Politik im Antiken Rom: Republik und Kaiserreich

Republik

Gründungsmythos und Selbstverständnis

Es gibt keine Aufzeichnungen aus der Zeit der Gründung der römischen Republik. Da das Römische Reich eine Grundlage für seine Entstehung bedurfte, wurde die Gründung Roms auf das Jahr festgelegt, in dem sich die Römer gegen ihren König Tarquinius erhoben und ihn vertrieben hatten.

Es ist dabei heute umstritten, ob es diesen König wirklich gegeben hatte. Sicher ist, dass bis 509 v. Chr. Könige die Stadt Rom beherrscht hatten.

Diese Herrschaft wurde von den Angehörigen der römischen Patrizier niedergeworfen. Die Patrizier wählten nach dem Umsturz für die Regierungsgeschäfte für jeweils 12 Monate einen “praetor maximus”, damit sollte verhindert werden, dass wieder eine Person zu viel Macht in der Stadt erlangte.

Das war der Beginn der Römischen Republik, die sich im Laufe der Jahrhunderte weiter veränderte. Ein wesentliches Merkmal der Republik war, dass sich jeder Bürger mit dem Staat und dessen Politik identifizierte. Der Bürger übernahm dafür Verantwortung und war auch bereit große persönliche Opfer zu bringen. Jeder Bürger war auch bereit, für seinen Staat zu kämpfen.

So gelang es Rom, ein Imperium im Mittelmeerraum zu errichten. Die römischen Bürger beriefen sich dabei immer auf die überlieferten Tugenden Roms, die dem Reich in den zurückliegenden Jahrhunderten Erfolge gebracht hatten. Diese konservative Haltung geriet im zweiten Jahrhundert v. Chr. ins Wanken, als Rom immer größer wurde und nicht-römische Kulturen Einfluss auf das bis dahin so gefestigte römische Leben nahmen.

Der Begriff Republik lässt sich nicht eindeutig erklären. “Der Begriff enthält etwas vom Konsenz … So gesehen kann man “res publica” vielleicht auch mit “Gemeinschaft” übersetzen …” (Petersen; S. 34.)

Die römische Republik wurde von einem wohldurchdachten Beamtenapparat verwaltet. Der Senat fällte die Entscheidungen. Hier saßen die neuen Vertreter der Aristokratie aus den einflussreichen Familien der Patrizier und Plebejer.

Rom funktionierte deshalb so erfolgreich, weil alles unternommen wurde, um zu viel Macht für einen Politiker zu verhindern. Deshalb wurden jährlich zwei Konsuln gewählt.

Der Senat hatte die Macht im Staat. Er setzte sich aus ehemaligen Konsuln zusammen. Da fast alle von ihnen die Beamtenlaufbahn absolviert hatten, kannten die Senatsmitglieder sich in der praktischen Regierungsarbeit aus. Daher hatten sie auch intime Kenntnisse über die Stimmungen in der römischen Bevölkerung, die die Politiker zu nutzen wussten.

Wahlkampf im Antiken Rom

Die römischen Bürger wählten die Vertreter zahlreicher Ämter. Damit eine zu große Machtfülle sich auf eine Person konzentrierte, wurden die Ämter auf zwölf Monate vergeben. Für die römischen Adligen waren die Posten der Konsuln besonders begehrt. Die Bedeutung einer Aristokratenfamilie zeigte sich dabei in der Anzahl der Konsuln, die sie im Laufe der Jahrhunderte gestellt hatte.

Es durfte sich nicht jeder Römer für öffentliche Ämter bewerben. Es galt mehrere Bedingungen zu erfüllen. Der Kandidat musste im Militär gedient haben und über ein Vermögen verfügen.
Wer sich für einen der Konsulposten bewarb, musste eine vorgeschriebene Beamtenlaufbahn (cursus honorum) durchlaufen haben. Gab es keine juristischen Einwände gegen den Kandidaten, durfte er sich um den Posten bewerben.

Den Wahlkampf wurde durch das private Kapital der Bewerber finanziert. Da es keine öffentlichen Medien gab, dienten Öffentliche Spiele und Feiern dem Wahlkampf. Dabei gaben auch die politischen Freunde des Kandidaten großzügige Spenden.

Der eigentliche Wahlkampf um die wichtigen politischen Mandate fand in der Hauptstadt Rom statt. Das Forum Romanum mit der Volksversammlung und dem Senat bildete für die Wahlkampfreden den idealen Hintergrund.

Es gab in Rom keine Parteien, die den Wahlkampf organisierten und für eine politische Richtung standen. Die Kandidat sammelte um sich Freunde und Familienangehörige, die ihm verpflichtet waren. Dazu kamen die Angehörigen seiner abhängigen Klientel.

Die Politiker mussten rhetorisch begabt sein, um Chancen zu haben. Er durfte vor nichts zurückschrecken, vornehme Zurückhaltung war nur schädlich für die eigenen Wahlchancen. Der Politker musste, wie auch noch heute, ständig präsent sein, sich förmlich aufdrängen. Ein Politiker gab sich immer “volksnah” und suchte das “Bad in der Menge”, dabei versprach er viel. Ob er das nach der Wahl einlöste, stand auf einem anderen Blatt. Der Bruder Ciceros schrieb für die Politiker ein “Handbuch”. Sein “Commentariolum petitionis” schilderte die noch heute gültigen Methoden eines Wahlkampfs. Zusätzlich wurden die Hauswände mit Plakaten und Graffitis verziert, um die Kandidaten bekannt zu machen.

Die Ausübung politischer Ämter wurde nicht wie heute üblich, gut bezahlt. Die Amtsträger erhielten kein Geld, doch ihre einflussreiche Position nutzten sie für ertragreiche private Geschäfte.

Die Wahlen erfolgten ab 139 v. Chr. in geheimer Abstimmung. Bestechung war dabei nicht unüblich.

Machtzerfall

Mit der Ausweitung des Machtbereichs des Römischen Reichs über den gesamten Mittelmeerraum zerfiel die adlige Gesellschaft. War die Herrschaft früher nur auf die Stadt und deren unmittelbarer Umgebung beschränkt und damit die Interessen des Adels homogener, änderte sich das in der Zeit des Bundesgenossenkrieges.

Nicht mehr der Senat hatte die alleinige Befehlsgewalt über das Militär. Inzwischen hatte sich die Zusammensetzung der Armee geändert. Die Bauern und die einfachen Bürger waren nicht mehr in der Lage ihre Ausrüstung zu finanzieren und konnten nicht an Feldzügen in entfernten Ländern teilnehmen. Es wurden zunehmend Söldner in die Legionen aufgenommen.

Die Heerführer warben Söldner an, um an den Kriegszügen teilzunehmen. So entstand zwischen Feldherrn und Soldat eine persönliche Beziehung, d. h.: der Feldherr sorgte für das Auskommen seiner Soldaten, die er dadurch persönlich an sich band. Er wurde zum Patron seiner Soldaten. So lange er seine Legionen ausreichend finanzierte, folgten die Soldaten ihrem Feldherrn bedingungslos.

Die Feldherrn nutzten ihre neue militärische Macht, um ihre persönliche Macht im Staat auszuweiten. Kriege waren die Folge.

Julius Cäsar verstieß gegen die bis dahin geltende Gleichheit unter den Aristokraten. Die Prinzipien und Gesetze, die verhindern sollten, dass zu viel Macht in den Händen eines Einzelnen gelangte, wurden von Cäsar beseitigt.

Die Aristokratie war für Cäsars Herrschaft trotzdem wichtig, weil er sie für die Verwaltung des Reichs benötigte. Erst die spätere Kaiser rekrutierten ihre Beamten aus anderen Bevölkerungskreisen.

Kaiserreich

Augustus

Nachdem Octavian 29 v. Chr. den Bürgerkrieg siegreich beendet hatte, stand er vor dem Problem, wie er seine errungene Machtposition festigen und vor der Bevölkerung legitimieren sollte. Er war mit dem politischen Bekenntnis angetreten die Republik wieder erstehen zu lassen.

Während der Zeit der Republik war es Tradition, dass die Türen des Janus-Tempels während Kriegszeiten geöffnet waren. Octavian nahm sich dieser republikanischen Sitte an und schloss die Türen des Tempels als ein Zeichen des Friedens im Land. Er betonte außerdem, dass er nicht daran denke, die Monarchie einzuführen.

In den nächsten Monaten drängte Octavian ihm missliebige Senatoren aus dem Amt und setzte seine Anhänger ein. Im Januar 29 v. Chr. war er am Ziel. Er legte vor dem Senat seine politische Macht ab. In seiner Rede bekundete er, dass er nicht die Alleinherrschaft angestrebt habe.

Die Senatoren protestierten vehement gegen den Entschluss Octavians, weil er doch den Staat vor dem Zerfall gerettet habe. Octavian dürfe nicht von der politischen Bühne abtreten. Die Senatoren “baten” Octavian, wenigstens die Grenzprovinzen als Treuhänder zu verwalten. Octavian “willigte” nur unter der Bedingung ein, dass er dieses Amt für zehn Jahre ausüben wollte. Nebenbei sicherte er sich dadurch die Befehlsgewalt über die Legionen in den Provinzen und sicherte seine Machtstellung.

Der Senat ehrte den “bescheidenen” Sieger, indem er Octavian den Namen “Augustus” (= der Erhabene) verlieh. Augustus war nun alleiniger Herrscher über das Imperium ohne dabei die Position eines Monarchen zu beziehen. Er hatte die republikanischen Ideale scheinbar wieder erweckt und die Republik neu erstehen lassen.

Augustus hatte damit bewiesen, dass er es geschickt verstand die öffentliche Meinung zu beachten und zu beeinflussen. Die Historiker aus dieser Epoche schrieben auch in seinem Sinne, in dem sie dem Kaiser huldigten. Über Jahrtausende sollte das positive Bild des Herrschers die Meinung der Menschen in aller Welt beherrschen.

Mit einem weiteren Schachzug verstand es Augustus, seine Machtposition weiter auszubauen. Scheinbar erkrankte er schwer, und Augustus wollte seine Nachfolge regeln. Er gab daher Agrippa seinen Siegelring. Im Senat regte sich leiser Protest, galt doch die Übergabe eines Siegelrings als monarchistische Geste.

Augustus wollte unter allen Umständen verhindern, dass er von der Bevölkerung als Monarch gesehen wurde. Er gab daher 23 v. Chr. sein Konsul-Amt offiziell ab, nachdem er es über ein Jahrzehnt lang inne gehabt hatte. Augustus hatte jetzt kein Regierungsamt mehr.

Der Senat verlieh Augustus deshalb zwei Sonderrechte. Die “tribunicia potestas” übergab ihm die Macht eines Volkstribuns in Rom. Das “imperium proconsulare” gab ihm das Weisungsrecht über die noch nicht gesicherten Provinzen und dem dortigen Militär. Wenig später wurde seine Machtbefugnis zu einem “imperium proconsulare maius” erweitert, d.h., er befahl jetzt über alle Provinzen und dem ganzen Heer. Obwohl Augustus keine Ämter mehr hatte, regierte er durch diese Amtsgewalten unangefochten das Reich.

Er vergaß dabei nie, darauf hinzuweisen, dass er die verliehenen Aufgaben nur für begrenzte Zeit ausüben wolle. Das verhinderte natürlich nicht, dass er jedesmal in seinen Machtbefugnissen nach Ablauf der “Frist” bestätigt wurde.

Augustus weitete seine Macht dadurch auf, in dem er Aufgaben deligierte. Die Stadt Rom wurde in 14 Regionen unterteilt, ganz Italien in 11.

Im Jahr 2 v. Chr. wurde Augustus ein weiterer Ehrentitel zuteil: pater patriae (=Vater des Vaterlandes).

So gelang es dem ersten römischen Kaiser mit seiner, nur scheinbaren, Bescheidenheit und Demut gegenüber den republikanischen Tugenden, als allgemein anerkannter und geachteter Herrscher in die Geschichte einzugehen.

Nachfolgeregelungen

Augustus und die späteren Kaiser hatten häufig ein hohes Ansehen in der Bevölkerung des Römischen Reiches. Das hohe Ansehen der Kaiser und ihre Befehlsgewalt über das Heer waren die Garanten für ihre Machtstellung.

Die besondere Beziehung zwischem dem Kaiser und dem Militär spielte bei der Nachfolgeregelung eine wichtige Rolle. Die Legionen dienten bedingungslos ihrem Kaiser, der für ihr Auskommen sorgte. Diese Treue schloss auch die Familie des Kaisers mit ein. So konnte der Sohn eines verstorbenen Kaisers sich auf das Militär verlassen.

Die Rechtsprinzipien des Principats verboten aber einer gesetzliche Erbfolge. Der Sohn des Kaisers durfte nicht automatisch das Erbe antreten. Eigentlich war für die Nachfolgeregelung der Senat zuständig.

Nach dem Tod des Augustus hätte eigentlich eine republikanische Regierung gebildet werden müssen, d.h. zwei Konsuln hätten in die Ämter eingeführt werden müssen. Doch die Herrschaft des Prinzipats hatte so großes Ansehen in der Bevölkerung gefunden, dass man nicht einfach in die republikanische Vergangenheit zurück konnte. Deshalb hatte Augustus seine Nachfolge bereits zu Lebzeiten so geregelt, dass die geltenden Rechtsnormen nicht verletzt wurden. Wie Augustus gaben auch die späteren Kaiser ihren gewünschten Nachfolgern die Amtsgewalten tribunicia potestas und imperium proconsulare. Auf diese Weise verfügte der Erbe beim Tod des Herrschers bereits über die Macht über das Reich und war damit im Rahmen der Rechtsordnung handlungsfähig.

Um aber weiterhin nach außen den Traditionen der Republik zu folgen, musste der Senat dem Nachfolger die weiteren Amtsgewalten verleihen. Das war eine Formsache, weil der Senat nicht mehr so mächtig war, sich dem Kaiser zu verweigern.

Rituell folgte der Erbe der Tradition, die Augustus bei der Machtübernahme eingeführt hatte. Der Nachfolger des verstorbenen Kaisers lehnte die Macht zunächst ab. Daraufhin “bestürmten” die Senatoren den Erben, das Amt anzunehmen. So wahrte der Senat die Form, indem er den Kaiser “ernannte”. Obwohl das Römische Reich nominell keine Monarchie war, entstanden jetzt Herrscherdynastien, die über Jahrzehnte regierten.

Mehrere Kaiser hatten keinen männlichen Erben, so waren sie gezwungen geeignete Nachfolger zu adoptieren. Der adoptierte Nachfolger wurde dann vom Senat behandelt wie ein leiblicher Sohn des Kaisers.

Mit Beginn der Völkerwanderung begann der langsame Untergang des Imperiums. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Kaisern und ihren Feldherrn. Der Einfluss des Kaisers schwand. Feldherrn rangen um die Macht im Land. Die Legionen unterstützten die verschiedenen Generäle, weil diese ihnen große Versprechungen machten. So ernannten Legionen ihre Feldherrn zu Kaisern. Zeitweise gab es deshalb mehrere “Soldatenkaiser” im Römischen Reich.

Literatur:

Jochen Bleicken:
Verfassungs- und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreichs.
Bd 1; 3., verb. Aufl.
Schöningh, 1989

Theodor Kissel: Alle Jahre Wahlkampf
in:
Abenteuer Archäologie 2/2007
Verlag Spektrum der Wissenschaft, 2007

Thomas Petersen:
PR-Arbeit in der Antike ; Wie Augustus zum vielleicht erfolgreichsten Politiker aller Zeiten wurde
Signum, 2005

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