Erziehung – Definition

Um sich Gedanken über Erziehung machen zu können, muss zunächst geklärt werden, was Erziehung überhaupt bedeutet. Es handelt sich hierbei immer um „eine Beziehung zwischen Menschen“ (s. Keck 2004, 122). Die Folge von Erziehung ist eine Verhaltensänderung, wobei diese beabsichtigt (intentional) oder unbeabsichtigt (funktional) erfolgen kann. Im zweiten Fall wird deshalb häufig von Sozialisation gesprochen (vgl. Keck 2004, 123).

Erziehung ist des Weiteren neben Bildung „der zweite Grundbegriff der Pädagogik und der Didaktik“ (s. Wiater 2007, 323). Das Handlungssubjekt ist immer die Person, die erzieht – also z.B. Eltern oder Lehrer/in – das Handlungsobjekt der/die zu Erziehende (vgl. Keck 2004, 122 f.). Erziehung soll Selbstverwirklichung sein, was sie von Drill, Dressur usw. abgrenzt. Die zu Erziehenden handeln selbsttätig und werden zu Selbstständigkeit erzogen. Es handelt sich also eigentlich um eine von einem Vorbild unterstützte „Selbsterziehung“ (vgl. Hintz 1995, 86). Erziehung heißt „sich erziehen“ (s. Gadamer 1999).

Die wörtliche Bedeutung von „Erziehung“ mit dem Stamm „Zucht“ klafft also mit der kulturellen Wahrnehmung des Begriffes auseinander, welche Emotionalität und subjektive Empfindungen beinhaltet (vgl. Aßmann 2008, 19 f.).

Erziehung dauert das ganze Leben an. „Was versäumt wird, kann nicht kompensiert werden, aber was umgekehrt gelingt, wird lebenslang wirksam bleiben“ (s. Oelkers 2001, 25). An der Erziehung haben die Eltern bzw. Beziehungsberechtigten des Kindes einen hohen Anteil, doch auch der Erziehungsauftrag der Schule ist nicht zu verachten, da sich die Kinder und Jugendlichen einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule aufhalten und deshalb von ihr beeinflusst werden. Der Grundstein wird allerdings von den Erziehungsberechtigten in den ersten sechs Lebensjahren gelegt, welche besonders bedeutsam sind. Der primäre Erziehungsauftrag liegt bei den Eltern, der sekundäre bei der Schule.

Erziehung kann mit Hilfe verschiedener Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen, Erziehungsmitteln und -methoden geschehen (vgl. Keck 2004, 126 ff.). Für Lehrerinnen und Lehrer ist hierbei wichtig, dass sie ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz in der Beziehung zu ihren Schüler/innen finden. Obwohl eine Theorie der Erziehung beschrieben werden kann, stellt sich jedoch laut Oelkers die Frage, inwiefern dies wirklich sinnvoll ist, da es bei Erziehung vor allem um
Praxis und nicht um Theorie geht (vgl. Oelkers 2001, 16).

Quellen:

Aßmann, A. (2008): Erziehung als Zumutung und Emanzipationsvorhaben. Eine kleine Einführung in die Pädagogik. Lage: Jacobs Verlag.
Gadamer, H.-G. (1999): Erziehung ist sich erziehen. Heidelberg: Kurpfälzischer Verlag.
Helsper, W. / Kramer, R.-T. (2000): SchülerInnen zwischen Familie und Schule – systematische Bestimmungen, methodische Überlegungen und biographische Rekonstruktionen. In: Krüger, H.-H. / Wenzel, H. (Hrsg.) (2000): Studien zur Schul- und Bildungsforschung, Band 9: Schule zwischen Effektivität und sozialer Verantwortung. Opladen: Leske + Budrich, S. 201-234.
Ladenthin, V. (2004): Zukunft und Bildung. Entwürfe und Kritiken. In: Rekus, J. (Hrsg.) (2004): Grundfragen der Pädagogik. Studien – Texte – Entwürfe, Band 5: Zukunft und Bildung. Frankfurt am Main: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften.
Oelkers, J. (2001): Einführung in die Theorie der Erziehung. Weinheim und Basel: Beltz.
Schröder, H. (1995): Theorie und Praxis der Erziehung. Herausforderung an die Schule. München: Ehrenwirth.
Wiater, W. (2007): Bildung und Erziehung als Aufgabe der Schule. In: Apel, H.J. / Sacher, W. (Hrsg.) (2007). Studienbuch Schulpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhard, S. 311-336.

Wörterbücher:

Hintz, D. / Pöppel, K.-G. / Rekus, J. (3/2001): Neues schulpädagogisches Wörterbuch. Weinheim [u.a.]: Juventa.
Keck, R.W. / Sandfuchs, U. / Feige, B. (Hrsg.) (2004): Wörterbuch Schulpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

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