Zukunftsszenarien für das Modellgebiet Stubaital

Anhand von drei methodischen Ansätzen, die auf ein Modellgebiet angewandt wurden, sollen mögliche zukünftige Entwicklungen dargestellt und prognostiziert werden. Das Modellgebiet ist dabei das Stubaital nahe Innsbruck (Region Innsbruck Land) in Österreich liegt.

Zukunftsszenarien für das Modellgebiet Stubaital

Zukunftsszenarien für das Modellgebiet Stubaital - Manfred Rose / pixelio.de

Die Abbildung (Quelle: eigene Bearbeitung nach Tappeiner et. al. 2007, S. 35) zeigt die historische Entwicklung der Lannutzung im Stubaital von 1865 bis 2003. Dabei sieht man, das in diesen 150 Jahren eine massive Veringerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Stubaital stattfand. Dies geschah vor alem in den für die Landwirtschaft ungünstig liegenden höheren Lagen. Während gegen Ende des 19 Jahrhunderts noch sämtliche Hochlagen bewirtschaftet wurden, mit Ausnahme der sehr steilen Hanglagen, die bewaldet waren, so wurden diese ab den 1950er Jahren und in den nachfolgenden Jahrzehnten zunehmend extensiviert. Schließlich waren 2003 bereits schon 70 % der Hochlagen, die 100 Jahre zuvor noch bewirtschaftet wurden, mittlerweile brach gelegt.

„Diese aufgelassenen Flächen sind im Laufe der zeit verbuscht oder im Zuge der Sekundärsukzession vom Jungwald zurückerobert worden.“ ( Tappeiner et. al. 2007, S.34)

Eine weitere Auffälligkeit betrifft die Tallagen und speziell die davon ausgehenden Talhänge. Auch in diesen Gunstlagen traten Veränderungen auf. Wie die Darstellung der Landnutzung der 1950er Jahre zeigt, waren die Talhänge damals noch in weiten Teilen von Ackerflächen bedeckt. Heute hingegen wurden diese fast vollständig von intensivem Wirtschaftsgrünland und von Siedlungen verdrängt.

Nachfolgend sollen nun zunächst die drei methodischen Ansätze und anschließend die nach deren Anwendung auf das Modellgebiet entstandenen Ergebnisse vorgestellt werden.

Methodische Ansätze zur Darstellung von Zukunftsprognosen

Der erste methodische Ansatz, mit dem ein zukünftiges Szenarium dargestellt werden kann, ist die Verwendung von Übergangswahrscheinlichkeiten. Dabei werden in vergangenen Jahrzehnten festegstellte und dokumentierte Veränderungen, die sich durch Luftbilder und Orthofotos ergaben, mit derselben Wahrscheinlichkeit af die Zukunft übertrage. Demnach geht man davon aus, dass alle sich auf die Entwicklung auswirkenden Faktoren von heute auch in der Zukunft gleich sind und stabil bleiben (vgl. Tappeiner et. al. 2007, S.34).

Der zweite Ansatz verwendet zur Prognose zukünftiger Entwicklung sogenannte Stakeholder.
„Der Stakeholder-Ansatz bietet die Möglichkeit, den kulturellen Hintergrund und die persönliche Erfahrung in den Entscheidungsprozess einfließen zu lassen.“ ( Tappeiner et. al. 2007, S.34). Für das Stubaital wurden drei verschiedene Stakeholder-Ansätze durchexerziert, mit drei möglichen Ausrichtungen der EU-Agrarpolitik. In einem Status-Quo-Szenarium gab es nur eine geringe Abnahme der Preisstützungsmaßnahmen, die wiederum durch größere Förderungen von Regionalentwicklungsprogrammen kompensiert wurden. Ein weiteres Szenarium implizierte stark rückläufige Agrarsubventionen, aber höhere Förderungen für eine sozial- und umweltfreundliche Landwirtschaft.Die dritte Stakeholder-Variante beinhaltete hohe Förderungen in die gesamte Regionalwirtschaft auf Kosten der Agrarsubventionen.
Der dritte methodische Ansatz ist das Agrarökonomische Modell, um wirtschaftspolitische Änderungen analysieren zu können.. Es „modelliert das Verhalten der Bauern als Ergebnis wirtschaftlicher Impulse auf der Ebene des einzelnen landwirtschaftlichen Betriebes.“ (Tappeiner et. al. 2007, S.34)

Auswertungen einer zukünftigen Entwicklung im Stubaital

Der Vergleich der Entwicklung (Quelle: eigene Bearbeitung nach Tappeiner et. al. 2007, S.35), die mittels der Übergangswahrscheinlichkeiten herausgestellt wurde, mit dem Jahr 2003 zeigt, dass sowohl Brachen- und Wald-, als auch Siedlungsflächen leicht zunehmen, während neue Brachen verstärkt auf ehemals genutzten Gründlandflächen entsteht. Die Stakeholder-Varianten hingegen zeigen weniger starke Veränderungen. Jedes der drei vorgestellten Szenarien zeigte nur geringe Veränderungen im Bereich der landwirtschaftlichen Nutzung. Die Siedlungen jedoch weisen eine Ausbreitung speziell in den Tallagen auf.

Das Agrarökonomische Modell lässt die größten Wandlungen und Veränderungen erkennen. Neben sehr viellen Ergebnissen sind zwei herausgestellt worden, die in Abbildung 10 zu erkennen sind. Beim ersten Modell wurde ein Abfallen des Milchpreises um 6 Euro-Cent von 0,33 €/kg auf 0,27 €/kg miteinberechnet. Dabei wird deutlich, dass selbst bei geringer Reduktion Probleme der Wirtschaftlichkeit in vielen betrieben aufkommen und Höfe, sogar in Gunstlagen, aufgegeben werden müssen.

Im zweiten Modell (Quelle: eigene Bearbeitung nach Tappeiner et. al. 2007, S.35) wird die Bedeutung von Direktzahlungen analysiert. Hierbei wirkt sich das Ausbleiben von Direktzahlungen ebenso drastisch auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe aus, wie die Reduktion der Milchpreise. Es käme auch hier zu massiven Betriebsschlies-sungen und einer Änderung des Landschaftsbildes, wobei der Wald die offen gelassenen und nicht besiedelten Flächen zurückerobern würden.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass hohe Löhne einen arbeitsintensiven Einsatz in der Landwirtschaft zunehmend uninteressant machen, was zu „Extensivierung und Brachlegung, von landwirtschaftlichen Nutzflächen führt, insbesondere dann, wenn sie weiter […] entfernt liegen oder nur schwer maschinell bearbeitet werden können.“ (Tappeiner et. al. 2007, S.36)

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