Portfoliobeurteilung im Unterricht (Pädagogik)

Die Portfoliobeurteilung ist eine Beurteilungsform, mit der komplexe Anforderungen, wie z.B. Schlüsselqualifikationen, und neue Lernformen, wie z.B. offener Unterricht, besser diagnostiziert werden können als mit Ziffernnoten.

Das Portfolio besteht aus einer Sammlung von Lernergebnissen in der Form einzelner Portfolioarbeiten. Das Portfolio ist sorgfältig geplant und systematisch angelegt. Es ist eine geordnete Dokumentation des Lernfortschritts oder Lernerfolgs auf unterschiedlichen Medien, wie z.B. Texte, Bilder, Hörproben, Videosequenzen und Arbeitsproben.
Wesentliche Bestandteile sind dabei:

  1. die Beteiligung der Schüler, z.B. bei der Auswahl der Themen sowie selbstbestimmtes Arbeitstempo
  2. schriftliche Selbstreflexionen, z.B. Begründungen, Erklärungen
  3. Einbezug von Gruppenleistungen

Die Portfoliobeurteilung bezieht sich auf neue Leistungsanforderungen, wie z.B. Kompetenzen, und neuere Auffassungen vom Lernen, z.B. Eigenaktivität und Selbststeuerung.

Je nach Funktion der Portfoliobeurteilung ändern sich Anforderungen und Aussehen des Portfolios:

  • durch das Arbeitsportfolio wird das Lernen diagnostiziert, um Stärken und Schwächen des Lernenden zu beschreiben
  • das Beurteilungsportfolio wird erstellt, wenn der Lernende beurteilt werden soll
  • bei dem Vorzeigeportfolio geht es darum, die besten Arbeiten des Lernenden zu zeigen
  • das Prozessportfolio dient zur Dokumentation einer Entwicklung
  • und das Bewerbungsportfolio dient Schulabgängern zur Vorstellung bei Arbeitgebern

Dadurch, dass konkrete Portfolios Mischformen dieser fünf Portfoliotypen sind, entsteht eine große Vielfalt .
Bei der Arbeitsanweisung des Lehrers sollten Informationen über Zwecke, Lernziele, Verhaltensregeln, Vorgehensweise und die Wahlmöglichkeit bei Inhalt und Methoden gegeben werden. Die vorherige Bekanntgabe der Beurteilungskriterien ist wünschenswert, es können auch Beispiele für gute und schlechte Portfolioarbeiten gezeigt werden.

Bei der Portfoliobeurteilung sind jedoch auch zahlreiche materielle, personelle und messmethodische Probleme bekannt.

1. ein erfolgreicher Einsatz verursacht hohe finanzielle Kosten, z.B. für die Entwicklung authentischer Aufgaben, die Konstruktion von Schätzskalen und die Beurteilerschulung

2. der Erfolg hängt von der Motivation und Qualifikation der Lehrkräfte ab
Lehrkräfte haben die Hauptarbeit, weil jedes Portfolio im Verlauf seiner Entstehung mehrmals kontrolliert und besprochen werden muss. Zudem sollten sie in der Erstellung und Beurteilung der Portfolioarbeiten qualifiziert sein.

3. die Bewertung der Portfoliobeurteilung hängt von der Güte der Messung ab
Die Bedingungen bei der Durchführung, Beurteilung und Interpretation sind nicht gleich. Durch unterschiedliche Zeitinvestitionen, zu wenige Aufgaben und keine sinnvolle Wiederholung schneidet das Portfolio nicht sonderlich gut ab.

Da in Deutschland noch keine genauen Erfahrungen mit Portfoliobeurteilungen vorliegen, kann es nicht mit Diagnosebogen, Zeugnisberichten usw. verglichen werden. Aber für einen erfolgreichen Einsatz gehört ein umfassenderes Konzept des Lernens, das Lehrer, Lernende und Eltern einschließt.

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