Der „Teufelston“ früher und heute – Intervall

Der sogenannte Teufelston ist zuallererst nicht nur ein Ton, sondern ein Intervall zwischen zwei Tönen. Um zu verstehen, was ein Intervall ist, hilft ein Blick auf das Klavier:

Der Teufelston

Der Teufelston


Verortung auf der Klaviatur

Auf den Tasten des Klaviers ist deutlich sichtbar, dass es 12 Halbtöne gibt, bis diese sich eine Oktave höher in derselben Abfolge wiederholen. Ein Intervall erhält man nun, indem man zum Beispiel das C und einen weiteren Ton anschlägt. Bis hin zur Oktave, bei der das C mit dem nächst höheren C angeschlagen wird, gibt es somit 11 verschiedene Intervalle: zwei Sekunden, zwei Terzen, eine Quart, eine Quint, zwei Sechsten, zwei Septen, die Oktave und eben den Tritonus.

Das Besondere am Tritonus ist, dass er sich exakt in der Mitte eines Tons und seiner Oktave befindet. Er kann als übermäßige Quart oder als verminderte Quart gedeutet werden. Sein Name erklärt sich daher, dass er drei Ganztöne über dem Grundton liegt, auf den er sich bezieht.

Dissonanz und Konsonanz
Jedes Intervall hat einen bestimmten Klangcharakter, den man mittels Gehörbildung erkennen lernen kann. Sogenannte Konsonanzen sind wohlklingend, harmonisch ausgewogen. Die Dissonanzen erzeugen Spannung, klingen geradezu schräg und streben nach Auflösung in eine Konsonanz. Der Tritonus zählt zu den am stärksten dissonant klingenden Intervallen. Generell ist es so, dass unser Ohr sich mehr und mehr an den Klang von Dissonanzen gewöhnt. So erklärt sich, dass der Tritonus in der Musik heutzutage längst keine Seltenheit mehr ist.

Verwendung in der Musikgeschichte
In der klassischen Musik war der Tritonus tatsächlich noch eine Art Teufelston. Zum Beispiel Johann Sebastian Bach (1685-1750) setzte ihn in seinen christlichen Kompositionen gezielt ein, wenn der Teufel oder Judas, der Jesus verraten hat, ihren Auftritt haben.

Im Blues (zirka seit 1900) und später im Jazz wird der Tritonus mehr und mehr als chromatischer Durchgangston verwendet, um zu harmonischen Auflösungen hinzuführen. Dazu passt die Legende, dass Blues-Musiker wie Robert Johnson (1911-1938) einen Pakt mit dem Teufel eingingen, um noch besser spielen zu können.

Heute ist der Tritonus in vielen Musikstilen ein ganz selbstverständliches Mittel, um in Melodien düstere oder schräge Effekte zu erzielen. Insbesondere in Hard Rock und Metal, die lange als satanistisch verpöhnt wurden, gehört er zum Standard-Repertoire. Doch dabei immer gleich an den Leibhaftigen zu denken, wäre übertrieben. Schließlich ist der Tritonus auch nur einer von zwölft Tönen im westlichen Tonsystem.

Hörbeispiele:
„Purple Haze“ von Jimi Hendrix
„Enter Sandman“ von Metallica

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