Ländliche Siedlungen – Defintion

Als ländlich werden umfassend Siedlungen des ländlichen Raumes definiert. Eine solche Definition schließt alle im ländlichen Raum liegenden und mit diesem funktional eng verknüpften Siedlungen mit ein, auch wenn sie funktional und physiognomisch nicht von der Land- und Forstwirtschaft geprägt sind. Innerhalb dieses Bereiches bilden diese Siedlungen eigene, nach verschiedensten Gesichtspunkten differenzierbare und typisierbare Raumkategorien (vgl. Lienau 2000, S. 9).

Ländliche Siedlungen

Ländliche Siedlungen - Makrodepecher / pixelio.de

Unter einer Siedlung wird jeder menschliche Wohnplatz mit seinen Wohn- und Wirtschaftsbauten, den Verkehrsflächen, den Gärten und Hofplätzen und den Erholungsflächen verstanden. Nach außen hin gesehen, kann eine Siedlung durch Zäune, Gräben, Mauern und andere Befestigungsanlagen begrenzt sein (vgl. Lienau 2000, S. 9f.). Hauptkriterium zur Beschreibung ländlicher Siedlungen ist die Gemeindegröße. Dieses Kriterium war und ist das klassische Verfahren zur Abgrenzung ländlicher und städtischer Siedlungen. An dieser Stelle ergeben sich europaweit gesehen extreme Unterschiede.

Die skandinavischen Länder, die von vornerein eine sehr geringe Bevölkerungsdichte aufweisen, haben ebenso geringe Obergrenzen, was die Einwohnerzahl von ländlichen Siedlungen betrifft. Diese Tatsache hängt vermutlich damit zusammen, dass es nur wenige bis keine Siedlungen gibt, die größere Einwohnerzahlen aufweisen, ausgenommen von den Hauptstädten. Dagegen liegt die Obergrenze in den Niederlanden bei 20.000 Einwohnern. Auch hier spielt die Bevölkerungsdichte des Landes eine gewisse Rolle. Nur zum Vergleich sei gesagt, dass ländliche Siedlungen in Deutschland eine Obergrenze von 2000 bis 5000
Einwohnern haben. Die unterschiedlich hohen und niedrigen Werte ergeben sich aus den regional unterschiedlichen, ländlichen und verdichteten Gebieten, die Deutschland aufweist (vgl. Lienau 2000, S. 11).

Ähnlich wie beim Begriff des ländlichen Raumes gibt es auch einige Hauptmerkmale, die ländliche Siedlungen versuchen zu charakterisieren. Zur spezifischen Unterscheidung von ländlichen gegenüber städtischen Siedlungen werden folgende Eigenschaften genannt:

– Größere Bedeutung traditioneller Sitten und Gebräuche (z.B. Dorffest, Dorfkerwe)
– Größere Bedeutung des Vereinswesens für die soziale und kulturelle Integration des Dorfes
– Höhere Geburtenrate der dörflich-ländlichen Bevölkerung
– Ein eher „konservatives“ Wahlverhalten
– Größere „Kirchentreue“ und vergleichsweise höhere Kirchenbesuche
– Geringere Ausstattung des ländlichen Raumes mit Einrichtungen für Gesundheit, Kultur, Bildung, Sport und Freizeit
(vgl. Henkel 2004, S. 36).

Trotz aller Definitionsbemühungen bleibt der Übergang zwischen ländlichen und städtischen Siedlungen in der Regel fließend. Gleichwohl gibt es zahlreiche Orte, die nicht als Dorf oder Stadt zu bezeichnen sind und somit eine individuelle Betrachtungsweise erfordern. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich außerdem der populäre Begriff des „Dorfes“ als Synonym für ländliche Siedlungen durchgesetzt. Einige Wortzusammensetzungen, wie Dorferneuerung, Dorfsanierung oder Dorfzerstörung belegen diese Einschätzung. Zusammenfassend werden ländliche Siedlungen, wie anfangs schon erwähnt, als diejenigen Siedlungen verstanden, die mit dem ländlichen Raum verbunden sind (vgl. Henkel 2004, S. 37).

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