Merkmale einer Sage

Begriffserklärung

Vom althochdt. „saga“, ehedem mündlich überlieferte und später schriftlich festgehaltene Kurzerzählung, ähnlich einer Legende bzw. auch einem Märchen. Besonderheit: Verbindung mit real existierenden Orten und Personen, darum hat die Sage den Anschein, als ob es sich um den Bericht einer wahren Begebenheit handelt. Begriff geprägt durch die Gebrüder Grimm.

Merkmale

  • mündlich überlieferte und später schriftlich festgehaltene Kurzerzählung
  • hauptsächlich von einem „Er-Erzähler“ erzählt
  • Verfasser oftmals unbekannt
  • Besonderheit: Verbindung mit real existierenden Orten und Personen
  • Anschein, als ob es sich um den Bericht einer wahren Begebenheit handelt
  • alte Volksdichtung
  • meist genutzte Zeit: Imperfekt, Präteritum (Vergangenheit)
  • Abgrenzung zum Märchen: höhere Realitätsbezug, Dies- und Jenseits wird getrennt
  • Inhalt oft phantasievoll und grausam, manchmal kommen Wunder/Übernatürliches vor, aber immer mit „wahrem Kern“
  • Begriff Saga geprägt durch die Gebrüder Grimm (=Sammler von vielen Sagen)
  • oftmals Naturereignisse oder histrische Vorgänge zum Inhalt
  • Vermittlung von historischem Wissen und Glauben innerhalb der Volksgruppen

Formen der Sage

  • Heldensage: Konzentration auf historische Herrscher bzw. Herrscherfamilien, Politik und Kriege dieser Persönlichkeiten. Die Heldensage bildet oft das Zentrum eines Heldenlieds (z.B. Hildebrandslied) oder eines Heldenepos (z.B. Nibelungenlied)
  • Göttersage (Mythos): handelt meist von germanischen bzw. griechischen Göttern, deren Herrschaftskampf und deren Bezug zu den „Sterblichen“
  • Volkssage: Ort der Handlung im Alltag angesiedelt; oft i.d. Natur, wo Naturgeister wie Zwerge, Feen, Nymphen, aber auch Drachen oder Magier eine Rolle einnehmen und so in die Welt der Menschen eingreifen

Volkssagen existieren wiederum in drei Unterkategorien:

  • Geschichtssage: reales historisches Ereignis wird zu einer Sage umgearbeitet; bekanntestes Bsp.: Der Rattenfänger von Hameln. Teilweise jedoch auch freiere Erzählungen, die lediglich historische Figuren als Bezugspunkt besitzen
  • Natursage: zumeist kombiniert mit Elementen der Lokalsage, Figuren: Naturgeister, Geister, Dämonen. Bekanntestes Bsp.: Loreley
  • Ätiolische Sage (Herkunftslegende/Herkunftssage): Erklärt anhand einer Sagengeschichte, wie bestimmte Landschaftsformationen entstanden oder wie Gebäude zu ihren Namen gekommen sind. Bsp.: Minneburg am Neckar, Felsenmeer im Lautertal (Odenwald)

-> Charakteristisch für die Volkssage ist meist die Vielschichtigkeit aus Natur-, Lokal- und Geschichtssage bzw. zumindest eine Kombination von zwei dieser drei Sagenarten.

Die Sage in der Gegenwart

  • Weiterentwicklung der Sage hat stattgefunden, etwa i.d. Zeit der Romantik als Kunstsage (Clemens von Brentano
  • auch heutzutage (Medienzeitalter) hat Weiterentwicklung der Sage stattgefunden: sog. Moderne Sage (engl.: urban legend, urban myth), meist als moderner Mythos oder Großstadtlegende in Form kuriosen Geschichtchen. Verbreitung häufig über soziale Netzwerke (Hoax) oder per Mail. Besonderheit: ursprünglicher Erschaffer bzw. Absender ist meist nicht zurückzuverfolgen

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