Esstörung Diagnose & Symptome

Anorexia nervosa und Bulimia nervosa haben mehrere gemeinsame Merkmale, darunter vor allem die starke Angst, übergewichtig zu sein. Es handelt sich hier nicht um zwei verschiedene Diagnosen, sondern um zwei Varianten einer Störung.

Soziokulturelle Variablen:
Veränderte Schönheitsnorm. Im Laufe der Geschichte haben die verschiedenen Gesellschaften eine Vielzahl von Normen für den idealen Körper – vor allem den Körper der Frau – festgelegt.

Einfluss des Geschlechts:
Dass Essstörungen bei Frauen weit häufiger auftreten als bei Männern liegt vor allem daran, dass Frauen von kulturellen Schlankheitsnormen stärker beeinflusst werden als Männer. Frauen werden normalerweise eher nach ihrer Erscheinung bewertet, während Männer mehr durch ihre Leistungen Achtung erwerben. Frauen machen sich anscheinend mehr Sorgen um ihre Figur, machen mehr Diäten und sind deshalb anfälliger für Essstörungen. Da den Essstörungen in aller Regel Diätversuche oder andere Probleme mit dem Gewicht vorausgehen, sind die sozialen Normen als wichtiger Faktor zu bewerten.

Psychodynamische Sichtweisen:
Die meisten psychodynamischen Theorien sehen die Hauptursache von Essstörungen in gestörten Eltern-Kind-Beziehungen und bestimmte Persönlichkeitseigenschaften wie ein geringes Selbstwertgefühl und Perfektionismus. Die Symptome einer Essstörung befriedigen ein Bedürfnis, z.B. die Stärkung des Gefühls der eigenen Wirksamkeit durch das erfolgreiche Einhalten einer strengen Diät oder die Vermeidung des sexuellen Erwachsenwerdens dadurch, dass die Betroffenen sehr dünn sind und die normalen weiblichen Körperformen nicht entwickeln.

Anorexia nervosa

Vier Kriterien für die Diagnose (Symptome)

  • Weigerung, das Minimum des für Alter und Körpergröße normalen Körpergewichts zu halten. Gewichtsverlust wird durch Hungern, Entleerungsmaßnahmen (selbstinduziertes Erbrechen, Einnahme von Laxanzien oder Diuretika) und übermäßige körperliche Aktivitäten.
  • Ausgeprägte Angst vor einer Gewichtszunahme, die durch Gewichtsverlust nicht gemindert wird.
  • Störung in der Wahrnehmung der eigenen Figur (gestörte Körperwahrnehmung)
  • Bei Frauen führt die starke Abmagerung zu Amenorrhoe, d.h. zum Ausbleiben der Menstruation.

Zwei Typen

  • Beim restriktiven Typus wird der Gewichtsverlust durch starke Einschränkung der Nahrungsaufnahme erreicht.
  • Beim Binge-Eating/ Purging-Typus treten regelmäßig Fressanfälle und selbstinduziertes Erbrechen auf.

Epidemiologie der Anorexie

  • Setzt typischerweise in den frühen bis mittleren Jugendjahren ein
  • Häufig nach einer Diät und einem belastenden Ereignis
  • Frauen messen kulturabhängigen Schönheitsnormen, die in den letzten Jahrzehnten eine schlanke Figur als Ideal vorgaben, mehr Bedeutung zu
  • Komorbide Störung: häufig auch Depressionen, Zwangsstörungen, Phobien, Panikstörungen, Alkoholismus und verschiedene Persönlichkeitsstörungen
  • Leiden oft auch an sexuellen Störungen

Anorexia nervosa und Depression

  • Enger Zusammenhang (hohe Komorbidität), führt jedoch nicht immer zu Depression
  • Beide Störungen können gemeinsame Disposition oder bestimmte umgebungsbedingte Ursachen zugrunde liegen (gestörte familiäre Umgebung, Belastungen)
  • Genetische Prädisposition
  • Gewichtsverlust gehört auch zu den Symptomen der Depression

Körperliche Veränderungen

  • Hungern und die Verwendung von Laxanzien haben zahlreiche schädliche Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit
  • Blutdruck und Herzfrequenz sinken, Nieren- und Magen-Darm-Problemen, Knochenmasse schwindet, Haut trocknet aus, Nägel werden spröde, Hormonhaushalt ändert sich, leichte Blutarmut, Haarausfall, entwickeln Laguna (Flaum aus feinem, weichem Haar am ganzen Körper)
  • Elektrolytwerte ändern sich (wie z.B. von Kalium, Natrium), führt zu Müdigkeit, Schwäche, Herzrhythmusstörungen, plötzlicher Tod

Prognose

  • Lebensbedrohende Störung, meistens führen körperliche Komplikationen der Krankheit oder Suizid zum Tod

Bulimia nervosa

Symptome

  • Wiederkehrende Episoden von Fressanfälle, in denen die Betroffenen große Mengen Lebensmittel zu sich nehmen.
  • Gefolgt von Maßnahmen zur Verhinderung einer Gewichtszunahme wie Erbrechen, Fasten, Einnahme von Laxanzien und Diuretika oder übermäßiger körperlicher Betätigung (betreiben exzessiv Sport)
  • Figur und Gewicht sind für die Selbstbewertung äußerst wichtig

Diagnose

  • Voraussetzung sind mindestens zweimal pro Woche und mindestens drei Monate lang Episoden von Fressanfällen/ Erbrechen/ Entleerung
  • Trifft nicht zu, wenn die Fress-Brech-Episoden nur im Zusammenhang mit Anorexia nervosa und dem damit verbundenen drastischen Gewichtsverlust auftreten

Zwei Subtypen

  • Der Purging-Typus mit selbstinduziertem Erbrechen
  • Der Nicht-Purging-Typus, bei dem die Maßnahmen zur Verhinderung einer Gewichtszunahme Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung sind

Fressanfälle finden meist im Geheimen statt, können durch Stress und die damit verbundenen negativen Emotionen ausgelöst werden. Sie dauern, bis die Betroffenen sich unangenehm voll fühlen. Während eines Anfalls haben die Betroffenen das Gefühl, nicht mehr kontrollieren zu können, wie viel sie essen. Sie verlieren die Kontrolle, was sogar bis zum Erleben einer Art dissoziativen Zustands gehen kann, bei dem ihnen möglicherweise nicht mehr bewusst ist, was sie tun oder fühlen, ob es wirklich sie selbst sind, die sich da voll fressen. Wenn der Anfall vorüber ist, führen Ekel, starkes Unbehagen und Angst vor Gewichtszunahme zur Entleerung, mit dem Ziel, die Kalorienaufnahme wieder rückgängig zu machen.

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