Max Frisch – Andorra || Kurze Zusammenfassung & Inhaltsangabe

Andorra, das Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, hatte der Dramatiker schon länger in der Schublade, bevor er es 1960 erst einem Verlag zusandte.

Die Hauptfigur ist ein Junge mit dem Namen Andri, der in Andorra wohnt und von den Einwohnern terrorisiert wird. Andri arbeitet und wohnt als Küchenjunge bei einem Lehrer und dessen Familie, er hat allerdings einen eigenen Kopf und nimmt sich vor, eine Ausbildung als Tischler zu beginnen. Zudem plant er eine Heirat mit der Stiefschwester Barblin, die leibliche Tochter des Tischlers, die ebenfalls im Haus lebt. Die Bewohner von Andorra verhindern, dass er die Lehrstelle antreten kann, und auch die Vermählung mit Barblin wird verhindert, allerdings von deren Vater. Denn Andri ist, wie sich später herausstellt, auch dessen leiblicher Sohn. Der Tischler hatte nämlich seinerzeit eine Affäre mit einer „Schwarzen“ gehabt, die er allerdings nicht öffentlich machte; aus dieser Liaison war Andri hervorgegangen. Das bedeutet jedoch: Andri und Barblin sind leibliche Geschwister, eine Ehe kommt somit nicht in Frage.

Max Frisch - Andorra

Max Frisch – Andorra

Um die Affäre zu vertuschen, hatte der Vater stets behauptet, Andri sei ein jüdischer Junge, den er vor den antisemitischen „Schwarzen“ gerettet habe. Eines Tages kommt es soweit, dass die „Schwarzen“ nach Andorra vordringen. Aufgrund ihrer antisemitischen Einstellungen wollen sie Andris habhaft werden. In der Zwischenzeit hatte ein Soldat, der in Andorra dient, Barblin vergewaltigt, in einer Nacht, in der Andri – noch nichts ahnend davon, dass die und er Geschwister sind – vor ihrer Tür geschlafen hatte. Barblin hatte versucht, um Hilfe zu rufen, doch es war ihr nicht gelungen. Als am Morgen der Soldat aus ihrem Raum kommt, ist Andri entsetzt, da er nicht von der Vergewaltigung ahnt, sondern denkt, es handle sich um einen Liebhaber Barblins. Andri wird in ein Gespräch mit dem Pater Benedikt verwickelt, der ihm nunmehr rät, dass Andri von nun an zu seinem Judentum stehen solle.

Dann kommt die „Senora“ in die Stadt. Die Senora kommt von den „Schwarzen“, es ist Andris Mutter, die nun einmal ihren Sohn besuchen möchte. Es kommt zu einem Gespräch zwischen ihr und Andris Vater, in dem sie ihm den Umstand vorwirft, den Sohn als Juden auszugeben. Da entscheidet sich der Vater dafür, allen Beteiligten die Wahrheit über die Vergangenheit und Andris Herkunft zu erzählen. Es ist allerdings der Pater, der Andri über dessen wahre Identität aufklärt, doch Andri will das nicht einsehen. Inzwischen hat er sich mit der Rolle als Jude, der vor den Bewohnern Andorras für alles Ungemach verantwortlich gemacht hat, abgefunden. Als die Mutter die Stadt verlässt, wird sie von einem geworfenen Stein getötet; Andri wird – zu Unrecht – als Mörder gebrandmarkt. Dann fallen die „Schwarzen“ endgültig ein, und die Bewohner von Andorra laufen aus Opportunismus zu den „Schwarzen“ über. In einem letzten Versuch will Andris Vater den Sohn noch einmal über die wahren Umstände aufklären, doch Andri lehnt das ab. Schließlich wird er von dem Soldaten, der Barblin geschändet hatte und der inzwischen zu den „Schwarzen“ gehört, aufgegriffen.

Der Hauptplatz von Andorra bietet nun eine gespenstische Szenerie: eine „Judenschau“ wird dort abgehalten, unter der Aufsicht eines „professionellen Judenschauers“, der zu den „Schwarzen“ gehört. Er behauptet, die Juden schon an den Äußerlichkeiten erkennen zu können. Barblin ruft die Andorraner zum Ungehorsam auf, doch die bleiben gleichgültig gegenüber dem Geschehen. Dann wird Andri vom „Judenschauer“ als Jude identifiziert und abgeführt. Das Todesurteil steht da für ihn schon fest. Als seine Peiniger ihm schließlich auch noch den Finger abtrennen, um an den Ring der Senora trägt, den Andri trägt, regt sich Widerstand in den Reihen der Andorraner. Doch es ist bereits zu spät. Am Ende wählt der Lehrer, Andris Vater, den Freitod, und Barblin ist wahnsinnig geworden.

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