Typische Merkmale eines Märchen + Definition

Definition

Vom mittelhochdt. „Maere“ (Bericht, Kunde, Nachricht); Text in Prosaform mit fantastischem, sonderbarem, groteskem, wunderbarem, unheimlichem, skurrilem oder bizarrem Inhalt. Sehr bedeutende Textgattung. In allen Kulturkreisen beheimatet. Meist von fantastischen Figuren dominiert (Zauberer, Zwerge, Hexen, Riesen etc.).

Typische Merkmale eines Märchen

  • feste Struktur der Handlung (inhaltsunabhängig)
  • Gut und Böse sind scharf voneinander abgegrenzt
  • meist heldenhafter Protagonist bzw. Held, der gegen böse und dunkle, oft übernatürliche Kräfte ankämpfen muss
  • Held ist oft als schwache Person dargestellt
  • Schluss des Märchen: stets Strafe für die Bösen und Belohnung für die Guten (vgl. etwa Aschenputtel, Sterntaler etc.)

Ursprung und Weitergabe

  • nicht eindeutig festzulegen; Märchen waren schon i.d. Antike verbreitet, womöglich sogar noch früher
  • Antike Märchen oder Elemente des Märchen schon in den homerischen Schriften; hier teilweise Ineinanderfließen von Mythen und Märchenelementen (z.B. Kyklop Polyphem und dessen Bruder als Söhne des Poseidon, aber auch Sirenen, Seeungeheuer etc., gegen die der Held bestehen muss)
  • in Europa tauchen Märchen i.d. Literatur bereits im Mittelalter auf; Verbreitung seit Buchdruck einfacher, dennoch ist die mündl. Form der Weitergabe bis heute die natürl. Überlieferungsform
  • dadurch existieren diverse Varianten der Märchen; Struktur und Charakteristika der Figuren bleiben dabei gleich, auch der Handlungsverlauf ändert sich praktisch nicht

Das Kunstmärchen

  • ab dem 19. Jahrhundert auftretend als absichtliche Kreationen von Schriftstellern, Dichtern etc.
  • meist liegen Motive von alten oder älteren Volksmärchen zugrunde, Geschichten selbst sind meist neuer, dabei aber unverändert unwirklich und fantastisch
  • Höhepunkt in der Frühromantik und der Romantik, als das Kunstmärchen sehr artifiziell wurde, in der Spätromantik Rückbesinnung auf einfachere Handlung und Erzählweise

bedeutendste Verfasser von Kunstmärchen im 19. Jahrhundert:

  • Wilhelm Hauff (1802 – 1827): meistgelesener Dichter von Kunstmärchen im 19. Jhdt. (Das Wirtshaus im Spessart)
  • Hans Christian Andersen (1805 – 1875): stark beeinflusst durch die Gebrüder Grimm; einfach gehaltene Sprache und Ton, achtete darauf, dass die Geschichten für Kinder zu verstehen waren. Auswahl seiner M.: Die Prinzessin auf der Erbse, Die kleine Meerjungfrau, Des Kaisers neue Kleider, Das hässliche Entlein, Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern u.v.m.
  • Oscar Wilde (1854 – 1900): Idealbilder der Romantik im Gegensatz zur Grausamkeit des Realen, Anprangern von Ausbeutung durch die herrschende Klasse

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