Das Verhältnis von Burg und Stadt Friedberg – Zwischen Dualismus und Konflikt

Die Burg-Stadt-Beziehung in Friedberg ist in vielerlei Hinsicht eine besondere. Als außergewöhnlich anzusehen ist die Gründung Friedbergs als Plansiedlung – eine zeitgleiche und baulich eng aufeinander bezogene Gründung zweier derartig unterschiedlicher Gemeinwesen wie einer Reichsburg und einer Reichsstadt.

Das Verhältnis von Burg und Stadt Friedberg - Zwischen Dualismus und Konflikt

Das Verhältnis von Burg und Stadt Friedberg - Zwischen Dualismus und Konflikt - Makrodepecher / pixelio.de

Das in der Folge durchaus konfliktreiche Verhältnis ist zentraler Punkt der Geschichte Friedbergs von der Gründung bis zum Ende des alten Reiches Anfang des 19. Jahrhunderts. Warum genau ist die Beziehung nun besonders?

Schaut man sich das Verhältnis von Burg und Stadt nahe gelegener Städte in der Wetterau an (Wetzlar, Gelnhausen, Frankfurt), die in solch enger räumlicher und politischer Beziehung stehen, ist es im Regelfall die Burg, die im Laufe der Zeit mehr und mehr an Bedeutung verliert. Friedberg stellt hier eine Ausnahme dar –während die Burg kontinuierlich ihre Machtposition im alten Reich ausbaute, entwickelte sich die Stadt von einer wirtschaftlich erfolgreichen Reichsstadt zu einer hochverschuldeten Landstadt, die ausschließlich im Schatten der mächtigen Burg stand.

Trotz dieser außergewöhnlichen Verbindung spiegeln sich in der Friedberger Geschichte die vom Mittelalter über die frühe Neuzeit bis zur Moderne sich wandelnden Auseinandersetzungen zwischen Adel und Bürgertum, sowie die mit den wechselnden politischen und territorialen Zugehörigkeiten verbundenen Umstellungen über einen langen Zeitraum wieder.2 In der folgenden Hausarbeit möchte ich das recht ungewöhnliche und vor allem sehr konfliktreiche Verhältnis von Burg und Stadt näher beleuchten. Ziel dieser Arbeit ist es, die Gratwanderung zwischen Dualismus und Konflikt als entscheidende Entwicklungslinie herauszuarbeiten. Handelt es sich bei der Entwicklungsgeschichte der Reichsburg und der Reichsstadt Friedberg um eine überwiegend konfliktreiche Beziehung oder haben wir es mit einer recht ausgeglichenen Beziehung beider Gemeinwesen zu tun? Die einschneidenden historischen Veränderungen zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert stellen dabei den Fokus dieser Arbeit dar. Über die Gründung der Plansiedlung werde ich die Entwicklungslinien der Burg und Stadt vom 13. – 16. Jahrhundert nachzeichnen und dabei chronologisch auf die wichtigsten Ereignisse eingehen.

Forschungsstand

Die Forschungslage ist recht günstig. Das Wetterau-Archiv der Stadt Friedberg und das Hessische Staatsarchiv beherbergen trotz zahlreicher Kriegsverluste sehr umfangreiche Archivalien-Bestände.

Das erste umfassende wissenschaftliche Werk zur Geschichte von Burg und Stadt („Geschichte der Stadt und Burg Friedberg in der Wetterau“) verfasste Mitte des 19. Jahrhunderts (1857) Philipp Dieffenbach. Noch heute können seine Beschreibung des Quellenmaterials und die Materialsammlung im Anhang so manchen Hinweis für die Stadtgeschichtsforschung liefern. 1895 führte Rudolf Adamy im Rahmen des großherzoglichen Projekts zur „Erfassung der Kunstdenkmäler im Grosherzogtum Hessen“ Dieffenbachs Arbeit fort. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts (1766/67) schrieb Burgsyndikus Friedrich Carl Mader seine Geschichte der Burg Friedberg, die so genannten „Sicheren Nachrichten von der kayserlichen und des heiligen Reichs-Burg Friedberg und der dazu gehörigen Graffschaft und freyen Gericht zu Kaichen“. Er rekonstruiert die Geschichte der Burg seit ihrer Gründung; überdies hat sie auch chronologisch in vielen Teilen die Stadt zum Inhalt.

Dies gilt als Fundament der modernen Historiographie Friedbergs. 1904 edierte Max Foltz die Friedberger Urkunden von 1216 bis 1410, was die Grundlage für neue Untersuchungen schuf. Nimmt man verfassungsgeschichtliche Gesichtspunkte mit in die Betrachtung, zeigt die Dissertation von Hartmann Menz (1909) die Institutionen der Stadt im Einzelnen. Seitdem erscheinen allgemeine Arbeiten zur Geschichte der Stadt eher in Aufsatzform, wobei die Publikationsdichte eher gering ist. Die Reichsburg Friedberg als Themenkomplex wurde erschöpfend von Thomas Schilp 1982 und von Klaus-Dieter Rack 1988 bearbeitet. In Schilps Werk sind die Beziehungen von Burg und Stadt besonders beleuchtet. Im 20. Jahrhundert befasste sich dezidiert der Friedberger Geschichtsverein mit der Historiographie; dort herausstechend waren die Arbeiten der oben erwähnten Schilp und Rack sowie die „Chroniken von Friedberg in der Wetterau“ von Christian Waas (1963) und in jüngerer Zeit (1992) Reimer Stobbes „Die Stadt Friedberg im Spätmittelalter“.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...
Noch mehr lernen: