Islamisch-orientalischen Stadt

Bei den islamisch-orientalischen Städten gibt es genau wie bei europäischen Städte verschieden Funktionstypen.

Oasenstädte

Die ersten Oasenstädte wurden ab 2400 v.Chr. gegründet. Die Funktion der Oasenstadt ist seit dem einen Rastplatz für Händler zu bieten. Da das Gebiet des Orients oft in großen Teilen unbewohnbar ist, benötigt man diese Städte an den Handelsrouten. Sie wurden an reichhaltigen Wasserquellen gegründet. Dadurch entsteht eine gewisse Inselhaftigkeit von Oasenstädten in einem Meer von unbewohnter Fläche. Die Menschen leben in der Stadt, jedoch arbeiten die meisten auf den bewässerten Anlagen um die Stadt herum. Diese Anlagen gehören dann meist reicheren Bewohnern die einem höheren städtischen Beruf nachgehen. Diese Gärten dienen zudem als Naherholungsort für ihre Besitzer. Allerdings gibt es für die Arbeiter und Bauern auch die Möglichkeit öffentliche Gärten zu benutzen. Die Gärten werden am Wochenende oder am Feierabend besucht (vgl. Wirth, 2000: S.97f.).

Religionsstädte am Beispiel Mekka

In dem islamischen Glauben gibt es verschiedene Pflichten die ein Gläubiger in seinem Leben erledigen muss. Eine dieser Pflichten ist an dem Haddesch teilzunehmen. Der Haddesch bezeichnet die Pilgerfahrt nach Mekka. Diese Pilgerfahrt kann ungefähr nur in einem Monat im Jahr durchgeführt werden. Da in diesem Monat so viele Gläubige nach Mekka pilgern stehen viele Einrichtungen und Arbeitsplätze im Rest des Jahres still. Eine weitere Besonderheit Mekkas ist, dass sich in der Stadt viele große Stallanlagen befinden, da es zu der Pilgerfahrt gehört ein Schaaf zu schlachten (vgl. Wirth, 2000: S.95ff.).

Regierungs- und Hauptstädte

Es gibt im Orient im Allgemeinen mehr Hauptstädte oder die diese Funktion besaßen als in Europa. Das lässt sich auf verschiedene Gründe zurückführen, die aber oft denselben Hintergrund hatten, nämlich den Beginn einer neuen Ära. Die Gründe dafür sind Wechsel der Dynastie, Wechsel der Religion, Wechsel aus politischen Gründen, z.B. dass die Hauptstadt zu nah an der Grenze des Feindes liegt und damit die Gefahr zu groß wäre, dass sie vom Feind eingenommen werden würde. Nach der Entkolonialisierung nach dem 2. Weltkrieg gab es eine Welle von Neugründungen, da die neuen Staaten so ihre Souveränität zeigen wollten. Es gab allerdings in der Geschichte auch in einem Staat mehrere Hauptstädte. Der Herrscher hatte eine Sommer- und Winterresidenz. Die Merkmale einer Regierungsstadt ist ein großer Palast mit großem Wohnbereich, Harem, Garten, Moschee und Hammam. Dieser Palast wird von der Palastmauer umgeben. Im Anschluss außerhalb dieser Palastmauer folgen kleinere Paläste und vornehme Wohnhäuser Ranghoher Staatsdiener. Zudem Getreidelager und Silos um dem Herrscher immer genügend essen bereit zu stellen. Außerdem Kasernen und Waffenlager (vgl. Wirth,2000: S.93ff.).

Islamisch-orientalischen Stadt

Islamisch-orientalischen Stadt - Christichen / pixelio.de

Moschee

Die Moschee ist in einer Siedlung in der viele Muslime wohnen nicht wegzudenken, da die Gläubigen sich dort fünfmal am Tag zum Gebet treffen. Zu einer großen islamisch-orientalischen Stadt gehören mehrere Quatiersmoscheen und mindestens eine große Freitagsmoschee, in der man die Freitagspredigt besucht. Diese Freitagsmoschee ist der geistlich Kern der Medina (vgl. Heinberg, 2006: S. 388).

Sûq (Bazar)

Der Bazar befindet sich um die Moschee. Er war bis zur Verwestlichung das wirtschaftliche Zentrum einer Stadt. Heute hat der Bazar zwar an Bedeutung verloren jedoch ist er in wirtschaftlicher und touristischer Hinsicht ein wichtiger teil einer islamisch-orientalischen Medina. Der Bazar befindet sich in überdachten Hallen oder in so genannten Ladenstraßen (vgl. Heinberg, 2006: S. 388f.).

Die Wohnquatiere

Die Wohnquatiere schließen sich an den Bazar Ringförmig an. Die Quartiere haben ein eigenes Subzentrum mit kleiner Moschee, Bazar und Hammam. In den Wohnquatieren findet eine Separierung durch Religion, Nationalität, Sprachgemeinschaften oder Sippen statt. Diese Separierung wird Wohnsegregation genannt. Früher wurden die einzelnen Wohnquatiere durch Mauern und Tore von einander abgetrennt. Die Tore wurden nachts geschlossen, da die Menschen Angst vor Übergriffen einer anderen Bevölkerungsgruppe hatten (vgl. Heinberg, 2006: S. 289).

Das Straßensystem

Die Straßen in einer islamisch-orientalischen Stadt lassen sich in drei Kategorien einteilen: Die Durchgangsachsen und Verkehrsleitlinen, die Erschließungs- und Sammelstraßen und die Sackgassen. Die Durchgangsachsen sind die größten Straßen einer islamisch-orientalischen Stadt. Sie verbinden das Zentrum der Stadt mit den Stadttoren. Daran schließen sich die Erschließungs- und Sammelstraßen an. Diese dienen zur Versorgung der einzelnen Wohnquatiere. Die kleinsten Straßen sind die Sackgassen. Diese verbinden die Wohnhäuser mit den Quartierzentren. Die Gassen sind Eigentum der Anwohner und somit ist die öffentliche Verfügungsgewalt in den Sackgassen eingeschränkt (vgl. Wirth, 2000:

Die Stadtmauer

Die Stadtmauer bildet den Abschluss der Medina. Die Stadtmauer diente als Schutz vor Angreifern. Deswegen ist eine Zidatelle in die Stadtmauer integriert. Eine Zidatelle ist eine Militärische Einrichtung in der Waffen gelagert wurden und sich die Soldaten aufhalten konnten. Außerhalb der Stadtmauer befinden sich Friedhöfe. Sie liegen deshalb außerhalb der Stadt, da es im Islam nicht üblich ist das Grab eines verstorbenen zu Besuchen (vgl. Heinberg, 2006: S. 289f.).

Der Wandel ab dem 20. Jahrhundert

Ab dem 20. Jh. haben die islamisch-orientalischen Städte einen starken Wandel unter dem Einfluss ihrer westlichen Kolonialmacht erfahren. Die Neustädte wurden um die Medina gebaut (vgl. Ehlers, 1993: S. 35).

Die Veränderungen der Medina

Ein großes Problem der Medina ist, dass die Straßen sehr eng sind und somit derAutoverkehr unmöglich war. Aus diesem Grund hatte man die Medinas Autogerechtermachen wollen und dafür Häuser abgerissen und Durchbrüche für neue Straßendurchgeführt. Allerdings waren diese Maßnahmen oft nutzlos, da der Autoverkehr zu starkzunahm. Dadurch verlor die Medina und somit der Bazar einen großen Anteil ihrer Käufer(vgl. Ehlers, 1993: S. 27).

Merkmale der Neustädte

Es gibt meistens zwei verschiedene Generationen der Neustädte. Die erste Generation sind die Neustädte die unter der jeweiligen Kolonialmacht gebaut wurden und die zweiteGeneration sind die Stadtteile nach der Unabhängigkeit der Länder. Die Neustädte bestehen meist aus mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern. DieGeschäftshäuser haben sich meist auf den gehobenen tertiären Sektor konzentriert.S.518).

Die Armutsviertel (Bidonvilles)

Durch die Errichtung der Neustädte und deren besseren Verkehrsanbindung wurde die Medina von den Menschen die es sich leisten konnten verlassen. Dadurch wurde die Altstadt vernachlässigt und es kam zur Slumbildung. Dazu beigetragen haben außerdem schlechte Lebensbedingen wie keine Wasserzu- oder ableitungen, schlechte Stromversorgung und fehlende soziale und sanitäre Einrichtungen. Dadurch wurde der soziale Stand zur neuen Wohnsegregation. Es wurden allerdings Teile der Wohnhäuser in der Medina und des Bazars aus Touristischen Zwecken erhalten (vgl. Wirth, 2000: S.390f.).

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