Gabriele Wohmann – Schönes goldenes Haar || Kurze Zusammenfassung & Inhaltsangabe

„Schönes goldenes Haar“ von Gabriele Wohmann ist eine 1968 geschriebene und veröffentlichte Kurzgeschichte, die schwierige Beziehungsverhältnisse innerhalb einer Familie reflektiert. Wie bei Kurzgeschichten üblich, so beginnt auch „Schönes goldenes Haar“ unvermittelt, die maßgebende Handlung setzt schon ein bzw. hat bereits eingesetzt. Im Szenarium eines Wohnzimmers, das von Kleinbürgerlichkeit und Spießertum zeugt, sitzt Socken stopfend eine Frau, gemeinsam mit ihrem Ehemann. Dieser betrachtet unentwegt die Zeitung, die er aufgeschlagen vor seinem Gesicht hält. Die Frau klagt, wie ihr Mann nur so in aller Seelenruhe herumsitzen und es gleichgültig hinnehmen könne, dass „da oben“ – sie zeigt mit dem Finger auf die Decke des Zimmers – seine Tochter sei, die sich in diesem Moment offenbar mit einem jungen Mann vergnügt. Der Mann rührt sich jedoch nicht, er scheint in die Zeitung vertieft, und das einzige, was seine Frau von ihrem Gatten wahrnehmen kann, sind die Fingerkuppen, die links und rechts der Zeitung hinter dieser herausschauen; seine „fetten Krallen“, die sich um die „Zeitungswand krampften“. Dann fordert sie ihn auf, einmal darüber zu sinnieren, was dort oben wohl vor sich gehen würde.

Gabriele Wohmann - Schönes goldenes Haar

Gabriele Wohmann – Schönes goldenes Haar

Im gleichen Satz wirft sie dem Gatten nun an den Kopf, dass er wohl vergessen habe, wie es ist, jung zu sein. Weil er ihr wieder nicht antwortet, verfällt die Frau nun in Gedanken, denen sie anschließend nachhängt. Was die wohl oben trieben, denkt sie, und wenn es das ist, was sie glaubt, ob es der Tochter auch Spaß bereitet? Sie ist sich unsicher, da sie Frauen in dieser Beziehung nur als Opfer sieht. Wieder sagt sie dem Mann, dass sie das Verhalten der Tochter nicht nachvollziehen kann. Wieder spricht sie den Gatten an und konfrontiert ihn mit den gleichen Vorwürfen wie zu Beginn, weswegen er so gleichgültig ist, doch mehr als ein Wispern ist ihm nicht zu entlocken. In Gedanken wirft sie ihm auch vor, dass ihr eigenes Leben unerfüllt sei. Wieder sagt sie, sie verstehe ihn nicht. Und jetzt, völlig unvermittelt, knüllt der die Zeitung zusammen, sein Gesicht ist zu sehen, und er entgegnet ihr, sie solle sich nicht so anstellen, es sei doch nichts dabei.

Sie entgegnet ihm daraufhin, dass er selbst nie wirklich jung gewesen sei, während er vorgibt wieder Zeitung zu lesen, doch nun ist es der Mann, den die Gedanken umtreiben, wie die Jugend denn gewesen war, doch bald kommt er zu dem Schluss, dass er eigentlich nur seine Ruhe haben möchte. Dabei schaltet er aus Verlegenheit vor seiner eigenen Stummheit das Radio ein. Die Frau erkennt, dass fortan jeder einzelne Abend in ihrem Leben so verlaufen wird, und sie fürchtet sich, dass die Tochter bald auf eigenen Füßen stehen wird. Sie muss nun fortwährend an die geliebte Tochter denken, wie hübsch diese ist und prächtig ihr Haar, ihr blondes Haar. Diesen Gedanken teilt sie ihrem Mann mit, der daraufhin die Seiten seiner Zeitung beiseiteschiebt, um der Frau zu antworten. Allerdings ist ihm nur ein „na klar“ zu entlocken, allerdings schwingt in seiner Stimme ein gewisser Stolz mit, da die Tochter ja auch ein Produkt seiner Lenden ist.

Weil er vom Schweigen einen trockenen Rachen hat, greift er sich nun das mit Bier gefüllte Glas und trinkt schmatzend daraus. Davon angeekelt, versinkt die Frau wieder in Gedanken an das goldene Haar der Tochter und fährt mit dem Stopfen der Socken fort. Dabei denkt sie, dass der Mann den Ruhm einer hübschen Tochter nicht verdiene, schließlich habe sie die Erziehung allein zu verantworten und auch noch den Mann durchzufüttern gehabt. Voller Selbstmitleid stellt sie fest, dass das Schicksal es mit ihr nicht gut meinte, doch sich vom Mann trennen? Das ginge nicht, immerhin sei alles so bestimmt gewesen.

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