Ziele der Revitalisierungsvorhaben von Uferzonen

Der Zyklus der Hafenareale, innerhalb der Stadt-Hafenbeziehungen, von Verfall, Vernachlässigung, Planung, Implementierung und Revitalisierung ist in ein komplexes Akteurs- und Interessengeflecht eingebunden. Große Teile der brachgefallenen Hafen- und Uferflächen liegen im öffentlichen Besitz, privater Besitz ist eher die Ausnahme. Dies bedeutet, dass meist die Stadt selbst im Besitz der Flächen ist, oftmals aber wegen zu geringer finanzieller Mittel und eines strapazierten Finanzhaushalts eine komplette Revitalisierung nicht alleine stemmen kann und daher auch Flächen an private Investoren veräußert. Allgemein gibt es Interessenkonflikte, da „die Zuständigkeiten fragmentiert sind. Diverse Verwaltungen, Akteure und Politiker sowie Institutionen sind mit den Planungen und der Entwicklung der Areale betraut und kommunaler/staatlicher Grund und Boden wird aufgrund der Haushaltsmisere zunehmend dem Primat der optimalen Verwertung unterworfen.“ (SCHUBERT 2002, S.16)

Die Zeiten der Vernachlässigung dieser für die Stadt doch sehr wertvollen Flächen ist aber vorbei. Mittlerweile konkurrieren die See-/Hafenstädte gar im Bereich der Revitalisierung ihrer Uferzonen miteinander. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Sichtweisen und Handlungsvorstellungen: Während die Hafenplanung als Maßnahmen für die neuerliche Hafenentwicklung eine Reorganisation und Relokalisierung der Hafennutzung vorsieht, geht es aus stadtplanerischer Sicht eher um Nutzungsänderungen auf den brachgefallenen Flächen. Sprich: von ehemals hafenwirtschaftlichen Nutzungen hin zu Dienstleistungs-, Freizeit- und Wohnnutzungen (vgl. SCHUBERT 2002, S.16).

Der Begriff der Revitalisierung ist nicht eindeutig definiert, umfasst aber Formen des Nutzungswandels, der Wieder- und Neubelebung sowie der Um- und Neugestaltung im Schnittfeld unterschiedlicher Interessen. Es geht im Bezug auf die Hafenareale nicht nur um (ehemalige) Flächen für den Güterumschlag, sondern auch um Areale für den Schiffbau, Werften, Seehafenindustrien, Anlagen zur Lagerung, Weiterverarbeitung und Veredelung, Dienstleistungen und Logistik. Die Ziele der Revitalisierung sind vielschichtig und unterschiedlich. Es ist letztendlich ein Konglomerat aus Vielen und es soll versucht werden, möglichst viele soziale, ökologische, städtebauliche und arbeitsmarktpolitische Ziele mit den Revitalisierungsvorhaben zu erreichen. Im Folgenden werden sechs große Ziele erläutert. Zunächst geht es um die Stärkung der städtischen Ökonomie. Der schon erwähnte Strukturwandel im Güterumschlag, im Schiffbau und den Seehafenindustrien hatte massive Arbeitsplatzverluste zur Folge. Dies soll im Zuge der Erneuerungsmaßnahmen durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze wieder ausgeglichen werden. Dabei geht es vor allem darum, die häufig unzureichend qualifizierte hafennahe Wohnbevölkerung, die vormals im Hafen beschäftigt war, wieder in den lokalen Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies ist ein generelles Ziel der Revitalisierung, wird aber, wie die später angeführten Beispiele einzelner großbritannischer Städte zeigen, oft nicht erreicht (vgl. SCHUBERT 2002, S.23).

Ein weiteres Ziel ist die stadträumliche Reorganisation. Durch die Erneuerungsmaßnahmen und die Vorhaben der Revitalisierung besteht für die Städte die Möglichkeit zur Reintegration der brachgefallenen Hafenareale und der Wasserflächen ans Stadtzentrum. Die Hafenbereiche sind nun keine Barriere mehr, zwischen Innenstadt und Wasser, sondern sollen als Verbindungsfunktion dienen und ausgebaut werden. So können völlig neue Stadtteile erschlossen werden. Es besteht außerdem die Möglichkeit zur Füllung von Hafenbecken an schmalen Fingerpiers, die nicht mehr für den Güterumschlag nutzbar sind. Außerdem können Aufschüttungen an Uferkanten erfolgen, um diese weiter ins Wasser zu verlagern. Dadurch entsteht die Möglichkeit, größere und attraktivere Grundstücke auszuweisen und zu verkaufen (vgl. SCHUBERT 2002, S.24f). Des weiteren ist es dafür notwendig, eine Wiederbelebung von Hafen- und Uferzonen zu erreichen. Die Zugänglichkeit der Uferzonen spielt dabei eine gewichtige Rolle. Diese ist weltweit meist durch Barrieren und Verkehrsschneisen stark beeinträchtigt. Vielerorts ist der ufernahe Bereich von Schnellstraßen durchzogen. Im Zuge der Revitalisierung sollen die Uferkanten frei gemacht und aufgewertet werden. Dazu kann eine Umlegung der Schnellstraßen erfolgen sowie eine Umlegung der direkt am Wasser angesiedelten Betriebe und noch vorhandene Industrie, beispielsweise an Alternativstandorte am Stadtrand. Neben den öffentlichen Zugangsmöglichkeiten kann außerdem die Errichtung oder der Ausbau bereits bestehender Fährverbindungen die Attraktivität erheblich steigern (vgl. SCHUBERT 2002, S. 26).

Für die Städte und Planer bietet sich nun außerdem die Möglichkeit zur Einübung neuer Planungskulturen. Es können neue integrative und partizipative Planungskulturen eingeübt werden. Die Hafenverwaltungen und Port Authorities sind in der Regel staats-, bundesstaats- und/oder stadteigene Institutionen, die eigenwirtschaftlich operieren. Dadurch müssen sie nicht zwangsläufig mit den Planungs- und Umsetzungsbehörden kooperieren. „Eine weitere Konfliktlinie besteht zwischen übergeordneten stadtentwicklungspolitischen Anforderungen, Verwertungs- und Investoreninteressen sowie den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung. Widersprüche zwischen einer sozialorientierten, nachhaltigen Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungspolitik und einer von vorgeblichen Sachzwängen geleiteten und auf Notwendigkeiten der Haushaltskonsolidierung und kurzfristige Ansiedlungserfolge ausgerichteten Stadtpolitik sind vielerorts belegbar.“ (SCHUBERT 2002, S.27) Hier bietet sich aber nun im Rahmen der Revitalisierung die Chance neue Planungskulturen einzuüben.

Ziele der Revitalisierungsvorhaben von Uferzonen

Ziele der Revitalisierungsvorhaben von Uferzonen - Karl-Heinz Laube / pixelio.de

Einerseits kann bei den neuerliche Maßnahmen in den Hafenarealen, wie schon beschrieben, eine Relokalisierung und Reorganisation der Hafennutzung erfolgen, andererseits aber können neue Nutzungen an Uferzonen entstehen. Dabei handelt es sich um neue, zukunftsfähige Nutzungen, die nicht mehr zwingend den Bezug zum Wasser erfordern. Allgemein können nutzungsgemischte Quartiere entstehen; neben Büros auch Wohnraum durch Um- und Neubau von Gebäuden. Zur nachhaltigen Stabilität empfiehlt sich dabei eine Mischung für die unterschiedlichsten Einkommens- und Altersklassen. Neben Büros und Wohnraum bietet es sich auch an, eine Umstrukturierung zur touristischen Nutzung, für Events und Freizeiteinrichtungen vorzunehmen (vgl. SCHUBERT 2002, S. 28).

Ein letztes großes Ziel ist die Rückbesinnung auf das maritime Erbe der Stadt. Die erhaltenen Gebäude, Anlagen und Infrastrukturen sind bedeutsame Zeugnisse der maritimen Stadtgeschichte. Daher sollen alte bauliche Strukturen und neue Nutzungen nach Möglichkeit vereint werden. Die Vernetzungsmöglichkeiten, die sich bieten, werden heute allerdings bisher noch nicht ausreichend genutzt. Das heißt, es wird eher abgerissen und neu gebaut, als in bestehenden Gebäuden saniert und umgenutzt. Dies ist auch ein Grund des im öffentlichen Bewusstsein meist verankerten negativen Bild der Hafenareale, die in ihrer Blütezeit auch gekennzeichnet waren durch Rotlichtbezirke für die Arbeiter und Seeleute. „Der Erhalt und die Umnutzung der teilweise denkmalgeschützten baulichen Errichtungen […] bilden ein einmaliges Potential, Geschichte, Gegenwart und Zukunft baulich/architektonisch zu integrieren.“ (SCHUBERT 2002, S.29)

Die Ziele der Revitalisierungsmaßnahmen unterliegen vor ihrem Erreichen jedoch noch einigen bautechnischen Anforderungen, die mit der Sonderstellung der Areale am Wasser und als ehemalige Häfen in Verbindung stehen. Zunächst muss die „Waterfront“ wieder an das städtische Nutzungsgefüge angeschlossen werden. Das heißt, dass Trennungslinien, wie beispielsweise Eisenbahn- oder Schnellstraßennetze umgeleitet werden müssen. Außerdem muss die Wassermengen der Hafenbecken berücksichtigt werden. Dabei ist es am kostengünstigsten, den vorhandenen Wasserspiegel beizubehalten. Der Boden der Hafengebiete ist möglicherweise durch Altlasten kontaminiert; dies kann ebenfalls für den Wasserkörper der Hafenbecken in Frage kommen. In diesem Fall muss eine Grundreinigung vorgenommen werden. Eine weitere wichtige Bedeutung haben die Kaimauern, deren Zustand bei der Sanierung zu beachten ist. Da in Großbritannien die Dockhäfen überwiegen, muss bei der Umgestaltung zu Yachthäfen der Einbau kleinerer Schleusenanlagen erfolgen, um den hohen Tidenhub auszugleichen (vgl. NEUMANN 1997, S.13).

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