Landwirtschaft in Europa: Räumliche Haupttypen bzw. Zonen

Bei der landwirtschaftlichen Nutzung in Europa lassen sich fünf räumliche Haupttypen unterscheiden:

1. Zone des Borealen Nadelwaldes

Die Zone des borealen Nadelwaldes in Nordeuropa wird fast ausschließlich forstwirtschaftlich genutzt. Die Waldnutzung ist an zahlreichen Standorten die Grundlage ganzer Produktionszweige wie der Holz-, Möbel-, Papier- oder Zelluloseindustrie. Sie konzentriert sich auf den Küstenraum und die unmittelbare Umgebung von Flussläufen. Ein wichtiger Grund dafür sind die Böden. So finden sich entlang der Dwina gute Auenböden, während im Landesinneren Finnlands Moorböden mit ungünstigen Eigenschaften dominieren (vgl. Diercke 2008, online).

Landwirtschaften im ländlichen Raum

Landwirtschaften im ländlichen Raum - Karl-Heinz Laube / pixelio.de

2. Zone des Dauergrünlands

Zusammenhängendes Dauergrünland mit Wiesen und Weiden findet sich vor allem im maritimen Nordwesten des Kontinents mit seinen feuchten milden Wintern und den kühlen, feuchten Sommern. Die höchsten Grünlandanteile von rund 70 Prozent werden in Irland erreicht. Auch die höheren Lagen der Gebirge sind als Gebiete mit einem erhöhten Gründlandanteil zu erkennen, etwa das Alpenvorland und die Alpen. Daneben gibt es in diesen Regionen meist hohe Waldanteile. Beispiele dafür liefern das Französische Zentralmassiv, das Dinarische Gebirge, die Gebirgszüge auf der Iberischen Halbinsel, der Taurus und der Kaukasus (vgl. Diercke 2008, online).

3. Zone des Roggen- und Kartoffelanbaus

Eine Zone zusammenhängenden Ackerbaus mit Roggen, Gerste und Kartoffeln als Hauptprodukten bestimmt die Agrarlandschaft Nordosteuropas. Roggen ist nicht nur die frosthärteste Getreideart, sondern auch diejenige mit dem geringsten Anspruch an Boden und Klima. Roggen verträgt beispielsweise kühle Sommer und auch Trockenheit. Die Anbaufläche geht dennoch insgesamt zurück, weil der Weizenanbau durch die Züchtung neuer Sorten immer stärker nach Norden vordringt. Der Weizen ersetzt Roggen und andere Getreide, weil mit ihm hohe Erträge und hohe Getreidepreise erzielt werden können. Die Kartoffel hat sich aufgrund ihrer hohen Mengenerträge im mittleren und nördlichen Europa in den letzten Jahrhunderten zum Grundnahrungsmittel entwickelt. Sie ist in Bezug auf das Klima sehr anpassungsfähig und akzeptiert kühle und feuchte Witterung (vgl. Diercke 2008, online).

4. Zone des Weizen- und Zuckerrübenanbaus

Im Unterschied zur zuvorgenannten Zone liegen hier deutlich bessere Böden vor. In Osteuropa kommt noch ein besonders günstiges Klima hinzu. Die Standortansprüche der Zuckerrübe ähneln denen des Weizens stark, weshalb Zuckerrüben und Weizen häufig gemeinsam auftreten. Ausnahmen von dieser Regel sind einige Standorte östlich der Wolga. Beste Wachstumsbedingungen hat die Zuckerrübe bei sehr guten, lockeren Böden im milden, maritimen Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Nach Süden und Osten tritt der großflächige Anbau von Körnermais und von Sonnenblumen zur Ölgewinnung zum Weizenanbau hinzu (vgl. Diercke 2008, online).

5. Zone des mittelmeerischen Anbaus

Der mittelmeerische Anbau zeichnet sich durch eine Vielfalt wärmeliebender Nutzpflanzen aus, seine Schwerpunkte sind der Obst- und Gemüseanbau und Sonderkulturen. Traditionell wird der mittelmeerische Anbau durch die Verbreitung des Ölbaums definiert. Da der Ölbaum sehr frostempfindlich ist, liegt seine Anbaugrenze bereits im Süden Frankreichs. Bei den Gemüsesorten haben die Tomaten, vor allem die Busch- oder Feldtomate, eine besondere Stellung. Auch die wichtigste Reisanbauregion Europas, die in Norditalien liegt, befindet sich in dieser Zone.

Korkeichen werden in Europa vor allem in Portugal und Spanien angebaut. Den Tabakanbau, den es in früheren Jahrhunderten auch in Deutschland noch in größerem Umfang gab, ist noch immer im gesamten mediterranen Raum von Portugal bis zur Ägäis zu finden. Von größerer wirtschaftlicher Bedeutung ist er allerdings nur in Griechenland, Italien sowie in Bulgarien. Auch Sojabohnen und Baumwolle werden in Europa im internationalen Vergleich nur in geringen Mengen angebaut, in Italien allerdings mit zuletzt ansteigender Tendenz.

Ausschließlich südlich des Mittelmeeres findet sich der Anbau von Dattelpalmen, deren sehr zuckerreiche Früchte sowohl frisch als auch gepresst verzehrt oder zu anderen Produkten wie Palmwein und Dattelhonig verarbeitet werden. Die pflanzliche Erzeugung in der gesamten Mittelmeerregion wird durch die Haltung vor allem von Schafen, aber auch von Rindern, Schweinen und Ziegen ergänzt (vgl. Diercke 2008, online).

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