Handelsmessen vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Die Ursprünge der Handelsmessen in Europa liegen zum Teil bereits in der Antike. So wird berichtet, dass sich die Kaufleute aus verschiedenen Ländern ab 172 n.Chr. in Troyes (Frankreich) trafen, um Geschäfte abzuschließen. Im 11. Jahrhundert begannen die Messen großen wirtschaftlichen Einfluss in Europa zu gewinnen.

Die Landesfürsten erkannten bald die Bedeutung der Messen für ihre Regionen. Um Kaufleute anzulocken, senkten die Fürsten deshalb Steuern und Zölle bzw. erließen sie den Händlern für den Zeitraum der Messe.

Die Handelsmessen fanden aber nicht unbedingt in den Hauptstädten der Königreiche statt. Verkehrsgünstig gelegene Dörfer konnten Standorte sein, sowie kleine und größere Städte. Die Anzahl der Messen pro Jahr an einem Ort variierte stark. So fanden Messen im jährlichen Abständen statt, aber es gabe auch Städte mit monatlichen Veranstaltungen.

Die Kaufleute handelten mit den verschiedensten Produkten. Im Mittelalter und zum Beginn der Neuzeit waren dabei die überregionalen Viehmärkte große Anziehungspunkte.

Die wirtschaftlich größten Handelsmessen fanden in den großen Städten statt. Der Besucherandrang war zu diesen Messezeiten so stark, dass manchen Städte in Frankreich die Messestände vor der jeweiligen Stadt aufbauen ließen. So wurde verhindert, dass die zahllosen Besucher die engen Straßen der mittelalterlichen Städte hoffnungslos verstopften.

Es konnten aber nicht alle Städte verhindern, dass die Messen sich in ihrem Stadtgebiet ausbreiteten. Die Kaufleute aus den europäischen Ländern gründeten dazu Handelskontore in den Städten und verkauften hier zu Messezeiten ihre Waren.

In Deutschland gehörten Leipzig (ab 16. Jahrhundert) und Frankfurt a.M. (ab 17. Jahrhundert) zu den Städten, in denen sich die Handelsherren mit ihren Gebäuden ausbreiteten. Die wirtschaftliche Macht der Kaufleute führte auch zu deren steigenden politischen Einfluss in den jeweiligen Städten.

Die Handelsmessen waren aber nicht nur dazu da, dass Kaufleute aus der damalig bekannten Welt miteinander Handelsgeschäfte abschlossen. Auch für die Bürger der Stadt und für die Bauern aus der Umgebung waren Messen ein beachtetes Ereignis. Hier konnten sie ebenfalls Waren von den Händlern erwerben. Die Bauern nutzten zusätzlich die Messe, um eigene Produkte zu verkaufen.

Die Handelsmessen waren auch große Feiertage für die Einwohner. Gaukler, Musikanten, Schauspieler und Prostituierte sorgten für Unterhaltung der Kauflustigen.

Die Geschäfte, die während der Messen abgeschlossen wurden, veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte. So wuchs der Umfang des reinen Geldhandels immer mehr. Kredite und Wechsel wurden gehandelt und Wechselkurse festgelegt.

Die Städte bzw. die Handelsherren begannen schließlich die Termine zu koordinieren, an dem die Messen stattfanden. So konnten die Händler bequem von Ort zu Ort ziehen. So entwickelten sich in den Regionen regelrechte “Messe-Kreisverkehre”. Einzelne Städte in den Ländern wurden dabei auch zu Finanzzentren des Geldverkehrs der Messe-Kaufleute.

Bedeutende Messen gab es in den folgenden Städten:
Troyes, Lyon, Leipzig, Frankfurt a.M., Medina del Campo, Florenz, Venedig, den Haag, Antwerpen, Mailand, Genua, Genf und Piacenza.

Im 18. Jahrhundert verschwanden immer mehr Messen, weil die Fürsten die bisher gewährten Privilegien verweigerten und andere Handelsformen für die Kaufleute lukrativer wurden. Interessant ist dabei, dass im Osten Europas Messen noch lange eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der Länder spielten. Bedeutende Messestädte waren Lublin, Posen und Danzig, sowie die russische Stadt Nischni Nowgorod. Wirtschaftshistoriker erklärten den Erfolg dieser Messestädte, in dem sie vermuteten, dass die osteuropäische Wirtschaft keine anderen effektiven Handelsformen in der Zeit vom 17. bis zum 18. Jahrhundert entwickelten.

Literatur:

Fernand Braudel: Sozialgeschichte des 15. – 18. Jahrhunderts
Bd 3: Der Handel
München: Kindler 1990

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