Merkmale einer Fabel

Begriffserklärung

Von lat. „fabula“, Erzählung/Geschichte/Sage; kurze Erzählung in Prosa- oder Versform, die eine Lehre erteilen will, mit moralischer Pointe am Ende. Oft Tiere mit menschlichen Eigenschaften als Protagonisten (s.u.).

Charakteristika

  • Meistens Tiere, seltener Pflanzen bzw. sonstige Dinge, die wie Menschen denken, sprechen und handeln
  • In der Fabel finden sich ausschließlich bekannte Tiergattungen wieder, etwa der Storch, der Fuchs, der Hase, der Bär etc.
  • Oft verfasst während der Aufklärung, daher ist das Thema oft die Kritik an der Ordnung der Stände
  • Aus diesem Grund Tiere als Protagonisten, um Kritik nur indirekt zu üben (Schutz des Autors)
  • Nur eine Handlung, nur ein Ort, nur eine gewisser und kurzer Zeitraum
  • Meist in einfacher Sprache verfasst, damit auch das einfache Volk die Fabel verstehen konnte
  • Unterhaltsam, geistreich und gleichzeitig belehrend bzw. moralisch
  • Allgemeine Moralität soll an einem bestimmten Geschehen demonstriert werden

Gewöhnlicher Aufbau einer Fabel

  1. promythion, die Lehre, die als Satz der Fabel vorangestellt ist
  2. res, die Beschreibung der Ursprungssituation
  3. actio, eine Rede des ersten Fabelwesens, die die nachfolgende Handlung auslöst
  4. reactio, die Gegenrede als Reaktion des zweiten Fabelwesens
  5. eventus, Situation, die am Ende der Geschichte eingetreten ist durch 3. und 4.
  6. epimythion, die Lehre des Ganzen, die daraus zu ziehen ist, oft mit den Worten „Und die Moral von der Geschicht‘“ eingeleitet

Tierfabeln und Personifizierungen des Charakters der Tiere

  • Tiere handeln menschlich, können denken und sprechen
  • In der germanischen Fabel treten immer wieder die gleichen Tiere auf
  • Sie tragen fast immer gleiche, also wiederkehrende menschliche Charakterzüge

Häufig in der germanischen Fabel auftretende Tiere sind (Auswahl):

  • Adebar, der Storch (gilt als klug)
  • Petz bzw. Meister Petz, der Bär (gilt als arglos, aber gutherzig)
  • Meister Lampe bzw. Lampe, der Hase (gilt als furchtsam, aber dreist)
  • Reineke, der Fuchs (gilt als schlau, aber auch als unaufrichtig und verstohlen)
  • Isegrim, der Wolf (verfressen und damit gefährlich für andere Tiere)
  • Nobel, der Löwe (machtvoll, gefährlich, majestätisch)
  • Adelheid, die Gans (redselig)
  • u.v.m.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (8 Bewertungen, Durchschnitt: 4,50 von 5)
Loading...
Besucher haben danach gelesen: