Schulz von Thun – Kommunikationsmodell + Beispiele

1. Friedemann Schulz von Thun
2. Über Modelle
2.1 Was ist ein Modell
2.2 Was will das Modell von Schulz von Thun
3. Ziel Kommunikationsverbesserung
3.1 Ansatz am Individuum
3.2 Ansatz am System
3.3 Ansatz an der Gesellschaft
4. Das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun
4.1 Anatomie der Nachricht
4.2 Anatomie des Empfangs
5. Ausgewählte Probleme in der Kommunikation
6. Ausblick interkulturelle Kommunikation
7. Ausblick Miteinander Reden 2 und 3

Friedemann Schulz von Thun – Biographie

  • Geboren 6. August 1944 (Wikipedia, a)
  • -> Seit über 40 Jahren forscht er, wie Menschen miteinander besser reden können
  • -> Seine Bücher haben Millionenauflage: Wurden übersetzt ins Holländische, Italienische, Kroatische, Polnische und Chinesische
  • -> Der junge Schulz von Thun: „Ich konnte gut argumentieren und gelehrt reden, immer mit vielen lateinischen und altgriechischen Brocken durchsetzt. Doch wie es mir ums Herz war und was ich im Umgang mit anderen fühlte, all diese Fragen des Inner- und Zwischenmenschlichen waren mir damals peinlich und verpönt.“ (Schäfer, 2005, S.44)
  • -> Sein Jugendhobby: Schach
  • -> Abitur und Bundeswehr
  • -> Dann Student der Psychologie: „Er wollte Dekvorgänge und Denkfehler von Schachspielern erforschen“ (Schäfer, 2005, S.44)
  • -> Technik des Lauten Denkens
  • -> Sein Diplomarbeitsthema zu Schach wurde abgelehnt (Zu wenig gesellschaftliche Relevanz)
  • -> 70 er Jahre: Thema „mehr Demokratie wagen“
  • -> Reinhard Tausch, Experte für Erziehungspsychologie: Erforschte dazu Klassenzimmer, Spielzimmer und Kindergärten -> Demokratisierung nicht sehr fortgeschritten
  • -> Kontaktfähigkeit trainierbar!
  • -> „Hier sah ich meine Chance – und ich griff zu.“ (Schäfer, 2005, S.45)
  • -> Diplomand und Doktorand bei Tausch
  • -> Fachgebiet Verständlichkeit schriftlicher Texte
  • -> Verhaltenstraining für Lehrer (Rollenspiele, Videofeedback)
  • -> Langer: „Wie drei Musketiere, [Über Schulz von Thun und seine Assistenten Inghard Langer und Bernd Fittkau] die auszogen, die Welt zu verbessern, haben wir uns damals gefühlt“(Schäfer, 2005, S.45)
  • -> BP meldet sich bei Schulz von Thun: „Können Sie nicht ein ähnliches Training für unsere Führungskräfte machen->“ (Schäfer, 2005, S45-46)
  • -> Über 50 Seminare für BP -> Dort entwickelte er sein Modell
  • -> Auch. sein berühmtes Quadrat.
  • -> 1976 mit 32 Professor für Psychologie Universität Hamburg
  • -> Ruth Cohn: deutsch-jüdische Psychoanalytikerin (Themenzentrierte Interaktion)
  • -> Von Thun fand ihre Kurse intensiver und aufregender als seine
  • -> Mit Cohn erforschte er sein eigenes Innenleben
  • -> Von der Kommunikation zur Selbsterfahrung
  • -> Tausch: „Er hat sich nicht ablenken lassen durch nebensächliche Forschung, um Erfolg in der scientific community zu haben,
  • sondern hat sich um die Entwicklung und Vermittlung seiner Erkenntnisse bei vielen Personen in der Bevölkerung bemüht.“ (Schäfer, 2005, S.47)
  • -> Zweite Ehefrau Ingrid
  • -> Kinder: Felix (24), Maxie (17)
  • -> 2007 Gründung „Schulz von Thun-Institut für Kommunikation“ (Wikipedia, a)

Kommunikationsmodell

  • Abbildung: Die menschliche Kommunikation.
  • Pragmatismus: Für die Sprecher während oder nach stattgefundener
  • Kommunikation zur Verbesserung der Kommunikation.
  • Verkürzung: z.B. es muss allgemeinverständlich sein und zur
  • Verbesserung alltäglicher Kommunikation beitragen.

Motivation

Thun möchte die verschiedenen Kommunikationsansätze der Psychologie (Carl Rogers, Alfred Adler, Ruth Cohn, Fritz Perls, Paul Watzlawick) für die Praxis nutzbar machen, sodass Kommunikationsprobleme gelöst werden können. (von Schulz Thun, 2009, S.13)

Drei Ansätze der Kommunikationsverbesserung

  • Ansatz am Individuum: Ich verändere meine Kommunikation und trainiere andere. Nachteil: Eingeschränkte Sichtweise, weil Kommunikationsprobleme nur auf das Individuum geschoben werden
  • Ansatz an der Art des Miteinanders: Systemischer Blickwinkel. Kommunikationsstörung als Symptom des Systems, das sich am Individuum zeigt.
  • Ansatz an den institutionellen /gesellschaftlichen Bedingungen: Rahmen in dem Kommunikation stattfindet

Kongruente und inkongruente Nachrichten

  • Kongruente Nachricht: (Verbale und nonverbale) Signale, aus der sich die Nachricht zusammensetzt, passen zusammen
  • Inkongruente Nachricht: (Verbale und nonverbale) Signale, aus der sich die Nachricht zusammensetzt, passen nicht zusammen.

Beispiel kongruente Nachricht:

„Ich will dich nie mehr sehen“ schrie sie mit wütendem Gesicht. Lief schnurstracks zum Ende des Raumes und schmiss die Türe hinter sich zu, welche, wäre sie ein Mensch gewesen, sich sicher dazu verdammt gefühlt hätte, sich nie mehr zu
öffnen. Sollten Tür und Tor zu ihrem Herzen mir also fortan für immer verschlossen bleiben?

Inkongruente Nachrichten

  • Entstehen durch unterschiedliche Regungen in derselben Person (Zwei Seelen in einer Brust)
  • Ermöglichen dem Sender sich nicht festlegen zu müssen
  • Können zu psychischen Störungen beim Empfänger führen (Doppelbindung)

Anatomie des Empfangs – Die 4 Ohren des Empfängers

Schülerin zum Lehrer: „Resi hat den Atlas gepfeffert!“

1. Sachinhalt: Und hat sie das mit Absicht getan?
2. Selbstoffenbarung: Du bist ganz schön böse darüber oder? / „Du bist ja eine Petze!“
3. Beziehungsaspekt: Warum erzählst du mir das? Bin ich etwa euer Polizist?
4. Appelaspekt: Ich werde gleich mal sehen was da los ist!

Empfangsgewohnheiten

Es wird auf die Sachdimension der Nachricht reagiert. Konflikte anderer Nachrichtenseiten werden dann teilweise in Sachdiskussionen ausgetragen -> keine Lösung der Konflikte

Mutter: Zieh dir eine Jacke an. Es ist kalt draußen.
Tochter: Warum denn? Ist doch gar nicht kalt.
Mutter: Es sind nicht mal 10 Grad.
Tochter: Es sind sogar 11,5 Grad!
Mutter: Du ziehst jetzt die Jacke an!
Tochter geht sauer ohne Jacke.

(Sinngemäß: von Schulz Thun, 2009, S.48-49)

Empfangsgewohnheit: Beziehungsohr

„Sie beziehen alles auf sich, nehmen alles persönlich, fühlen sich leicht angegriffen und beleidigt. Wenn jemand wütend ist, fühlen sie sich beschuldigt, wenn jemand lacht, fühlen sie sich ausgelacht, wenn jemand guckt, fühlen sie sich kritisch gemustert, wenn jemand wegguckt, fühlen sie sich gemieden und abgelehnt. Sie liegen ständig auf der >>Beziehungslauer<

Oftmals hat eine Nachricht mehr selbstoffenbarungscharackter und das Beziehungsohr ist zu sehr gespitzt.

Schüler: Nicht schon wieder , das haben wir doch schon tausendmal gemacht.
Lehrer weist Schüler zurecht für den unverschämten Ton und macht weiter mit dem Unterricht.

Empfangsgewohnheit: Selbstoffenbarungsohr

Das Selbstoffenbarungsohr ist oft gesünder in der Anwendung als das Beziehungsohr:

Beifahrer hat Angst. Anstatt sich vom Beifahrer als schlechter Fahrer betrachtet zu sehen, kann man sich auf die Ich-Botschaft konzentrieren und den Fehler nicht bei sich suchen: Er ist halt ein ängstlicher Mensch. Ich tu ihm was Gutes und fahr ein bisschen vorsichtiger.

-> Gefahr: Immunisierung, Psychologisierung.
-> Chancen: Aktives Zuhören.

Empfangsgewohnheit: Appellohr

-> Erwartungsdruck, vor lauter gehörten und zu erfüllenden Appellen gehen die eigene Persönlichkeit und die eigenen Bedürfnisse unter.

„Ist noch Kaffee in der Kanne?“ – „Ich koche sofort noch welchen!“

-> Funktionalitätsverdacht des Empfängers: Jede Äußerung hat eine Absicht. Das gegenüber drückt auf die Tränendrüse, weil es etwas von mir will.

Verantwortung für seine Gefühle Und Reaktionen übernehmen

Wie gezeigt wurde steckt in der empfangenen Nachricht viel vom Empfänger selbst! -> Verantwortung übernehmen

  • -> Ich-Botschaften
  • -> Nicht: Du bist ein unsensibler Arsch!
  • -> Sondern: Ich bin verletzt. Ich bin wütend
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