Merkmale der Gotik: Mittelalterliche Kultur & Kunst

Begriffserklärung:

Das deutsche Wort Gotik stammt vom italienischem „gotico“, das ursprünglich ein Schimpfwort war. Es bedeutet „fremdartig“ oder „barbarisch“ und ist vom Germanenstamm der Goten abgeleitet. Giorgio Vasri, ein Kunsttheoretiker der Renaissance, versuchte mit diesem Wort seine Geringschätzung der europäischen mittelalterlichen Kultur im Vergleich zur glorreichen Antike Ausdruck zu verleihen. Seine Ansichten werden heute nicht mehr geteilt und so verlor auch das Wort Gotik seinen negativen Beigeschmack.

Zeitliche Einordung:

  • Von ca. 1140 bis 1500-1550
  • Epochen der Gotik: Frühgotik (bis ca. 1200-1250), Hochgotik (ca. 1200-1350), Spätgotik (ca. 1350-1550). Der genaue Zeitrahmen der Epochen ist abhängig von individuellen Ländern, so endet die Frühgotik in Frankreich früher als in den anderen europäischen Großmächten des Mittelalters. Die letzten Kunstwerke und Gebäude der Gotik sind in England zu finden.
  • Die zeitlichen Abgrenzungen gelten ausschließlich für die Architektur. Bei Malerei und Plastik ist eine klare Abgrenzung nicht möglich.

Thema/Verwirklichung:

  • Die Gotik war von der Verbildlichung des Christentums geprägt.
  • Für die Umsetzung dieser Thematik bedienten sich die Künstler und Architekten der Symbolik und der Allegorie.
  • Alle Merkmale der gotischen Architektur, Plastik und Malerei wurden in der Kathedrale, der herausragenden Schöpfung der Gotik, vereint.

Merkmale der gotischen Architektur:

  • Auflockerung der Außenwände durch Fenster
  • Reduktion der Wand- und Baumasse auf ein Minimum
  • Wiederverwendung von Merkmalen der Romanik mit entscheidenden Neuerungen: die meisten Elemente der Gotik (Spitzbögen, Rippengewölbe, Strebepfeiler) waren bereits in der Romanik bekannt. In der Gotik wurden diese verbessert. Die tragenden Teile eines Bauwerks wurden in den Außenbau verlagert, wodurch der Innenraum freier und beinahe schwebend wirkte. So konnten auch die zahlreichen Glasfenster eingebaut werden.

Erbe:

In der Renaissance versuchte man, die Ideale der Antike wieder aufleben und das „finstere Mittelalter“ hinter sich zu lassen.
Im 18. Jahrhundert, ausgehend von England, wurde der Gotik jedoch neues Leben eingehaucht. Dieses Zeitalter wird als Neugotik bezeichnet. Landhäuser und Gartenbauten wurden wieder auf der Grundlage der gotischen Architektur errichtet.

In Deutschland war es Goethe, der mit seiner Schrift „Von Deutscher Baukunst“ eine neue Begeisterungswelle für die Gotik auslöste. Irrtümlich erklärte er diese Epoche zu einem deutschen Stil. Erst Mitte des 19. Jahrhundert wurde seine Aussage durch kulturwissenschaftliche Forschungen widerlegt und der korrekte Ursprung Frankreich zugesprochen.
Eines der bekanntesten Bauwerke im gotischen Stil ist der Kölner Dom. In ihm wird oft eine Harmonisierung sämtlicher Bauelemente der Gotik gesehen. Doch auch dieses weltbekannte Bauwerk muss der Neugotik des 19. Jahrhunderts zugeordnet werden. Obwohl der Baubeginn bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht, wurde der Dom nach jahrhundertelangem Baustopp erst im Zeitalter in der Neugotik vollendet und vieler seiner Merkmale, wie der Doppelturm, sind erst im 19. Jahrhundert zugefügt worden.

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