Exotisch klingende Tonleiter & Skalen

Warum klingt ein bestimmtes Musikstück eigentlich wie eine durch die orientalische Wüste ziehende Karawane, während ein anderes an japanische Teezeremonien oder chinesische Drachen denken lässt? Warum erkennt man den einen Song sofort als Blues, während der nächste irgendwie spannend-rätselhaft daherkommt. Das große Geheimnis dahinter ist das verwendete Tonmaterial – die jeweilige Skala, die in der Melodie gespielt wird.

Was ist eine Skala?

Skala ist ein anderes Wort für Tonleiter. Um das Prinzip von Skalen zu verstehen, hilft ein Blick auf die C-Dur-Tonleiter, die aus den Tönen der weißen Tasten auf der Klaviatur besteht:

Hier fällt auf, dass zwischen E und F (3. und 4. Leiterton) sowie zwischen B und C (7. und 8. Leiterton) die schwarze Taste fehlt. Das bedeutet, dass zwischen diesen Tönen nur ein Halbtonschritt liegt, während zwischen den anderen Tönen ein Ganztonschritt liegt. Diese Position der beiden Halbtonschritte ist es, die den speziellen Klangcharakter einer Dur-Tonleiter ausmacht, der oft als fröhlich wahrgenommenen wird. Sie lässt sich auch als Formel schreiben – beginnend vom Grundton bis zur Oktave hat sie folgende Tonschritte:

DUR
Ganzton – Ganzton – Halbton – Ganzton – Ganzton – Ganzton – Halbton

Auch bei Tonleitern, die einen exotischen oder sonst wie gearteten Klangcharakter haben, liegt das an der Struktur der Tonschritte.

Einige exotische Beispiele

Skalen haben oft sieben Leitertöne, können aber ebenso aus mehr oder auch weniger Tönen bestehen. Die Abfolge und Größe der Schritte zwischen den Tönen bestimmen dabei ihren Klangcharakter. Um diesen herauszuhören, empfiehlt es sich, die Skala zuerst aufwärts bis zur Oktave und dann wieder abwärts zu spielen.

Zigeuner-Moll
Ganzton – Halbton – Drei Halbtöne – Halbton – Halbton – Ganzton – Halbton

Der orientalische Klang des Zigeuner-Moll entsteht durch den großen Tonabstand zwischen drittem und viertem Leiterton (3 Halbtöne) sowie durch die vielen Halbtonschritte.
Von C aus gebildet lauten die Töne: c, d, es, ges, g, as, b*, (c)

Blues-Skala
Drei Halbtöne – Halbton – Halbton – Halbton – Halbton – 4 Halbtöne – Halbton

Charakteristisch für den Blues sind die direkt aufeinander folgenden Halbtonschritte vom zweiten bis zum fünften Ton, was man als chromatisch bezeichnet.
Von C aus gebildet lauten die Töne: c, es, e, f, des, d, b*, (c)

Halbton-Ganzton-Skala (HTGT)
Halbton – Ganzton – Halbton – Ganzton – Halbton – Ganzton – Halbton – Ganzton

Hier wird der Name zum Prinzip, denn die Leiter macht abwechselnd immer einen Halbton- und einen Ganzton-Schritt. So hat sie sogar acht Leitertöne und einen sehr spannungsreichen Klangcharakter.
Von C aus gebildet lauten die Töne: c, des, dis, e, fis, g, a, b*, (c)

Japanische Pentatonik
Halbton – 4 Halbtöne – Ganzton – 4 Halbtöne – Halbton

Die zwei „Riesensprünge“ mit 4 Halbtönen machen, dass die japanische Pentatonik so asiatisch klingt. Im Namen („Penta“ ist griechisch für „fünf“) steckt schon die Anzahl der Skalentöne.
Von C aus gebildet lauten die Töne: c, des, f, g, b*, (c)

* Hier wird durchgehend die englische (und eigentlich richtige) Schreibweise verwendet. Im Deutschen wird das B dank eines Fehlers, den ein Mönch einmal beim Abschreiben machte, oft als H bezeichnet.

Selbst Skalen bilden

Es gibt natürlich noch viele Skalen mehr, die zu verschiedensten Zwecken in der Musik verwendet werden. Darüber hinaus darf aber auch experimentiert werden! Einfach mal ausprobieren: eine Auswahl an mindestens fünf Tönen treffen und versuchen, daraus eine Melodie zu schaffen.

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