Kommunikationsquadrat: Erklärung + Beispiele (Schulz von Thun)

Kommunikationsquadrat Erklärung

Das Kommunikationsquadrat beschreibt ein Modell, um die Kommunikation zwischen Menschen besser zu verstehen. Jede Nachricht kann nach vier Aspekten vom Sender und Empfänger interpretiert werden. Die vier Aspekte sind in einem Quadrat angeordnet.

Die vier Seiten im Kommunikationsquadrat:

  1. Sachinhalt: Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?
  2. Selbstoffenbarung: Was ist das für einer? Was ist mit ihm?
  3. Beziehungsaspekt: Wie redet der eigentlich mit mir? Wen glaubt er vor sich zu haben?
  4. Appellaspekt: Was soll ich tun, denken, fühlen auf Grund seiner Mitteilung?

Kommunikationsquadrat Beispiel

Offene Frage: Wie soll ein Empfänger auf eine Nachricht reagieren?

Schülerin zum Lehrer: „Resi hat den Atlas gepfeffert!“

Mögliche Antworten nach dem Kommunikationsquadrat:

  1. Sachinhalt: Und hat sie das mit Absicht getan?
  2. Selbstoffenbarung: Du bist ganz schön böse darüber oder? / „Du bist ja eine Petze!“
  3. Beziehungsaspekt: Warum erzählst du mir das? Bin ich etwa euer Polizist?
  4. Appellaspekt: Ich werde gleich mal sehen was da los ist!

Sachinhalt

Es wird auf die Sachdimension der Nachricht reagiert. Konflikte anderer Nachrichtenseiten werden dann teilweise in Sachdiskussionen ausgetragen -> keine Lösung der Konflikte

Mutter: Zieh dir eine Jacke an. Es ist kalt draußen.
Tochter: Warum denn? Ist doch gar nicht kalt.
Mutter: Es sind nicht mal 10 Grad.
Tochter: Es sind sogar 11,5 Grad!
Mutter: Du ziehst jetzt die Jacke an!
Tochter geht sauer ohne Jacke.

(Sinngemäß: von Schulz Thun, 2009, S.48-49)

Selbstoffenbarung

Das Selbstoffenbarungsohr ist oft gesünder in der Anwendung als das Beziehungsohr:

Beifahrer hat Angst. Anstatt sich vom Beifahrer als schlechter Fahrer betrachtet zu sehen, kann man sich auf die Ich-Botschaft konzentrieren und den Fehler nicht bei sich suchen: Er ist halt ein ängstlicher Mensch. Ich tue ihm was Gutes und fahr ein bisschen vorsichtiger.

-> Gefahr: Immunisierung, Psychologisierung
-> Chancen: Aktives Zuhören

Beziehungsaspekt

„Sie beziehen alles auf sich, nehmen alles persönlich, fühlen sich leicht angegriffen und beleidigt. Wenn jemand wütend ist, fühlen sie sich beschuldigt, wenn jemand lacht, fühlen sie sich ausgelacht, wenn jemand guckt, fühlen sie sich kritisch gemustert, wenn jemand wegguckt, fühlen sie sich gemieden und abgelehnt. Sie liegen ständig auf der >>Beziehungslauer<

Oftmals hat eine Nachricht mehr selbstoffenbarungscharackter und das Beziehungsohr ist zu sehr gespitzt.

Schüler: Nicht schon wieder, das haben wir doch schon tausendmal gemacht.
Lehrer weist Schüler zurecht für den unverschämten Ton und macht weiter mit dem Unterricht.

Appellaspekt

-> Erwartungsdruck, vor lauter gehörten und zu erfüllenden Appellen gehen die eigene Persönlichkeit und die eigenen Bedürfnisse unter.

„Ist noch Kaffee in der Kanne?“ – „Ich koche sofort noch welchen!“

-> Funktionalitätsverdacht des Empfängers: Jede Äußerung hat eine Absicht. Das gegenüber drückt auf die Tränendrüse, weil es etwas von mir will.

Ursachen für Empfangsfehler

  • Selbstkonzept des Empfängers (Ich kann nichts…)
  • Das Bild, welches der Empfänger vom Sender hat (Rollenverständnis, z.B. bei einem Lehrer und Schüler)
  • Korrelierte Botschaften (Bitte vs. Tadel)

Empfangsvorgang

  1. Etwas wahrnehmen: Ich sehe, wie du die Stirn runzelst.
  2. Etwas interpretieren: Ich vermute, es passt dir nicht, was ich vorhabe.
  3. Etwas fühlen: Ich bin enttäuscht und ärgerlich, weil ich Unterstütung erhofft hatte.

Konsequenz aus dem Kommunikationsquadrat

Verantwortung für seine Gefühle Und Reaktionen übernehmen!

Wie gezeigt wurde steckt in der empfangenen Nachricht viel vom Empfänger selbst! -> Verantwortung übernehmen

  • -> Ich-Botschaften
  • -> Nicht: Du bist ein unsensibler Arsch!
  • -> Sondern: Ich bin verletzt. Ich bin wütend!
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