Das open field-System und enclosure-Maßnahmen

Das open field-System, das auch unter den Bezeichnungen two-field System, three-field System, strip farming oder Midland System beschrieben wird, dominierte den ländlichen Raum von Dorset (Südwestengland) bis Northumberland (nördlichstes Schottland). Das gesamte Ackerland war in Streifen gegliedert, bewirtschaftet von den Bewohnern als Eigentum oder Pachtland. Damals waren die Parzellen jedes Farmers über drei oder vier große open fields verstreut und nicht durch Hecken oder Mauern eingegrenzt.

Die Streifenparzellen gruppierten sich zu Verbänden (furlongs), dabei bildeten mehrere Verbände ein Feld, wobei drei oder mehr Felder eine komplette agrare Wirtschaftsfläche darstellten. Jenseits der open fields, war die Weidenfläche für das Vieh des jeweiligen Dorfes angelegt. Schon seit dem 9. Jh. exisitiert das open-field farming, das sich zusammen mit dem geschlossenen Dorf als Siedlungsform durchsetzte (vgl. Wehling 2007, S. 128f.). Die folgende Abbildung verweist auf die ländlichen Siedlungsformen. Von eigentlicher Relevanz ist aber die blaue Einfärbung der open field Gebiete der Midlands.

Nachfolgend wird die die beachtliche Umstrukturierung der landschaftlichen Eigenart und des Naturraums Großbritannien beschrieben. Große Teile des ländlichen Raumes stehen unter verschieden wirksamen Schutzbestimmungen, denn nicht zuletzt wird Großbritannien als das umfassendste und am weitesten entwickelte System des Natur- und Landschaftsschutzes der Welt bezeichnet. Diese inoffizielle Ehre wurde dem Land aber nur zuteil, da Ende des 19. Jh. sogenannte enclosure-Maßnahmen, ausgelöst durch einen Streit zwischen Stadt- und Landbevölkerung, das Landschaftsbild grundlegend umgewandelt hatten. Hecken, die als Erosionsschutz und Parzellengrenzen dienten, wurden als Verarmung des ländlichen Raumes angesehen. Durch sie wurden die ökologischen Bedingungen verändert, indem sie die Habitate (Lebensräume) für Mensch und Tier in den weiten Flächen verschwinden und in kleinen, abgegrenzten Waldgebieten neu entstehen ließen.

Weiterhin führte die Einführung der Schafhaltung, das Abbrennen der Heiden in den Bergländern und die erschreckende, vernachlässigte Tierpflege der Wildhüter im 19. Jh. zum Aussterben zahlreicher Vogel- und Insektenarten. Durch diese zerstörerischen Prozesse wurde das Interesse vieler wissenschaftlicher Gesellschaften geweckt, die erste Gesetze und Verordnungen für den Umwelt- und Naturschutz verfassten (vgl. Wehling 2007, S. 146).

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