Martin Luther Theologie und Theodizee

Martin Luther ist einer der bekanntesten Theologen. Er geht davon aus, dass Gott in allen und allem wirkt. Sowie Seneca die Menschen in stark und schwach aufteilt, trennt Luther sie in die, die gut sind und die, die verkehrt und gottlos sind.1 Gott ist nicht selbst böse, sondern lenkt die Bösen, wie die Guten und benutzt sie als Werkzeug. Er wird mit einem Reiter verglichen, der ein lahmes Pferd ebenso wie ein gesundes reitet. Die Voraussetzungen sind eben unterschiedlich. Gott ist allmächtig, weshalb der Gottlose Seinem Antrieb nicht entfliehen kann.

Martin Luther Theologie und Theodizee

Martin Luther Theologie und Theodizee - Dieter Schütz / pixelio.de

Obwohl dieser durch Gottes Lenken Böses ausführt, kann Er es nicht unterlassen ihn anzutreiben, da Er dann nicht Gott wäre. Wieso aber die Bösen nicht von Ihm geändert werden, bleibt Sein Geheimnis, ist also für die Menschen unverständlich. Weiterhin ist Luther der Ansicht, der Mensch, der Böses tut, sei vom Bösen besessen. Es findet ein Kampf zwischen Satan und Gott statt. Hier wäre dann der Mensch ein Tier, das von Satan und Gott abwechselnd geritten wird. Zu Beginn hat der Satan die Überhand, da der Mensch von Anfang an die Erbsünde oder auch Ursünde in sich trägt.

Der Mensch selbst kann nichts dagegen tun. Schon in der Geschichte des Sündenfalls, Gen 3, handelt der Mensch gegen Gottes Gebot und tut es von da an, laut Mythos, immer wieder. Der freie Wille gut zu sein, nützt ihm nichts, ohne die Gunst Gottes.3 Es zählt nicht der Wille des Menschen, sondern der, des ihn Besitzenden, also Gottes oder Satans. Der Mensch will selbst wie Gott sein und lebt deshalb so, als gäbe es Gott nicht. Er lebt in ontologischer Sünde. Vernunft und Materie des Menschen sind diesem Willen unterworfen. Das ist die Sünde nach Luther. Erläutert wurde die Auffassung im Seminar an Lk 18,9 ff., wozu auch ein Bild gezeigt wurde. Der Pharisäer ist der Sünder, der sein will wie Gott und deshalb keinen Gott mehr braucht, außer, um zu bekommen, was er verdient.

Er zieht seine Daseinsberechtigung aus seinem „Gut-Sein“ und vertraut auf den Tun-Ergehen-Zusammenhang. Er selbst ist das Zentrum seines Handelns. Der Zöllner dagegen ist bescheiden und schuldbewusst. Er weiß, dass er von sich aus keine Daseinsberechtigung hat, sondern vertraut auf die Gnade Gottes. Nur durch Seinen Zuspruch kann er gerechtfertigt werden und diesem Zuspruch muss er Glauben schenken.

Weiter wurde das Gleichnis Lk 12,16 ff. behandelt, worin der reiche Kornbauer sein eigener Gott ist und aufgefordert wird, den Geiz abzulegen und zu teilen, um seine Seele zu retten. Denn auch, wer nicht viel hat, wird von Gott ernährt werden, wie der Rabe (Lk 12,24). Hier ist ein Bezug zu Paulus zu sehen, welcher ein Leben verlangt, als hätte man nichts. Doch da der Mensch nach Luther von der Sünde schon immer ergriffen ist, führt er kein solches Leben. Selbst kann er sich auch nicht davon befreien, wie Gott sein zu wollen. In seiner Schrift „De servo arbitrio“ („Vom geknechteten Willen“), die die Antwort auf E. v. Rotterdamms Schrift „Diatribe de libero arbitrio“ ist, führt er dies näher aus. Satan, der den Menschen zu Beginn besitzt, ist derjenige, der ihm einredet, sein eigener Gott sein zu wollen. Von dieser satanischen Macht müssen wir uns von Gott befreien lassen. Rotterdamm hat zuvor behauptet, der Mensch hätte den freien Willen sich Gott oder Satan hin- bzw. abzuwenden und entspricht damit der Auffassung Lapides. Laut Luther ist Gott dafür verantwortlich, dass der Mensch von einer Macht besessen und die Welt sich nicht aus dem Bösen befreien kann.

Seine Allmacht besteht in dem Antrieb der Guten zu Gutem und der Bösen zu Bösem. Allerdings entsteht hierdurch die Theodizeefrage, wieso er dies tut. Jedoch kann Gott nichts dafür, dass der schlechte Mensch ein „stumpfes“ Werkzeug ist und nicht anders gebraucht werden kann. Der Mensch ist für die Erbsünde verantwortlich, wieso Gott ihn antreibt ist für uns unverständlich.5 Luther streicht demnach die Verstehbarkeit. Gottes Güte zeigt sich in der Hingabe Seines Sohnes für uns. Das moralische Übel wird bei ihm als Frucht der Erbsünde gesehen. Luther glaubt an die Apokalyptik, in welcher sich die Lösung der Theodizee zeigen wird und auch, warum manche zum Glauben gekommen sind, andere dagegen nicht.

Er nimmt drei Lichter an. Das Licht der Natur kann nicht rechtfertigen, dass es Guten schlecht und Bösen gut geht, das Licht der Gnade hebt jedoch diesen Widerspruch auf. Das Licht der Herrlichkeit wird vor Gottes Gericht die wahre Gerechtigkeit bringen.

Vgl. Luther, Vom unfreien Willen. Zum Theodizeeproblem
Vgl. Luther, Vom unfreien Willen. Zur Definition und zum Hauptthema.
Vgl. Luther, Vom unfreien Willen. S.241 f.
Vgl. Luther, Vom unfreien Willen. Zum Theodizeeproblem.

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