Wie wohnten die alten Römer? Atriumhäuser, Insula, Villa

Atriumhäuser

In Pompeji fand man gut erhaltene Häuser, die ein Bild vom römischen Hausbau geben. Hier fanden sich nicht die “Hochhäuser” der römischen Großstädte, sondern die Atriumhäuser der Wohlhabenden. Die Ursprünge dieser Hausform liegen bereits in vorrömischer Zeit. Das römische Haus war nach innen ausgerichtet. Es gab keine Außenfassade mit vielen Fenstern, wie wir sie kennen. Das Licht kam aus den Innenhöfen des Hauses in die Räume.

Das Atriumhaus betrat man durch einen kleinen Gang, der von einer Tür unterbrochen wurde. Der Teil vor der Tür wurde vestibulum genannt. Hinter der Haustür setzte sich der Gang (Fauces) fort. Hier schloss sich eine große Halle an, das Atrium. Die Decke der Halle wurde von Säulen gestützt. Man vermutet, dass das Atrium früher der wichtigste Raum des Hauses gewesen war. In der Regel war das Atrium nur zum Teil überdacht.

Das vestibulum der Patrizierhäuser war nicht ein interner Teil des Hauses. Es befand sich zwischen Haus und Straße und war kostbar ausgestaltet mit Figuren und Kolonnaden und man musste mehrere Stufen benutzen, um es zu betreten. In Pompeji diente das Atrium als Repräsentationsraum. Um das Atrium befanden sich mehrere Räume, die zum Teil die Bilder der Ahnen beherbergten.

Hinter dem Atrium, durch Vorhänge getrennt, befand sich das Tablinum, ursrünglich das Schlafzimmer des Hausherrn. Das Schlafzimmer wurde später nach hinten ins Haus verlagert, so dass auch das Tablinum als Repräsentationsraum diente. Beim Tablinum lag das Speisezimmer. Hatte das Haus in Obergeschoss, war das Speisezimmer dort oben.

Hinter dem Haus befand sich der Garten (peristylium). Nach dem 2. Jahrhundert wurden um diesen Garten die eigentlichen privaten Wohnräume gebaut. Häufig wurde der Garten von Bogengängen umfasst. Der Garten wurde mit viele Liebe gestaltet. Springbrunnen und Figuren verschönerten die Anlage. Thermen, Abort und Küche waren auch in diesem Bereich des Hauses. Für die Bediensteten gab es separate Räume und Eingänge. Die Dienstboten betraten das Haus von der Seite des Gebäudes her.

Die Küchen waren nicht sehr groß. In dem engen Raum befanden sich Herd, Backofen und Waserabfluss. Der Rauch zog durch das Fenster bzw. durch ein Loch im Dach ab. Der Küchenraum hatte keinen festen Platz im Grundriss. Große Küchen fand man nur bei den Wohlhabenden. Oft wurde im Atrium das Essen zubereitet. Neben den Atriumhäusern wurden auch Reihenhäuser gebaut, die einen Innenhof hatten, von dem man in die einzelnen Räume gelangte.

Insula

Der begrenzte Baugrund und die anwachsende Bevölkerung der Städte zwang ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. zum Bau von mehrstöckigen Wohnhäusern. Im Erdgeschoss befanden sich häufig Geschäfte (Tabernae), die nach hinten hinaus noch einen Hof und Anbauten haben konnten. Der Geschäftsinhaber lebte oft in seinem Laden. Die hohen Räume erhielten deshalb eine Zwischendecke. Dort war die Wohnung des Kaufmanns.

Darüber befanden sich die Wohnungen der Mieter. Die Wohnungen, die aus mehreren Räumen bestanden, erreichte man durch Treppen entweder direkt von der Straße her oder vom Hof. Die einzelnen Räume dienten unterschiedlichen Wohnzwecken, es gab keine baulichen Vorgaben für die Nutzung des Raumes wie in den Atriumhäusern.

Die Fenster bildeten zusammen mit dem Balkon eine einheitliche Fassade. Sie lagen dabei dicht aneinander. Die Wohnungen in den höheren Etagen waren kleiner, hier lebten die weniger Begüterten bzw. die Sklaven der reichen Wohnungsinhaber des Hauses. Die Qualität und die Ausstattung der Wohnungen hing auch vom sozialen Umfeld ab. Wie in der Gegenwart änderte sich dieses Umfeld im Laufe der Jahre, so dass man in der Spätantike beobachten konnte, wie reiche Bürger die Wohnviertel verließen und in prunkvollere Einfamilienhäuser zogen.

Der bauliche Zustand der insulae war nicht sehr robust. So kam es immer wieder vor, dass Wohnhäuser wegen baulicher Mängel einstürzten.

Ausstattung

Die Einfamilienhäuser (domus), die man in Pompeji fand, hatten fließendes Wasser. Die Häuser waren durch Bleirohre mit dem städtischen Wasserleitungssystem verbunden. So konnten im Haus Brunnen, Thermen und Aborte mit Wasser versorgt werden. Der Wasserdruck reichte aber für die Versorgung der ganzen insula nicht aus. Die Bewohner mussten das Wasser aus dem Brunnen schöpfen, der sich entweder im Hof des Hauses, oder auf der Straße befand. Latrinen waren Gemeinschaftsanlagen im Haus oder man ging auf eine “Öffentliche Toilette” (Foricae). Gebadet wurde in öffentlichen Thermen, die für fast alle Menschen erschwinglich waren.

Die Villa – Luxusgebäude und Landgut

Villa rustica

Die Römer verstanden unter dem Begriff Villa nicht nur das prächtige, repräsentative Haus eines Aristokraten vor der Stadt, sondern auch das einfache Gebäude eines ländlichen Besitzes. Dieser Landsitz bestand häufig aus zwei Gebäuden. Die villa rustica wurde von den Landarbeitern bewohnt, die villa urbana stand dem Eigentümer zur Verfügung. Es kam auch vor, dass der Eigentümer in der villa rustica lebte.

Die villa rustica hatte innen und außen je einen Hof mit einem Wasserbecken. Um den Innenhof waren die Gebäude der villa angeordnet, wobei die Küche hier eine wichtige Funktion hatte. Sie war größer als in den Atriumhäusern und diente auch als Aufenthaltsraum. Viele Villen befanden sich auf landwirtschaftlich genutzten Gütern und lagen deshalb in der Nähe von Straßen, Flüssen und Kanälen, damit die Waren bequem abtransportiert werden konnten.

Die landwirtschaftliche Produktion hatte sich auf bestimmte Erzeugnisse spezialisiert. Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurden auch Sklaven in großer Zahl auf den Gütern beschäftigt. In Mittelitalien wurden vor allem Wein und Oliven angebaut, in Sizilien hauptsächlich Getreide. Es wurden ausserdem Gemüse, Obst und Blumen produziert. In der Nähe Roms war die Blumenzucht besonders bedeutend, da sie für die vielen privaten und religiösen Feste als Ausstattungsmaterial benötigt wurden.

Für den Obstanabau führten die Römer die Kirsche, die Aprikose und den Pfirsisch in Italien ein. Der Politiker Cato der Ältere verfasste ein viel beachtetes Lehrbuch über den Anbau von Oliven und Wein. Er empfahl dafür eine Landgröße von 25 – 60 ha. Später wurden die Güter aber größer. Daneben züchtete man Schweine und Rinder. Eine weitere Delikatesse der Römer waren Geflügel und Singvögel. Auch Kraniche und Pfauen wurden auf den landwirtschaftlichen Gütern gehalten. Tausende von Singvögeln wurden in prächtigen Vogelhäusern gefangen gehalten.

Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. begann man auch mit der Zucht von Wildtieren (Hasen, Rotwild, Wildschweine). Landgüter in der Nähe von Meeren hatten Teiche für die Fischhaltung, vor allem für Meeresfische. Die Züchtung von Seefischen war aber bei den Römern umstritten, galt sie doch für viele Kritiker als “Spielerei”. Trotzdem war das ein lukratives Geschäft, wie die Austernzucht bei Neapel bewies. Neben der wirtschaftlichen Nutzung wurden die Tiere zum Teil auch nur für die Repräsentation in Vogelhäusern und Gehegen gehalten.

Villa urbana

Bewohner waren Angehörige der Aristokratie, die aber während des Großteils des Jahres vor allem in Rom lebten und sich nur im Sommer in ihre Villen zurückzogen.
Die Villen wurden oft auf Geländererhebungen gebaut. Hügel und Kaps waren begehrte Baugrundstücke. Obwohl die Gebäude überwiegend als Block gebaut wurden, war man bemüht, das Haus auf verschiedenen Ebenen zu errichten. Es gab aber auch Villen, die aus kunstvoll arrangierten Gebäudekomplexen bestanden.

Auch die umgebende Landschaft wurde in den Hausbau einbezogen. So unterteilten die Fenster und Säulen den Ausblick auf die Umgebung, so dass der Eindruck unterschiedlicher “Bilder” hervorgerufen wurde. Gartenarchiteken planten einzelne Geländeabschnitte so, dass sie vom Fenster aus betrachtet besonders attraktiv wirkten.

Außerdem waren Teiche, Wasserlandschaften, sowie mythologische Landschaftsdarstellungen bei den Römern beliebt. Zu jeder Villa gehörte auch ein Garten. Hier überwogen Bäume und Sträuche bei den Pflanzen. Reine Blumenbeete waren nicht bekannt. Blumen dienten mehr als Randbepflanzung. Laubengänge, mit Wein verkleidet und Brunnen sollten für die nötige Kühlung sorgen.

Die Landhäuser dienten aber auch kulturellen Zwecken. Bereits die Politiker der Republik hatten ein großes Interesse an der griechischen Kultur. Viele Villen boten deshalb Platz für Kunstsammlungen und Bibliotheken. Theateraufführungen fanden ebenfalls statt. Doch nicht jeder Aristokrat war ein Kenner der griechischen Kultur, die Sammlungen dienten oft nur Repräsentationsgründen.

Die Römer bauten in ihren Villenanlagen auch griechische Gymnasien und Sportstätten nach. Die Höfe der Gebäude wurden auch zu Schauplätzen von literarischen und philosophischen Streitgesprächen. Zu den Gymnasien gehörten auch Statuen von Sportlern, Rednern, Literaten und Philosophen.

Orientierung in der Stadt

Rom wuchs im Laufe der Jahrhunderte stetig an. Die Orientierung in Rom, aber auch in anderen römischen Städten war schwierig. Die Römer kannten fast keine Straßennamen und Hausnummern. Nur die wichtigsten Straßen wurden benannt. Kaiser Augustus ließ nur die Stadtteile (regiones) durchnumerieren, wobei er sich auf 10 Bezirke für die große Stadt beschränkte. Obwohl Griechen und Römer große Mathematiker waren, verwendete man nicht gerne hohe Zahlen in anderen Lebensbereichen. Die Möglichkeiten, die Zahlen sozusagen unendlich auszudehnen, war ihnen unbequem.

So zählten die Römer und Griechen nicht die Jahre, wie wir es uns geläufig ist. Sie bezeichneten die jeweiligen Jahre nach den regierenden Konsuln bzw. Archonten. So war den Menschen in der Antike eine “Adresse”, wie wir sie kennen und brauchen, unbekannt. Die Wohnorte reicher und berühmter Römer waren vielen bekannt und man konnte Ortsunkundige schnell den Weg weisen. Die Wohnorte der anderen Menschen mussten genau mit örtlichen Hinweisen versehen werden. So wies man dabei auf benachbarte Gebäude, Statuen, Plätze, geographische Eigenheiten (Hügel, Fluss etc.) und anderes hin.

Bäume und Handwerks-Stadtteile oder Geschäfte dienten auch der Orientierung. Waren die Bäume irgendwann abgestorben bzw. gefällt, behielt die Namen oft weiter diesen Namen. Die pragmatischen Römer stellten anstelle des Baumes eine Tafel mit dem Namen auf. So konnte eine Adresse heißen: “in der Via Nova in der Nähe des Heiligtums der Volupia ; in der Via Sacra unter der Velia, wo der Tempel der Vica Pota steht.” (Paoli: Das Leben im alten Rom, S. 170). Wenn ein Ort sehr bekannt in der Stadt war, konnte eine Straße oder ein Stadtteil seinen Namen erhalten.

Literatur:

Horst Blanck
Einführung in das Privatleben der Griechen und Römer. 2., durchges. u. erw. Aufl.
Wissenschaftliche Buchges. 1996

Harald Mielsch: Die römische Villa
In:
Frühe Stadtkulturen
Heidelberg: Spektrum, Akad, Verl. 1997
(Verständliche Forschung.)

Ugo Enrico Paoli
Das Leben im alten Rom. 2. Aufl.
Bern: Franckhe Verlag 1961

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