Kognitivismus – Kognitive Lerntheorien

Der Kognitivismus wird als Wissenschaft der menschlichen Informationsverarbeitung definiert, diese vollzieht sich im Rahmen psychischer Aktivitäten wie Wahrnehmen, Vorstellen, Erinnern, Denken, Problemlösen, Handeln. Das menschliche Verhalten wird demnach von Handlungsplänen und -steuerungen bestimmt, die zur Erreichung von Zielen dienen.

Sozial-kognitive Theorie

Lernen wird definiert als „Wissenserwerb durch kognitive Informationsverarbeitung“. Durch Lernen verändertes Verhalten ist im wesentlichen als Sozialverhalten anzusehen.

Lernen erfolgt in den meisten Fällen über:

  • Beobachtung anderer Personen im realen Umfeld (Eltern, Lehrer) und im Bereich der Medien (Märchenfigur, Schauspieler)
  • Instruktion (Gebrauchsanweisung, Kochrezept, Arbeitsanleitung)
  • Eigene Erfahrung ohne direkten Einfluss anderer

Das Lernen vollzieht sich im System Person-Umwelt-Verhalten. Zum gesamten Lernkonzept gehören die biologischen und psychologischen Merkmale der einzelnen Personen (P: Kognitionen, Emotionen, Reifung, Gewohnheiten, Selbststeuerung), ihr Verhalten (V) sowie die Umwelt (U); diese drei Faktoren P-V-U beeinflussen und steuern sich wechselseitig.

Modelllernen

Man unterscheidet reale Modelle (Erzieherin, Vorturnen im Sportunterricht) und symbolische Modelle (schriftliche oder gesprochene Anweisungen).

Modelllernen Kognitivismus

Modelllernen Kognitivismus

Effekte

  • Aneignung neuen Verhaltens
  • Hemmung eines bereits vorhandenen Verhaltens
  • Enthemmung eines bereits vorhandenen Verhaltens
  • Reaktionserleichterung, die Beobachtung einer Modellperson erleichtert die Auslösung des entsprechenden eigenen Verhaltens

Teilprozesse des Modellernens

Der Beobachter muss die Verhaltensweisen des Modells aufmerksam wahrnehmen, diese Inhalte im Gedächtnis verarbeiten und speichern, über die zur Ausführung notwendigen Fähigkeiten verfügen sowie in einer bestimmten Situation motiviert sein, sich in gleicher Weise wie das Modell zu verhalten. Dabei bestimmen die Variablen Aufmerksamkeit und Gedächtnis die Aneignung, Reproduktion/Produktion und Motivation die Ausführung.

Teilprozesse des Modelllernens

Teilprozesse des Modelllernens

Aufmerksamkeitsprozesse

Menschen können nur aus der Beobachtung lernen, wenn sie genau auf das Modellverhalten achten und diese konzentriert wahrnehmen. Dem Modell muss Aufmerksamkeit zugewandt werden, damit es überhaupt Einfluss nehmen kann.

Die Aufmerksamkeit wird gesteuert durch:

  • die Persönlichkeitsmerkmale des Modells (Glaubwürdigkeit, hoher sozialer Status, soziale Macht, Ähnlichkeit, Attraktivität, Kompetenz)
  • die Persönlichkeitsmerkmale des Beobachters (emotionale Erregung, Engagement, Unselbstständigkeit)
  • die Qualität der Beziehung zwischen Modell und Lernendem (vertrauensvolle Beziehung)

Gedächtnisprozesse

Hierunter fallen die kognitiven Prozesse der Informationsverarbeitung. Der Lernende muss die beobachteten Verhaltensweisen visuell (bildhaft) bzw. verbal (sprachlich) kodieren (symbolische Kodierung), sich innerlich vorstellen und bewerten; er muss weiterhin das Wahrgenommene in bereits bestehende kognitive Strukturen einordnen, durch Wiederholen im Gedächtnis speichern und damit für die zukünftige Situation verfügbar halten.

Reproduktionsprozesse – Produktionsprozesse

Hier wird das Gelernte in entsprechendes Verhalten umgesetzt, es wird dabei von der inneren Vorstellung gesteuert und gegebenenfalls durch Rückmeldung (Feedback) überprüft bzw. verbessert. Wichtig sind z.B. körperliche Fähigkeiten, Verfügbarkeit von Teilreaktionen (Schalten beim Autofahren) sowie Selbstbeobachtung bei der Reproduktion.

Motivationsprozesse

Hierbei unterscheidet man zwischen drei Verstärkungsformen:

  • externe Verstärkung: der Tennisspieler (Lernender) wird für seine fehlerfreie Rückhand vom Tennislehrer gelobt. Er erhält damit einen Anreiz, sich weiter so zu verhalten.
  • stellvertretende Verstärkung: die lernende Person beobachtet, wie eine Modellperson positive Konsequenzen erfährt (gedankliche Vorwegnahme von Verstärkung).
  • Selbstverstärkung: ist beispielsweise Eigenlob
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