Definition: Urbanisierung, Ruralisierung, Rurbanisierung

Die schon bei der Definition angesprochene Abhängigkeit des Dorfes von der Stadt und der damit verbundende Kontrast von „Stadt-Land“ wird in diesem Abschnitt etwas näher erläutert. In den heutigen Industriestaaten sind Stadt und Land formalrechtlich gleichgestellt, wenngleich der ländliche Raum seine Entwicklungsimpulse in zunehmendem Maße von der Stadt erhält. Meist ergänzen sich beide Seiten und sind funktional eng miteinander verknüpft. Das Bild, das mehrheitlich in den Köpfen der Menschen existiert, sieht in Stadt-Land-Beziehungen zwei völlig verschiedene Bereiche, die lediglich durch z.B. drei tägliche Busverbindungen miteinander in Kontakt stehen. Mit Stadt-Land-Beziehungen sind jedoch äußerst vielschichtige (ökonomische, soziale, kulturelle) Austauschbewegungen gemeint. Nach Art und Richtung der Austauschbewegungen zwischen Stadt und Land ergeben sich grundsätzlich drei verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten (vgl. Henkel 2004, S. 38-40).

Urbanisierung, Ruralisierung, Rurbanisierung

Urbanisierung, Ruralisierung, Rurbanisierung - RainerSturm / pixelio.de

1. Verstädterung (Urbanisierung)

Ist die Stadt der dominierende Part der Beziehung, so kommt es zur Verstädterung. Unter Verstädterung wird der wachsende Anteil von der in städtischen Siedlungen lebenden Bevölkerung verstanden. Das kann einerseits durch das Wachsen bereits bestehender Städte, andererseits durch das Anwachsen ursprünglich ländlicher Siedlungen zu Städten bewirkt werden. Weltweit lässt sich eine ansteigende Verstädterung beobachten, die vor allem als Folge der Industrialisierung und den damit verbundenen Arbeitsstätten in Agglomerationen erklärt wird (vgl. Lienau 2000, S. 148).

2. Verländlichung (Ruralisierung)

Der zum Prozess der Verstädterung umgekehrte Vorgang der Verländlichung kommt heute nur noch selten vor. Früher wurde dieser Begriff oft als Verlagerung von Handelsströmen oder durch Kriegseinwirkungen verstanden. Z.B. flüchteten nach Ende des Zweiten Weltkrieges viele Menschen aus den zerstörten Städten in die ländlichen Räume oder wurden dorthin evakuiert. Als Ruralisierung wird die Mitnahme von ländlichen Verhaltensweisen in die Stadt, durch die Bevölkerung die vom Land in die Stadt zieht, bezeichnet. Dieser Vorgang findet sich häufig in Entwicklungsländern wieder, wo die in die Städte strömende Masse keine hinreichenden Lebensmöglichkeiten vorfinden und diese sowohl durch die Haltung von z.B. Hühnern oder Ziegen als auch durch den Anbau von Nutzpflanzen zu verbessern versucht. Ebenso wird die Bauweise der Behausungen und die Wohnweise aus den ländlichen Herkunftsgebieten übertragen (vgl. Lienau 2000, S. 149).

3. Vervorstädterung (Rurbanisierung)

Austauschvorgänge, bei denen weder die Stadt noch das Land die Entwicklungsrichtung bestimmen, werden Vervorstädterung oder Rurbanisierung (engl. rural und urban) genannt. Vervorstädterung bezeichnet das Wachstum der Vororte und Stadtrandsiedlungen durch Bevölkerungszuzug aus den Stadtkernen und vom Lande. Unter Rurbanisierung wird die Ausbildung eines neuen vorstädtischen Lebensstils verstanden, der durch die Verschmelzung von ländlichen und städtischen Sozialstrukturen in den Randzonen der Großstadtregionen entsteht (vgl. Henkel 2004, S. 40).

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