Theodizee Definition + Referat

Der Begriff „Theodizee“ ist relativ spät entstanden, also neuzeitig. Er wurde von Gottfried Wilhelm Leibniz, dem universalgelehrten Leipziger, welcher Jura, Mathematik, Theologie, Physik und Astrologie in Leipzig, Jena und Nürnberg studierte und später an Höfen, als Bibliothekar, Diplomat und Philosoph tätig war, geprägt. 1710 verfasste Leibniz seinen dem Begriff gleichnamigen Essay „Theodizee“.

Teilt man den Begriff in seine griechischen Bestandteile auf, erhält man die Wörter „Gott“ und „Gerechtigkeit“ und kann ihn somit im Ganzen mit „Rechtfertigung Gottes“ übersetzen. Diese Rechtfertigung gilt gegenüber dem Leiden in der Welt. Die Gerechtigkeit Gottes wird in der Bibel beispielsweise in Röm 3 erörtert.

Voraussetzung für die Theodizee ist, dass Gott vom Jenseits ins Diesseits durchgreifen kann, also die Möglichkeit hat, über Glück und Leid zu bestimmen. Ihm werden hierbei, wie bereits erwähnt, drei Attribute zugeschrieben, nämlich das der Macht, der Güte/Liebe und der Verstehbarkeit. Des Weiteren können drei verschiedene Arten von Übel auftreten. Dies sind das metaphysische, welches Sterblichkeit bzw. Vergänglichkeit beinhaltet, das moralische, wie z.B. Krieg und Mord, sowie das physische, was Schmerzen und Krankheit meint. Je nach Vorstellung, werden bestimmte Gottesattribute als Erklärung für das Auftreten dieser Übel, vor allem des physischen und moralischen Übels, gestrichen.1 Der Mensch hat dabei mehr oder weniger Einfluss auf seine Zukunft. Diese verschiedenen Auffassungen wurden im Seminar erläutert. Das metaphysische Übel wird zumeist als von der Schöpfung gesetztes Übel betrachtet und bedarf deshalb keiner Erläuterung.

Epikur-Dilemma

Epikur, welcher von 341-270 v. Chr. lebte, beschäftigte sich in besonderer Weise mit den möglichen Ursachen für das Leid in der Welt. Er untersuchte vier Erklärungen, wovon ihn drei gar nicht und eine mit Einschränkung überzeugten.

Die erste der Erklärungen ist diejenige, dass Gott das Übel beseitigen will, es aber nicht kann. Laut Epikur würde dies bedeuten, dass Gott schwach wäre, was jedoch nicht zutrifft. Die zweite Erklärung ist, dass Gott das Übel beseitigen könnte, es aber nicht will, was allerdings Missgunst Gottes bedeuten würde und deshalb ebenfalls nicht zutreffen kann. Die dritte Möglichkeit ist die, er könne und wolle die Übel nicht beseitigen. Demzufolge wäre Gott sowohl schwach als auch missgünstig, was, den vorausgehenden Erklärungen nach, erst recht nicht sein kann. Die letzte von Epikur aufgeführte Möglichkeit ist die des Könnens und Wollens Gottes, das Leid zu beseitigen. Dies ist die einzige Aussage, welche Epikur für möglich hält. Allerdings bleibt hierbei die Frage offen, wieso Gott das Übel nicht wegnimmt, wenn er es doch will und kann.1 Die Verstehbarkeit ist also nicht gegeben.

Laut Epikur befindet sich Gott, welcher seiner Meinung nach stark und gütig ist, im Himmel und nicht auf Erden und müsste, um das Übel zu beseitigen, in die irdische Wirklichkeit durchgreifen. Er hat also ein metaphysisches Weltbild. Epikur hat ein positives Gottesbild und stellt sich deshalb die Frage, was der Grund dafür sein könnte, dass Gott nicht gegen das Übel antritt.

Die Gottesprädikate und die Arten von Übeln

Die Gottesprädikate und die Arten von Übeln wurden bereits im Vorangegangenen angeschnitten. Es gibt sowohl drei Gottesprädikate, als auch drei Übelarten. Die Gottesprädikate, bzw. -attribute sind Macht, Liebe/ Güte und Verstehbarkeit. Bei den Übeln unterscheidet man zwischen physischem, metaphysischem und moralischem Übel, welche oben bereits näher erläutert wurden.

Die verschiedenen Gottesprädikate und Möglichkeiten Leid zu erfahren, bilden die Grundlage für jede einzelne Auffassung des Theodizeeproblems. So können alle Attribute auf die Gottesvorstellung zutreffen, oder aber eines, zwei oder sogar alle drei gestrichen werden, wie es beispielsweise beim Atheismus der Fall ist. Wie wir noch sehen werden, treffen nach Auffassung der altorientalischen Weisheit alle Attribute zu, nach dem Hauptteil des Hiob-Buches nur Liebe und Allmacht, nach Camus und Russell keines usw. Das Prädikat der Allmacht kann ebenfalls auf die Zukunft verschoben werden, wie z.B. in der Apokalyptik. Dass die Theodizee vor allem durch das physische und moralische Übel und weniger durch das metaphysische ausgelöst wird, wurde bereits erwähnt.

Quellen:

– Bibel: Buch der Sprüche. Proverbia.

– Camus, Albert: Die Pest

– Kant, Immanuel: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. Reclam, S. 32-34.

– Kant, Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft. [Auszug].

– Kant, Immanuel: Metaphysik der Sitten. § 13.

– Kant, Immanuel: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee, in: Immanuel Kant. Werke in zehn Bänden, (hrsg. von Wilhelm Weischedel) Bd. 9, Darmstadt 1975, S. 103-124.

– Lapide, Pinchas: Jesus – ein gekreuzigter Pharisäer?, Gerd Mohn: Gütersloh 1990, S. 51-55. [in Auswahl].

– Luther, Martin: Vom unfreien Willen (1525), in: Kurt Aland (Hg.), Luther Deutsch, Bd.3, Klotz: Stuttgart/Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen 1961, S. 151-334.

– Luther, Martin: Vom unfreien Willen (1525), in: Walter Sparn, Leiden – Erfahrung und Denken, Kaiser: München 1980, S. 241f.

– Pannenberg, Wolfhart: Grundzüge der Christologie, 1976, S. 78-81.

– Pannenberg, Wolfhart: Systematische Theologie, Bd.2, Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1991, S.191-201. [in Auswahl].

– Seneca, Lucius Annaeus: De providentia. Reclam: Stuttgart 1996, 25 ff. [in Auswahl].

Texte zur Theodizeeproblematik, in: braunschweiger beiträge – für theorie und praxis von ru und ku, (hrsg. vom ARPM KIRCHENCAMPUS Wolfenbüttel, Schriftleitung: Hans-Georg Babke und Heiko Lamprecht, Arbeitsbereich Religionspädagogik und Medienpädagogik der ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig, Heft 4/2006, S. 41-43:

– Aurel, Marc, in: Karl Vorländer, Philosophie des Altertums, Rowohlt: Hamburg 1969, S. 282 f.

– Epikur

– Jonas, Hans, in: Dietrich Böhler [Hg.], Ethik für die Zukunft, Beck: München 1994, S. 177 f.

-Pannenberg, Wolfhart, in: Konzepte 2: Gott und Gottesbilder, Diesterweg/Kösel: Frankfurt/München 1977, S. 20.

– Russel, Bertrand, in: Warum ich kein Christ bin – Über Religion, Moral und Humanität, Rowohlt: Reinbek 1968/1989, S. 99.

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