Die mittelalterliche Stadt

Mit dem Ende des Römischen Reiches und der in Kapitel 2 beschriebenen „römischen Stadt“ geht auch die Zeit der städtischen „Modelle“ zu Ende, d.h. das regelmäßige Rechteckmuster und die genau geplanten Achsen innerhalb einer Stadt, finden sich in den Städten des Mittelalters nicht mehr wieder. Die mittelalterliche Stadt basiert folglich nicht mehr aus einem einheitlichen Grundriss. Vielmehr entwickelte sich ein sehr heterogenes Städtebild, welches sich nach Stadtentstehungsphasen oder Stadtentwicklungsepochen gliedern lässt.

Viele Städte verloren ihre angestammten Verwaltungs- und heidnischen Kulturfunktionen. Plünderungen und kriegerische Zerstörungen als Auswirkungen der Völkerwanderung sowie die Nutzung antiker Bausubstanz als Steinbrüche, verwandelten ursprüngliche Metropolen in unbedeutende Siedlungen (vgl. Fassmann 2009, S. 89 und vgl. Bähr/Jürgens 2006, S.93). Frühmittelalterliche Ausgangspunkte für die Stadtentwicklung im 8. und 9. Jh. waren zum einen die karolingischen Königshöfe, die entlang der Heer- und Handelsstraßen angelegt wurden. Aus solchen Höfen bildeten sich befestigte Burgen und Pfalzen heraus, die als Stützpunkte für reisende Könige dienten.

Weitere Gründungskerne waren zum anderen die Domburgen der Bischofssitze (z.B. in Bremen, Hamburg und Münster) oder Klosterburgen (z.B. in Hameln oder Helmstedt). Angrenzend lagerten sich kaufmännische, meist burgähnliche Siedlungen an, die sogenannten Wiks. Die eigentliche Entfaltung der Wiks und deren gemeindliches Leben begann erst in der Ottonischen Zeit (ab 10. Jh.), als sich die Kaufleute zu Gilden zusammenschlossen (vgl. Heineberg 2006, S. 203).

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