Joseph Roth – Hiob: kurze Zusammenfassung & Analyse

Krise der Weisheit am Beispiel des Buches Hiob

Die altorientalische Weisheit kommt an ihre Grenzen, wenn ihre Aussagen nicht mehr zutreffen, es also einem Menschen, der nur Gutes getan hat, plötzlich schlecht geht oder umgekehrt. Diese Krise der Weisheit wurde im Seminar anhand des Falles von Hiob bearbeitet.

Hiob ist ein Mann, welcher Leid erfährt, ohne einen Grund zu kennen, der dies rechtfertigen könnte. Das Hiob-Buch lässt sich in verschiedene Abschnitte gliedern. Grob besteht es aus einer Rahmenerzählung, welche von Hiob 1-2,10 und 42,10-17 gebildet wird, einem Redeanteil, in dem je drei Reden von Hiobs Freunden Eliphas und Bildad sowie zwei von Zophar samt Hiobs Antworten aufgeführt werden (2,11-27,23) und zwei Gesprächen mit Gott, in welchen dieser aus dem Wetter mit Hiob spricht (38,1-42,6). Der Schluss der Erzählung ist das gesegnete Ende Hiobs.

Später eingefügt wurden wahrscheinlich Hiobs Meditation über die Weisheit (28,1-28) sowie die vier Reden des Elihus (32,1-37,24). Elihus plötzliches Auftreten wird durch seine Jugend begründet. Er wollte sich deshalb zunächst zurückhalten, war aber unbefriedigt durch die Antworten der anderen drei und mischt sich deshalb nun doch ein. Elihu wird weder vorher noch hinterher erwähnt, was auf eine andere Quelle schließen lässt.

Zu Hiobs Leid kommt es folgendermaßen:

Hiob ist ein gerechter, frommer Mann, der noch nie gesündigt hat. Deshalb geht es ihm zunächst gut. Er wird also scheinbar für seine vorbildlichen Taten belohnt. Hiob tut sogar soviel Gutes, dass es selbst noch reichen würde, wenn seine Söhne sündigten.

Dann fordert allerdings Satan Gott zu einer Wette heraus. Satan ist nämlich der Meinung, Hiob würde vom Glauben abfallen, sobald ihm Unglück geschieht. Gott geht auf die Wette ein, da Er nicht an Hiobs Abwandlung von Ihm glaubt. Vier Hiobsbotschaften treffen ein. Hiob duldet sein Unglück tapfer, indem er sich und seinem Umfeld sagt: „Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen, der Name des HERRN sei gelobt.“ (1,21). Auch nach einer Verschärfung der Wette, nach der Hiob an einer schlimmen Hautkrankheit leidet, duldet er sein Leid und lehrt seine Frau: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ (2,10). Dann allerdings kommen Hiobs drei Freunde zu Besuch und sehen ihn klagen. Er verflucht nun seine Geburt und stellt sich damit gegen Gottes Schöpfung. Er wird zum Rebell gegen Gott. Seine Freunde sind der Meinung er müsse etwas Schlechtes getan haben, da er sonst nicht leiden würde. Sie sind Vertreter der altorientalischen Weisheit.

Auffallend sind die Unterschiede zwischen dem Hiob der Rahmenerzählung und dem Hiob der Reden. Zum Einen ist der Hiob der Rahmenerzählung ein reiches Sittenoberhaupt einer Nomadensippe, der der Reden aber ein angesehener reicher Stadtbewohner, zum Anderen ist der Erstgenannte ein Dulder, der Zweitgenannte ein Rebell. Auch hieran lässt sich die Komposition einzelner Teile zu dem ganzen Buch erkennen. Des Weiteren werden in den verschiedenen Teilen unterschiedliche Gottesnamen genannt und es wird im Verlauf der Erzählung kein Bezug mehr zum Prolog hergestellt.

Nach den Gesprächen mit seinen Freunden meditiert Hiob über die Weisheit. Zudem philosophiert er über sein früheres Glück und sein jetziges Unglück und appelliert an Gott. Er spricht „Die Worte Hiobs haben ein Ende“. Statt einer Antwort Gottes folgen allerdings die Reden Elihus. Dieser bezichtigt ihn schwerer Vorwürfe. Anschließend spricht nun Gott selbst mit Hiob aus dem Donnersturm. Gott stellt Hiob verschiedene rhetorische Fragen, um zu zeigen, dass Hiob im Vergleich zu Ihm schwach ist und nichts kennt. Der Mensch sei zu klein im Vergleich zu Gott. Hiob gesteht jetzt ein, dass er unweise geredet hat und gibt seine Schuld zu. Abschließend werden auch die drei Freunde Hiobs ohne Elihu zur Rechenschaft gezogen, da sie falsch von Gott geredet hätten (42,7-9). Hier wird Hiob also von Gott vor seinen Freunden gerechtfertigt. Am Ende geht es ihm wieder gut. Er wird belohnt und stirbt „(…)alt und lebenssatt.“

Die Legende der Rahmenhandlung ist auch aus anderen altorientalischen Schriften in ähnlicher Form bekannt. Die altorientalische Weisheit wird in der Geschichte individualisiert. Jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich, seines „Glückes Schmied“. Die Apokalyptik ist noch unbekannt. Die Krise weist auf 450-300 v. Chr. in Palästina hin. Hellenistische Einflüsse sind noch nicht gegeben. Hiob ist allerdings nicht eine Gestalt Palästinas, sondern kann eher dem arabischen Raum zugeordnet werden. Während durch die Voraussetzung der altorientalischen Weisheit eine Krise im Verlauf der Erzählung entsteht, schließt der Epilog mit der klassischen Weisheit, indem Hiob nach Einsicht seines Unverstehens belohnt wird.

Als Fazit wird aus der Erzählung gezogen, dass der Mensch zu klein ist, um Gottes Handeln zu verstehen. Er hat eine begrenzte Erkenntnis und Macht. Die Verstehbarkeit ist also nicht gegeben und auch die Güte lässt sich dadurch anzweifeln. Die Krise der Weisheit, die Skepsis, kann auch am Beispiel Salomos beschrieben werden. Weitere Hypothesen auf das Versagen des Tun-Ergehen-Zusammenhangs werden ca. 100 Jahre später mit der Apokalyptik aufgestellt.

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