Marinellis Pläne und deren Auswirkungen (Emilia Galotti)

Hier nun möchte ich die Komplexität meiner Pläne erläutern, die mich zum letztendlichen Drahtzieher der ganzen „Emiliaaktion“ machten und meinem Herrn, dem Prinzen den Weg deutlich erleichterten.

Zunächst muss ich sagen , dass diese Pläne aus reinem Eigennutz entstanden sind und nicht entwa nur aus Liebe zum Prinzen. Hier sah ich eine klare Chance zum aufstieg, vom kleinen Kammerherr zum großen Kuppler, auf den sogar der Prinz angewiesen sein würde. Dieses Anliegen befähigte mich ohne weiteres mit allen Mitteln vorzugehen, denn niemand würde meine Grausamkeit am Ende bemerken, wenn ich mich auch nur ein bisschen geschickt dran stellen würde.

Nachdem ich dem Prinzen die für ihn schreckliche Mitteilung machen musste, dass seine angebetete noch am selbigen Tag den Grafen Appiani heiraten würde, kam er in den Drang zu Handeln. Hier setzte mien erster Plan der mir in den sinn kam an. Der Graf Appiani sollte noch an diesem Tag das große Privileg erhalten für den Prinzen nach Massa zu reisen, um dort eine Bevollmächtigung im Hinblick auf die Hochzeit des Prinzen abzugeben. Dieser Plan erfreute meinen Herrn sehr und er verlangte nach der sofortigen Umsetzung.

Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte mein Weitblick und meine Kombinationsgabe mich zu dem Schluss geführt, dass dieser Plan von einem Mann mit strengen Prinzipien garantiert abgeschlagen würde. Hier griff eine neue Idee.

Auf dem weg des Brautpaares hin zur Hochzeit in Sabionetta, sollte der angeheuerte Angelo die Kutsche überfallen, den Grafen töten und Emilia zum Lustschloss des Prinzen in Dosalo bringen, was auf dem Weg liegt. Die Absichten den Grafen töten zu lassen und mir überhaupt eine Feindschaft mit ihm nachsagen zu lassen, schlug ich hinterher geschickt ab. Die Absicherung des Prinzen holte ich hierbei, klug und gerissen wie ich bin, erst ein, als der Plan unaufhaltsam und in vollem Gange war.

Als besondere Höchstleistung konnte ich mir bei fast allen betroffenen eine reine Weste waschen, denn nur der Prinz und Angelo konnten in verdacht geraten. Ich bin sicher, dass der Plan vollends perfekt und eventuell ganz ohne verdächtige abgelaufen wäre, wenn mir der Prinz, der hier wohl mit meiner Weitsicht nicht mithalten konnte, morgens in der Messe Emilia alles gestanden und damit den verdacht auf sich gezogen und Emilia verschreckt hätte.

Als kleiner Wermutstropfen muss ich jedoch meinen letzen Plan verbuchen. Auf begründete Angst des Prinzen, das Odoardo Galotti Emilia außer Reichweite des Prinzen bringen würde, nachdem sie doch schon mal in seinen Händen war, hin überlegte ich mir einen Grund der Emilia in der Stadt halten sollte.

Eine angebliche Anklage gegen Emilia, im Bezug auf dem Mord an ihrem zukünftigen und einer genialer weise von mir frei erfundenen Trennungsaufbewahrung, sollte Odoardo zwingen Emilia in das Haus des Kanzlers, eines Freudenhauses zu schicken.

Doch da Emilia sich mit ihren überzogenen Wertvorstellungen wohl selbst nicht vertraute und glaubte ihren Vater zu enttäuschen, lies sie sich von diesem erstechen. Genaugenommen war das der Moment in dem mir mein versagen klar wurde. Das ging sogar so weit, als das ich mich ebenfalls umbringen wollte. Ich war mir sicher des Prinzens Anerkennung nun völlig verloren zu haben, denn alles was für ihn wichtig war war Emilia und offensichtlich ich nicht.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (14 Bewertungen, Durchschnitt: 3,50 von 5)
Loading...
Besucher haben danach gelesen: