Psychoanalyse nach Freud

Der Begriff Psychoanalyse wird in zweifacher Hinsicht verstanden: einmal als Behandlungstechnik und zum anderen als umfassende Theorie.

Psychoanalyse setzt sich zusammen aus

  1. Theorie zur Erklärung von Verhalten und Erleben
  2. Behandlungstechniken: Hypnose, Traumdeutung, freie Assoziation

Folgende Themen werden näher beleuchtet: Psychischer Determinismus, Topographisches Modell, Triebtheorie, Instanzenmodell der Persönlichkeit

Psychischer Determinismus

Sigmund Freud kam zu der Auffassung, das Seelenleben unterliege psychischen Gesetzmäßigkeiten, d.h. einer Determiniertheit. Diese ursächliche Bedingtheit des Seelenlebens erhob er zum zentralen Prinzip seiner Lehre. Nichts ist zufällig in den psychischen Äußerungen, sondern alles hat seinen Grund.

Das Unbewusste ist ein zentraler Begriff und kann in Witzen und Fehlleistungen wie z.B. „Freundscher Versprecher“ zum Ausdruck gebracht werden. Jemand sagt etwas, im Glauben, es sei das Richtige, aber durch sein Unbewusstes sagt er etwas Falsches. Dies bemerkt er jedoch nicht. Das Unbewusste zeigt sich auch in Träumen, welches eine unbewusste Wunschvorstellung ist.

Das Unbewusste ist gekennzeichnet durch:

  • triebhafte und affektive Vorgänge (Sympathie oder Antipathie zu einer Person, ohne zu wissen, warum)
  • irrationale Handlungen (unlogisches oder unvernünftiges Verhalten)
  • primitive, chaotische und unstrukturierte Vorgänge (durch Wunschvorstellungen kann eine früher erlebte Bedürfnisbefriedigung wiederholt gesucht werden)

Formen des Unbewussten und des Bewusstseins:

  • Das Unbewusste: Die Intensität und die Wirkung, die die vom Bewusstsein ferngehaltenen Gedanken aufweisen. Davon grenzt das Vorbewusste ab. Es ist nicht mehr erinnerbar.
  • Das Vorbewusste: Gedanken; die augenblicklich nicht bewusst sind, aber jederzeit bewusstseinsfähig sind; man kann sich daran erinnern.
  • Das Bewusstsein: Es spielt nur die Rolle „eines Sinnesorgans zur Wahrnehmung psychischer Qualitäten“ und wird deshalb „Wahrnehmungsbewusstsein“ genannt.

Topographisches Modell

Es gibt verschiedene Bewusstseinsebenen. Freud vergleicht das System des Unbewussten mit einem Vorraum, indem sich seelische Wünsche und Affekte sexueller und aggressiver Natur frei bewegen. An diesem Vorraum schließt sich ein 2. Raum an, in dem bewusstseinsfähige Vorgänge stattfinden. Es werden nur angenehme Regungen in den 2. Raum gelassen und die unangenehmen Regungen werden von einem Wächter sofort zurückgewiesen. Diesen Vorgang nennt man Verdrängung. Der Wächter verhindert, dass negative Regungen (unangenehme Erlebnisse und Wünsche) in das Bewusstsein gelangen. Insofern hat der Therapeut mehr Schwierigkeiten in das Unbewusste zu gelangen und hervorzuholen. Der 2. Raum ist durch einen dünnen Vorhang abgetrennt, dort ist das Wahrnehmungsbewusstsein (Wb).

Triebtheorie

Die Lehre vom:

  • Unbewussten
  • Widerstand
  • von der Verdrängung

kann man als den psychologischen Teil der Psychoanalyse betrachten.

Der Triebbegriff

  1. Quelle: ein körperlicher Vorgang in einem Organ oder Körperteil
  2. Ziel: die Befriedigung, die durch „Aufhebung des Reizzustandes an der Treibquelle“ erreicht wird.
  3. Objekt: die Triebhandlung wird vollzogen durch Personen, Körperteilen oder Kleidungsstücken. Wichtig ist die Eignung der Triebbefriedigung.
  4. Drang: er ist ein motorisches Element. Bezogen auf den Sexualtrieb wird der Drang als Libido bezeichnet.

Freuds 3. Triebmodell beruht auf die Gegenüberstellung von Lebenstrieb Libido (bzw. Eros) und Todestrieb Destrudo. Unter Eros werden die Sexual- und Selbsterhaltungstriebe zusammengefasst, die nach Vereinigung (Erhaltung) streben. Der Todestrieb, auch Destruktionstrieb, strebt dagegen nach Auflösung (Zerstörung):

  • Libido (Sexualtrieb): Libidoentwicklung bedeutet, dass die Libido verschiedene psychosexuelle Organisationsstufen durchlaufen, die gesetzmäßig aufeinander folgen.
  • Phasen der Libidoentwicklung:
    1. Orale Phase 1. Lebensjahr
    2. Anale Phase 2.-3. Lebensjahr
    3. Phallische Phase 3.-6. Lebensjahr
    4. Latenzperiode 6.-11. Lebensjahr
    5. Genitale Phase ab dem 11. Lebensjahr

Destrudo (Todestrieb/ Aggressionstrieb): Der Todestrieb kommt in Destruktions- oder Aggressionstendenzen zum Vorschein. Unter Aggression versteht man reale oder phantasierte Verhaltensweisen um andere oder sich selbst zu schädigen, zu demütigen, zu zwingen, zu vernichten usw. In jedem Tun, egal ob negativ oder positiv, liegt aggressives Potential.

Instanzenmodell der Persönlichkeit (Strukturmodell/ Drei-Instanzen-Modell)

Als Persönlichkeit wird die Gesamtheit der stabilen psychischen Eigenheiten eines Individuums, durch die es sich mit seinen Trieben, Emotionen und der Wirklichkeit auseinandersetzt, bezeichnet. Das Leben des Menschen besteht in einer ständigen Auseinandersetzung zwischen den drei Instanzen ES, ICH und ÜBER-ICH.

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