Referat zur Theologie Bonhoeffers – Dietrich Bonhoeffer

Referat zur Theologie Bonhoeffers von Lukas Geiger 11b

1. Einleitung
1.1. Allgemeines über Theologie
1.2. Einführung in Theologie Bonhoeffers
2. Bonhoeffers Theologie
2.1. Eine neue Sicht des Diesseits
2.2. Eine neue Vision von Kirche
2.3. Das Klösterliche
2.4. Zur Sünde
2.5. Religionsloses Christsein

1. Einleitung
1.1. Allgemeines über Theologie
Theologie (griech. θεολογία (theología), von θεός (theós), „Gott“ und λόγος (lógos), „Lehre“) meint wörtlich „die Lehre von Gott“, allgemeiner: die Lehre vom Inhalt des (christlichen) Glaubens und den Glaubensdokumenten. In meinem Referat beziehe ich mich natürlich nur auf die christliche Theologie und im Besonderen auf die Theologie Bonhoeffers.
Wie kommt es überhaupt zu verschiedenen Theologien innerhalb des christlichen Glaubens? Die Bibel, oft als Wort Gottes bezeichnet, ist von Menschen geschrieben, deren Erfahrungen und Sichtweisen die Texte beeinflussen. So gibt es auf das Neue Testament bezogen schon in den Evangelien untereinander und zu den Paulusbriefen unterschiedliche theologische Ansätze, die von unterschiedlichen Deutern, zu unterschiedlichen Zeiten, je nach eigenen Erfahrungen, wiederentdeckt und betont werden.
So entsteht eine Vielfalt von Theologien, wobei keine eine absolute Wahrheit beweisen und beanspruchen kann, deshalb muss immer eine lebendige Diskussion über Theologie entfacht bleiben, um einen zeitgemäßen christlichen Glauben zu ermöglichen.

1.2. Einführung in Theologie Bonhoeffers

Theologie muss immer auch mit dem geschichtlichen und persönlichen Hintergründen der Verfasser von theologischen Schriften gesehen werden. Deshalb werde ich einige biographische Dinge einarbeiten, um Bonhoeffers Ansichten besser verständlich zu machen.

2. Bonhoeffers Theologie
2.1. Eine neue Sicht des Diesseits

Um eine neue Sicht des Diesseits verstehen zu können, muss man die alte Sicht kennen, die Zwei-Reiche-Lehre abgeleitet aus der Offenbarung und weiterentwickelt zum Beispiel von Martin Luther:
In „Von weltlicher Obrigkeit…“ unterscheidet Luther zu Beginn das Reich Gottes vom Reich der Welt. Er ordnet beiden Reichen bestimmte Menschengruppen zu: Im Reich Gottes leben die „rechtgläubigen“ Christen, im Reich der Welt alle übrigen Menschen. Demnach kann jeder Mensch nur Bürger eines der beiden Reiche sein, entweder als Christ im Reich Gottes oder als Nichtgläubiger im Reich der Welt.
Zu diesen beiden Reichen, treten nun die beiden Regimente Gottes mit der Gott allerdings nur das Reich der Welt regiert. Das Reich Gottes existiert unabhängig von den Regimenten: Er unterscheidet einerseits das geistliche, welches „fromm macht“, d.h. den Glauben durch das Predigtamt der Kirche in Wort und Sakrament „durch den heiligen Geist und unter Christus“ weckt, und das weltliche, welches durch das Schwertamt der Obrigkeit dem Bösen, den Unchristen, d.h. zum Schutz der Frommen, und dem Krieg wehrt, d.h. Frieden schafft. Diese Unterscheidung von zwei Reichen und zwei Regimenten darf nicht vermischt werden. Der Mensch findet sich nun entweder im Reich Gottes durch die Rechtfertigung allein aus Glauben vor, in dem es keine Regimente braucht, weil aus dem Glauben automatisch die guten Werke fließen oder aber im Reich der Welt, des Unglaubens, indem er durch das Predigt- und Schwertamt konfrontiert und regiert wird. Christen unterwerfen sich aber aus Nächstenliebe der Obr igkeit, bzw. dem weltlichen Regiment, obwohl sie es eigentlich nicht nötig hätten. (s Abb.)

So ergibt sich für die Christen das Problem, inwieweit sie aber berechtigt sind, sich politisch im Staat/Welt zu aktivieren. Die Zwei-Reiche-Lehre bringt die Tendenz mit sich, das Herrschaftssystem uneingeschränkt zu akzeptieren, da ja nur der Körper bedroht ist und die Herrschaft von Gott gewollt ist, so wie die Deutsche Christen, es getan haben.
„Je ausschließlicher wir Christus als den Herrn bekennen, desto mehr enthüllt sich die Weite seines Herrschaftsbereiches…Die Welt gehört zu Christus und nur in Christus ist sie, was sie ist. Sie braucht darum nichts geringeres als Christus selbst. Alles wäre verdorben, wollte man Christus für die Kirche aufbewahren, während man der Welt nur irgendein, vielleicht christliches, Gesetz gönnt. Christus ist für die Welt gestorben und nur mitten in der Welt ist Christus Christus. … Seit Gott in Christus Fleisch wurde und in die Welt einging, ist es uns verboten, zwei Räume, zwei Wirklichkeiten zu behaupten: Es gibt nur diese eine Welt.“ (Bonhoeffer) Bonhoeffer sagt dagegen, dass es nur eine Welt gibt. Seine neue Sicht des Diesseits befreit auch die jetzige Welt von ihrem herabgeminderten Status des Vorläufigen. Das „Vorletzte“ ist „Hülle des Letzten“, die Welt ist Hülle Gottes. Wenn dem so ist, kommt der gläubige Mensch nur durch die Welt zu Gott, nicht an der Welt vorbei. Auch hier bricht Bonhoeffer mit alten theologischen Mustern, die den Wert des Natürlichen und die Eigenständigkeit des Diesseitigen abqualifizieren. So kann Bonhoeffer auch den Kritikern wie Ludwig Feuerbach, Karl Marx oder Sigmund Freud etwas entgegensetzen, die den christlichen Glauben als illusionär und auf ein Jenseits vertröstend kritisierten

2.2. Eine neue Vision von Kirche

Aus dieser neuen Sicht des Diesseits heraus, entwickelt er auch eine neue Vision von Kirche. Jeder Mensch muss durch die Welt hindurch genau wie Jesus um zu Gott zu kommen. Sowie Jesus fragt: „Was muss ich tun, damit anderen geholfen werde?“ So sollen auch wir fragen und nicht, wie seid dem 3.Jahrhundert üblich: „Was muss ich tun, damit ich selig werde?“ Christsein bedeutet dann wirkliches Leben in dieser Welt, Teilnahme an den Nöten, Fragen, Entscheidungen, auch am Protest und an der Ratlosigkeit. Eine Kirche für andere. „Christen, die nur mit einem Bein auf der Erde stehen, stehen wohl auch nur mit einem Bein im Himmel“. Für Bonhoeffer wird „Christus – in der Gemeinde gegenwärtig“ und nicht nur im Abendmahl. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind. Da bin ich mitten unter ihnen.“

2.3. Das Klösterliche

Bonhoeffer wendet sich ebenfalls gegen einen akademischen Pfarrerstand. „An die Universität glaube ich nicht mehr, habe ja eigentlich nie daran geglaubt … Die gesamte Ausbildung des Theologennachwuchses gehört heute in kirchlich klösterliche Schulen, in denen die reine Lehre, die Bergpredigt und der Kultus ernst genommen werden.“ Ganz nach seiner Überzeugung schafft er seinen Vikaren in den Predigtseminaren verpflichtende feste Formen und stille Zeiten, wie im Kloster.
In einem späteren Abschnitt seines Lebens aber, nämlich im Gefängnis, merkt er, dass ihm die klösterliche Zucht nicht fehlt. Der Gottesdienst, das vorgeschriebene regelmäßige Bibellesen, es fehlt ihm nicht. Er ließt tagelang nicht in der Bibel und verschlingt sie dann aber auch wieder tagelang. Er stellt schließlich fest: „Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben.“ Außerdem: „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles Denken, Reden und Organisieren in den Dingen des Christentums muss neu geboren werden aus diesem Beten und aus diesem Tun.“

2.4. Zur Sünde

Da der Christ nun in die Welt gestellt ist, ist er ebenfalls in die Entscheidung gestellt. Der Christ macht sich durch Tun aber auch durch Unterlassen schuldig. Bonhoeffer nimmt sich nun in besonderer Weise dem Gedanken der Rechtfertigung des Sünders durch Gott an. Und das, was dem Einzelnen zuteil wird, gilt auch für die Gemeinschaft der Glaubenden, die Kirche. Die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, und die Bereitschaft, dadurch Schuld auf sich zu nehmen, führen nur dann nicht zur Verzweiflung, wenn sich der glaubende Mensch und auch die Gemeinde der „teuren Gnade“ Gottes gewiss sein können. „Teure Gnade“ ist aber nur zu erhalten im strengen Gehorsam gegenüber Christus. Die Rechtfertigung des Sünders geschieht nur in der Nachfolge Jesu Christi. Auch hier ist wieder zu erkennen, dass das Bewegen im Radius um den Mittelpunkt Jesus Christus nur möglich ist in engem Bezug auf diese Mitte hin. So entschied sich Bonhoeffer in den Widerstand zu gehen und aktiv an der Ermordung Hitlers mitzuwirken, was nicht ohne spätere Kritik blieb.

Anlässlich des achten Jahrestags der Hinrichtung Dietrich Bonhoeffers am 9.April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg lud die Bayerische Pfarrerbruderschaft zu einer Gedenkveranstaltung ein. In der evangelischen Kirche eines kleinen oberpfälzischen Ortes sollte eine Tafel aufgestellt werden, die Bonhoeffer Als „Zeuge Jesu Christi unter seinen Brüdern“ ehrte.

2.5. Religionsloses Christsein

Bonhoeffer sagte einmal: „Es gibt einen Himalaya und es gibt einen Bodensee, aber Gott gibt es nicht!“ Leugnete er Gott? Um diese Aussage verstehen zu können müssen wir etwas in die Vergangenheit schauen und seinen theologischen Werdegang betrachten.

Im Studium entwickelt sich ein für Bonhoeffer typischer Ansatz des Denkens. Gott ist für ihn ein „Du“ nicht ein „Es“, dass es gibt. Gott ist ein lebendiges Gegenüber. Man könnte auch sagen: „ So, wie es einen Himalaya gibt und einen Bodensee, so gibt es Gott nicht!“ Also alles gar nicht so ganz schlimm wie wir zunächst dachten. Gott gibt es also schon, aber nicht wie eine Sache. Er ist kein Berg und kein See, er ist keine Sonne, kein Mond und keine Sterne. Sondern ein lebendiges Gegenüber. Also noch mal Glück gehabt, oder? Wäre ja schon peinlich gewesen, wenn der Vorzeigechrist sich für uns doch noch als Atheist entpuppt hätte. Doch dann der nächste Schock, Bonhoeffer meint, wir müssten heute leben „etsi Deus non daretur!“ – „Als ob es Gott nicht gebe.“ Wie meinte er das? Gut Gott gibt es nicht als Sache, als Ding. Aber er ist als „Du“ existent und so wäre es doch umso schlimmer ihn jetzt noch zu ignorieren und so zu leben als gäbe es ihn nicht? Um diese Aussage verstehen zu können, müssen wir also noch weiter in die Vergangenheit Bonhoeffers reisen, in die Kindheit. Dietrich Bonhoeffers Mutter stammte aus einer alten Theologenfamilie und sorgte dafür dass Bonhoeffer und seine Geschwister im Geist protestantischen Christentums erzogen wurden, ohne dass man aber im Hause Bonhoeffers besonders kirchlich gesinnt war. Und Bonhoeffers Vater war Professor für Psychatrie und Neurologie. So hatte er früh Kontakt zur Wissenschaft und war gegen einen Gott als Lückenbüßer Denn er wusste ein Gott als Lückenbüßer würde sterben. So sagte er: „Wir gehen einer völlig religionslosen Zeit entgegen“

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