Merkmale der Romanik: Epoche der europäischen Kunstgeschichte

Die Romanik gilt als erste große kunstgeschichtliche Epoche nach dem Untergang Roms im 5. Jahrhundert. Der neue Stil wurde hauptsächlich von neuen Klostergemeinschaften in ganz Europa entwickelt und verbreitet.

Begriffserklärung:

Der französische Gelehrte Charles de Gerville verwendete im Jahr 1818 erstmalig den Begriff „romanesque“ für den Rundbogenstil. Eingesetzt wurde er ein Jahr später von William Gunn in England. Die Verwandtschaft zur römischen Architektur war ausschlaggebend für die Namensgebung.

Zeitliche Einordung:

  • Von ca. 1000 bis 1130 (Frankreich). In Italien, Spanien und nördlich der Alpen wurde die Romanik erst im Laufe des 13. Jahrhunderts von der Gotik abgelöst.
  • Gliederung: Frühromanik (Ende des 10. Jh. – ca. 1070), Hochromanik (ab ca. 1070), Spätromanik (ab ca. 1150).
  • Die Kunstepoche der Romanik folgte der Vorromanik und wurde durch den Barock abgelöst
  • Eine genaue Abgrenzung der Romanik von den vorhergehenden Stilepochen lässt sich aufgrund einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Architektur, sowie durch Einflüsse des Frühmittelalters und der Spätantike nicht festlegen

Hintergrund:

  • Erstmals nach dem Untergang des römischen Reichs wurde Wissen wieder systematisch gesammelt
  • Zu den vorromanischen Epochen zählen unter anderem die karolingische, ottonische und merowingische Kunst
  • Viele vorromanische Baudenkmäler enthielten bereits romanische Merkmale. Da nur sehr wenige Bauwerke dieser Zeit erhalten blieben (eine Ausnahme ist der Aachener Dom), sind generelle Aussagen kaum möglich

Merkmale der Baukunst der Romanik:

  • Gewölbebau, Säulen, Pfeiler und Rundbögen wurden von der römischen Architektur übernommen
  • Dicke, festungsähnliche Mauern waren typisch für die Romanik
  • Kleine Fenster
  • Den Säulen wurden Würfelkapitelle aufgesetzt
  • In der Frühromanik wurden flache Kassettendecken gebaut, später wechselte man zu Kreuzgratgewölben
  • Die Einführung von Gewölben führte zu großen Raumweiten bei den Kirchen. Dies sollte die Stärke des Christentums, sowie die Allmacht Gottes verdeutlichen
  • Der Kirchenbau orientierte sich am Vorbild des römischen Profanbaus der Basilika
  • Der Grundriss wurde weiterentwickelt und mit einem Querschiff erweitert
  • Eine Vielseitigkeit von Innenräumen und Baukörpern waren für die Spätromanik bezeichnend. Zudem traten immer häufiger Verzierungen auf

Bedeutende Bauwerke der Romanik:

  • Speyrer Dom
  • St.Michael, Hildesheim
  • Nürnberger Burg
  • Sacré-Coeur, Paray-le-Monial
  • Wormser Dom
  • Notre-Dame-la-Grande de Poitiers

Erbe:

Im 19. Jahrhundert griffen viele Künstler, v.a. Architekten auf die Ideen vergangener Jahrhunderte zurück. Im Zuge des sogenannten Historismus wurde auch die Romanik wiederentdeckt (Neuromanik).

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