herrschaft überließen.

Schiller sah einen anderen Weg, zu einer vollkommeneren Welt zu kommen. Er vertrat die Idee, dass der Mensch über die Kultur zur Vernunft gelangen könne. Die Künstler sollten auf diesem Weg zum idealen Staat mit ihren Werken Wegbereiter sein.

Weimarer Klassik

Schiller besann sich 1793 auf seine Heimat und reiste mit seiner Frau Charlotte nach Württemberg. Seine Sorge, dass Herzog Carl Eugen etwas gegen ihn unternehmen würde, war unbegründet. Carl Eugen verstarb am 10. Dezember 1793.

Während seiner Reise durch die Heimat kam Schillers Sohn Carl Friedrich Ludwig am 14. Oktober 1793 zur Welt. In diesen Monaten, die im Winter von Krankheit gezeichnet waren, traf Schiller mit alten Bekannten zusammen. Er begegnete wieder Charlotte von Kalb und vermittelte ihr Friedrich Hölderlin als Hofmeister.

Schillers Reise endete in Stuttgart. Hier beeindruckte er die Bürger der Stadt. Aus dieser Zeit stammen zwei Porträts Schillers, die den Dichter der Nachwelt eindrucksvoll überlieferten. Ludovike Simanovic malte den Dichter, und Johann Heinrich Dannecker schuf die später weltbekannt werdende Marmorbüste.

Das Verhältnis zwischen Goethe und Schiller war in diesen Jahren durch gegenseitige Missachtung geprägt. Beide hatte zu unterschiedliche Auffassungen in Literatur und Philosophie. Schiller bezeichnete Goethe als einen selbstgefälligen Egoisten, dem alles zufiele. Schiller beklagte dagegen,, dass er selbst immer noch um Anerkennung kämpfen müsse. Auch Goethe erwiderte die Abneigung, die Schiller ihm entgegenbrachte.

Diese Abneigung wandelte sich im Laufe mehrerer Treffen zu einer gegenseitigen Achtung, die für die deutsche Literatur so bedeutsam werden sollte. Schillers Geburtstagsbrief vom 23. August 1794 an Goethe sollte der Anfang einer Epoche werden. Schiller sah sich nun nicht mehr als Neider Goethes. Er wurde zum gleichberechtigten Partner, der nun Rat und Tat leistete und empfing.

Schiller plante in diesen Monaten die Herausgabe einer Zeitschrift, die die bedeutendsten deutschen Dichter als Mitarbeiter beschäftigen sollte. Unterstützung fand Schiller bei dem Verleger Johann Friedrich Cotta.

Doch es stellte sich kein langfristiger Erfolg für “Die Horen” ein. Die Beiträge wurden vom Leser als zu “schwer” empfunden, und viele Dichter lieferten nur unregelmäßig oder gar keine Beiträge. Der dadurch entstehende literarische Disput mit ihren Kritikern veranlasste die beiden Weimarer Dichter sich in verschiedenen Gattungen der Literatur zu versuchen. Nach drei Jahren wurde das Erscheinen der Zeitschrift eingestellt.

Schiller hatte mit seinen periodischen Publikationen wenig anhaltenden Erfolg. Das bewies auch sein “Musenalmanach” der seit 1796 jedes Jahr erschien. Obwohl er auch hier eigene Werke veröffentlichte, war er mit den Gedichten der anderen Autoren häufig unzufrieden. 1800 erschien die letzte Ausgabe.

Trotzdem bildeten diese beiden Periodika einen literarischen Höhepunkt. Hier erschienen zunächst die Gedichte Schillers aus dieser Zeit zum ersten Mal. Endlich wurde Schiller vom Publikum als herausragender Dichter Deutschlands anerkannt und gefeiert. Schillers Balladen gehörten fortan zum Kulturgut des deutschen Bürgertums. Schiller suchte dabei nicht unbedingt die Volksnähe seiner Lyrik. Er experimentierte in seinen einfühlsamen und philosophischen Gedichten mit neuen Versformen.

Die Einnahmen Schillers vermehrten sich in diesen Jahren beträchtlich und erlaubten ein Leben im Wohlstand. Nur seine angegriffene Gesundheit trübte immer wieder seinen Alltag.

Neben der Freundschaft zu Goethe pflegte Schiller weiter engen Kontakt zu Christian Gottfried Körner, mit dem er einen regen Briefwechsel führte. Zu dem Kreis seiner Freunde gehörte auch Wilhelm von Humboldt. Dieser wurde zu einem kritisch-hilfreichen Betrachter der Werke Schillers.

Das Verhältnis zu Goethe wurden im Laufe der Jahre so intensiv, dass Schiller seine Kontakte zu langjährigen Weggefährten abbrach. Deren Werke waren in Schillers Augen bedeutungslos geworden, wenn man sie mit Goethes Schriften verglich. So endete die Zeit mit Herder, Fichte, Schlegel, Hölderlin u.a. an der Überheblichkeit Schillers. Auch Goethe entwickelte in diesen Jahren herbe Kritik über die Texte anderer Künstler. Schiller und Goethe sprachen vom Dilletantismus, der in der Literatur vorherrsche. Ironie der Geschichte: die Weimarer Klassik gilt später als eine der bedeutendsten Epochen in der deutschen Literatur.

Schiller beschäftigte sich bei seinen Studien über den Dreißigjährigen Krieg auch mit dem Feldherrn Wallenstein. Die historische Figur reizte Schiller zu einem Drama. Doch wie Goethe mit seinem “Faust” jahrelang beschäftigt war, so brauchte Schiller über zehn Jahre, um seinen “Wallenstein” zu vollenden. Zahllose Planungen und Bearbeitungen ließen ein Theaterstück von gewaltigen Umfang entstehen.

Schiller vespürte bei seinen Theaterstücken zunächst die Verpflichtung, ein historisches Thema zu finden. Eine Handlung frei zu erfinden, kam ihm zunähst nicht in den Sinn. Nach “Wallenstein” revidierte Schiller diese Vorstellung etwas. Mit “Maria Stuart” nahm er zwar wieder ein historisches Ereignis, doch er gestaltete das Geschehen nach eigenem Ermessen.

In Schillers letzten Jahren erlebten mehrere Dramen ihre Premieren, die später Weltruhm erlangten. Nach “Wallenstein” und “Maria Stuart” folgte 1801 “Die Jungfrau von Orleans”. Waren die beiden vorherigen Stücke von einem düsteren Ausgang geprägt, war “Die Jungfrau von Orleans” die Schilderung des Triumphes einer Idee.

Mit “Der Braut von Messina” folgte Schiller zwar weiter den Vorstellungen der antiken griechischen Tragödie, doch er wagte hier erstmals, eine frei erfundene Handlung zu gestalten. 1804 wurde “Wilhelm Tell” uraufgeführt. Wieder experimentierte Schiller mit dem Theater. Tell sollte im besten Sinn ein “Volksstück” sein, wie Schiller es betonte.

Schiller zog am 3. Dezember 1799 nach Weimar um. Er übernahm die Wohnung von Charlotte von Kalb. Goethe und er konnten daher noch enger zusammenarbeiten. Einen Nachteil hatte die räumliche Nähe der beiden Partner für die Literaturkritik; der Briefwechsel zwischen ihnen verringerte sich deshalb deutlich.

Am 11. Oktober 1800 wurde Schillers Tochter Caroline geboren. Seine Frau Lotte litt nach der Geburt an einem Nervenleiden, und Schillers Gesundheitszustand verschlechterte sich ebenfalls.

Kaum genesen erlebte Schiller einen Triumph seines Schaffens. Das Publikum feierte seine “Johanna” stürmisch, und die Buchausgaben seiner Werke erreichten für die damalige Zeit sensationelle Auflagen.

Wie früher in Jena fühlte sich Schiller nach knapp vier Jahren in Weimar unbehaglich. Er suchte ungeduldig eine neue Wirkungsstätte. Er knüpfte bereits Verbindungen nach Berlin an, doch eine weitere finanzielle Unterstützung Carl Augusts ließ Schiller in Weimar bleiben.

Am 25. Juli 1804 kam seine Tochter Emilie zur Welt. Ende des Jahres erkrankte Schiller wieder schwer. Wie später Goethe in seinen letzten Monaten war Schiller von schöpferischer Unrast erfüllt. Kaum besserte sich sein Befinden etwas, schrieb Schiller wie besessen.

Bis zu seinem Tod arbeitete er am “Demetrius”. Schiller hatte früher immer seine Entwürfe und Notizen vernichtet, wenn er ein Theaterstück fertiggestellt hatte. Doch die Entwürfe zu “Demetrius” blieben erhalten, weil er das Drama nicht mehr vollenden konnte.

Am 9. Mai 1805 starb Schiller an den Folgen seiner Lungenerkrankung.

Literatur:

Kurt Woelfel: Friedrich Schiller
Stuttgart: Deutscher Taschenbuch Verlag 2004
(dtv portrait; 31016.)

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