Merkmale des Rokoko: Europäische Stilrichtung

Begriffserklärung:

Der deutsche Name Rokoko stammt von dem französischen Wort „Rocaille“, das „Grotten- und Muschelwerk“ bedeutet. Dies ist auf das immer wiederkehrende Ornamentenmotiv der Muschel zurückzuführen.

Zeitliche Einordung:

  • Von ca. 1730 bis 1770/80
  • Die Kunstepoche des Rokoko folgte dem Spätbarock und wurde durch den Klassizismus abgelöst

Thema/Verwirklichung:

  • Huldigung des Adels
  • Es wurde auf jegliche Symmetrie verzichtet
  • Elegante und verspielte Formen stellten das höfische Leben dar und verfeinerten den Lebensstil des Adels

Merkmale der Architektur des Rokoko:

  • Der pompöse Charakter des Barock ging während der Epoche des Rokoko verloren
  • Auf eine große Säulenordnung wurde verzichtet
  • Schlösser und Paläste erschienen kleiner als während des Barocks
  • Pompöse Repräsentationsräume blieben erhalten
  • Kleinere, schlichtere Privaträume traten in Erscheinung
  • Dienstgebäude und/oder kleine Privatschlösser wurden vom Hauptgebäude getrennt
  • Aufgrund des Lebensgefühls bediente sich die Architektur verspielter und eleganter Details

Bedeutende Bauwerke des Rokoko:

  • Inneneinrichtung des Schloss Schönbrunn, Wien
  • Schloss Solitude, Stuttgart
  • Amalienburg, München, im Park von Schloss Nymphenburg
  • Asamkirche, München
  • Schloss Rheinsberg
  • Schloss Sanssouci

Merkmale der Malerei des Rokoko:

  • Die Malerei ist von der wiedergefundenen Freude am Malen geprägt
  • Es resultierte ein Spiel von geschwungenen Linien und Farben
  • Hellere Farbskalen fanden Verwendung
  • Bei Portraits wurden eine Verweltlichung und sogar erotische Elemente der galanten Gesellschaft dargestellt
  • Die pastorale Malerei lebte wieder auf
  • Hintergrunddetails wie Möbel und Stoffe wurden in den Vordergrund gestellt

Bedeutende Maler des Rokoko:

  • François Boucher
  • Giovanni Antonio Canal, gen. Canaletto
  • Jean Siméon Chardin
  • Matthäus Günther
  • Bernardo Bellotto, gen. Canaletto
  • Martin Johann Schmidt, gen. Kremserschmidt

Merkmale der Bildhauerei des Rokoko:

  • Frankreich: wie im Barock Tendenz zu klassischen Zügen
  • Italien: Barockes Figurenideal blieb bestehen
  • Süddeutschland: generell eine Hochburg der Plastik während des Rokoko. Als Material wurde vorwiegend Holz verwendet, bei architekturorientierter Plastik verwendete man auch Stuck. Die Skulpturen wiesen oft Gold-Fassungen als Kontrast auf.

Bedeutende Bildhauer des Rokoko:

  • Matthias Faller
  • Joseph Deutschmann
  • Ignaz Günther
  • Johann Baptist Straub
  • Joseph Anton Feuchtmayer

Hintergrund:

Während des Barocks präsentierten die Monarchen den Hof und machten ihr Leben zu einem öffentlichen Ereignis. Vor allem Ludwig XIV., der „Sonnenkönig“, hielt den Adel in Frankreich am Hof und sein Prunk und Reichtum wurden zur Schau gestellt.

Im Rokoko besann sich der Hof wieder seines Privatlebens, so entstanden verhältnismäßig schlichte, jedoch sehr elegante Privatgemächer und kleine Schlösser im Garten von Palästen. Nicht mehr die Machtentfaltung stand im Vordergrund, sondern eine kultivierte Lebensführung und stilvolles Lebensgefühl zusammen mit einer vornehmlichen Sinnlichkeit beherrschten das Leben am Hof. Vor allem in der Malerei tauchten sogar private oder erotische Werke auf.

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