Internationalisierung der Automobilindustrie in Großbritanien

1992/93 kam es in Großbritannien zu einer wirtschaftlichen Rezession und infolgedessen zu einer negativen Auswirkung des Absatzes der gesamten Automobilbranche. Darunter waren auch die japanischen Unternehmen betroffen, sodass Nissan im Herbst 1992 in einem Werk die Hälfte ihrer Belegschaft als Kurzarbeiter beschäftigte. Zu diesem Zeitpunkt sehr überraschend war, dass das britische Transportunternehmen Rover in dem Zeitraum Januar 1993 bis Juni 1993 13% mehr Automobile verkauft als im Vorjahreszeitraum. So konnte Rover als einziger Automobilhersteller in Europa seinen Absatz steigern. Dies hat Rover aus verschiedenen Gründen geschafft, jedoch ist der Hauptgrund, dass das Unternehmen bereits 1988 die absehbare Krise erkannte und mit drastischen Maßnahmen handelte.

Rover hat daraufhin ca. die Hälfte ihrer Mitarbeiter entlassen, die Zahl der Zulieferer von 1000 auf 200 gesenkt und ca. 600. Mio. DM in das Werk in Cowley investiert um die Produktivität zu steigern. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist außerdem, dass Rover seine Modellpalette erneuert hat und zwischen dem Mini und dem Range Rover noch einige Erfolgsmodelle der Mittelklasse eingeführt hat. Entscheidend für die positive Entwicklung des Unternehmens war außerdem, dass man 1988 angefangen hat das Unternehmen neu zu ordnen. Darunter fällt zum einen der Verkauf kleinerer Automarken an British Aerospace zum anderen, dass sich Honda mit 20% in den britischen Konzern eingekauft hat. Im Gegensatz dazu hat Rover 20% des neuen Hondastandorts in Großbritannien erhalten.

Rover und Honda profitierten beide davon in dem sie technisches Know-how austauschten und zusammen Motoren entwickelten und bauten. Der letzte entscheidende Schritt war, dass Rover 1994 an das deutsche Unternehmen BMW verkauft wurde. Rover konnte dadurch enorm von den Marketingstrategien und -vernetzungen des deutschen Unternehmens profitieren. Aufgrund dieser Erfolge entschloss sich Rover dem Beispiel seines Mutterunternehmens BMW zu folgen und den Schritt zur Internationalisierung zu wagen. So wurde eine Zusammenarbeit zwischen Rover und KIA, dem zweitgrößten südkoreanischen Automobilhersteller, hergestellt. Diese beiden Unternehmen haben gemeinsam an der Entwicklung von Motoren gearbeitet. Diese werden sowohl in Südkorea als auch in Großbritannien hergestellt. Hinzu kamen Kooperationsabkommen mit dem malayischen Autohersteller Proton. Außerdem hat Rover in Singapur ein neues Vertriebsnetz aufgebaut, um sich in Asien präsent zu zeigen. Rover hat zusätzlich ein Joint Venture mit der bulgarischen Firma Daru durchgeführt, um somit auch den osteuropäischen Markt zu erschließen. Im Zuge der Kooperationen des BMW Mutterkonzerns ist Rover auch in Südafrika und Indien vertreten. Bei den anderen britischen Automobilherstellern ist die Internationalisierung im Prinzip nichts Neues, da schon sich schon früher meist US-amerikanische Automobilkonzerne beteiligt haben.

Internationalisierung der Automobilindustrie in Großbritanien

Internationalisierung der Automobilindustrie in Großbritanien - Thomas Meinert / pixelio.de

Als aufsehenerregend anzusehen ist jedoch die Übernahme von Luxusmarke Jaguar durch den Automobilriesen Ford im Jahre 1989. Diese Übernahme war wohl eine Reaktion von Ford auf den Rekordgewinn im Jahr 1988. Allerdings hatte Jaguar nach dem Kauf seine Probleme durch die Androhende und Rezession, die bis 1993 anhielt. In dieser Zeit hatte Jaguar durch verschiedene Strategien, wie die Halbierung der Mitarbeiter, eine Verbesserung der Modellpalette oder den Ausbau der Händlernetze versucht wieder einen Gewinn zu erwirtschaften. Dies gelang dem Unternehmen im Jahr 1995 mit 40.000 verkauften Automobilen, es hätte allerdings nur 35.000 gebraucht im in die Gewinnzone zu kommen (vgl. Heineberg 1997, S. 224).

Wie in der Abbildung (Quelle: verändert nach Wehling 2007, S.188.) zu erkennen ist, sind die 3 größten Hersteller, Nissan, Toyota und Honda, in Großbritannien aus Japan. Auch alle anderen großen Automarken sind von ausländischen Herstellern, auch diejenigen die vorher im Besitz von britischen Herstellern waren, wie Land Rover und MG Rover gehören zu BMW (aus Deutschland), Jaguar zu Ford (USA) und Vauxhall zu General Motors (USA). Man könnte höchstens vermuten, dass sich hinter dem Punkt „Sonstiges“ noch kleinere traditionelle britische Unternehmen verbergen.

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